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Zeit ist der beste Köder ...
Diese Floskel kommt bei den verschiedensten
Diskussionen zum Thema Silure immer wieder auf den Tisch.
Und warum? Weil sie genau ins Schwarze trifft. Wer die Zeit
auf seiner Seite hat, wird früher oder später zum Erfolg
kommen. Deshalb versuche ich aus der mir fürs Angeln zur
Verfügung stehenden Zeit immer das Maximale zu machen. Das
heißt für mich, so früh wie möglich am Wasser zu sein, um in
aller Ruhe meine Köder zu postieren. |
Leider gibt es Tage, an denen andere Dinge Vorrang haben und
erledigt werden müssen, bevor der Wels in den Fokus rücken
kann. An diesen Tagen wird die Zeit zum Gegner und tickt
souverän unseren Planungen entgegen. Dass man sich von davon
trotzdem nicht abhalten lassen sollte seine Vorhaben
durchzuziehen hat uns die im Folgenden beschriebene Session
mal wieder bewiesen.Freitagnachmittag: Ich sitze vorm TV
und zappe nervös durch die einzelnen Kanäle. Das übliche,
„hochwertige“ Nachmittagsprogramm flimmert über’ n
Bildschirm. Ich verfolge dieses Schauspiel mit leerem Blick,
denn meine Gedanken sind längst woanders.
- Gibt’s noch etwas, was ich
vorbereiten könnte?
- Steine? - Sind gebunden!
- Boot? – Startklar!
- Köder? – Jou, hab ich!
Es hieß also warten. Warten darauf, dass mein Freund
Ruppi seine Schicht beendet würde und wir starten können.
Plötzlich eine SMS: "Wird wohl 18 Uhr…" Sofort drängen sich
erste Zweifel auf. Immerhin würde es um spätestens 19 Uhr
komplett dunkel sein. Dazu kam, dass wir an diesem Abend
einen Platz befischen wollten zu dem wir übersetzen mussten
und den wir bisher noch nie befischt hatten. Beste
Vorrausetzungen also. Aber schlimmer, als wenig Zeit zum
Fischen zu haben ist es, dies als Grund dafür zu nehmen es
erst gar nicht zu versuchen. Eine Absage des Ansitzes kam
also nicht in Frage!
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18.00 Uhr:
Pünktlich rollt Ruppi mit seinem Gespann in meine Einfahrt.
Kurze Absprache und losgeht‘ s. Als wir am Gewässer ankommen
ist es bereits dunkel. Wir biegen in den Weg ein, der uns zu
der Stelle führt wo wir die Boote wässern wollen. Plötzlich,
auf halber Strecke taucht eine Absperrung im Licht meiner
Scheinwerfer auf. „Auch das noch…!“ Beim näheren Begutachten
des Tores erkannten wir, dass der Beton noch nicht fest war,
das Tor musste erst kurze Zeit vorher errichtet worden sein.
„So eine Sch…!!“Mein Blick geht zur Uhr…“Oh je, Jackpot“,
denke ich während die Uhr unserem vermutlichen Blank
entgegentickt. Passend dazu beginnt es jetzt natürlich auch
noch zu regnen. Wir beschließen unsere Autos hier stehen zu
lassen und unseren Kram, inklusive Schlauchis ein Stück zu
schleppen, um sie an einer steilen Böschung ins Wasser zu
lassen. Während wir unser Zeugs Stück für Stück Richtung
Wasser tragen, schweife ich mit den Gedanken in die
Vorwoche. Da kamen die meisten Bisse in der Dämmerungsphase,
dementsprechend gedämpft war die Erwartungshaltung beim
Blick aufs Zeiteisen.
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Am Platz angekommen ...
zahlten sich dann die detaillierte Vorbereitung und das
Auskundschaften der Platzstruktur in der Vorwoche aus. Die
Steine waren gebunden, die Vorfächer passend zur Ködergröße
geknüpft und so lagen die Montagen ruckzuck genau dort wo
sie liegen sollten. Wir befischten ein Flachwasserplateau,
das zu allen Seiten gleichmäßig abfiel und am unteren Ende
an ein Kehrwasser anschloss.
Kehrwasser und Kante wurden vermint und es begann das
Bange warten. War unsere Zeit für heute schon abgelaufen?
Hatten wir die Welse verpasst?
Jede dieser Hinterfragungen endete mit einem Blick auf
die Rutenspitzen, die die Antwort scheinbar für sich
behalten wollten.
Plötzlich bricht Ruppis „Strömungskantenrute“ das Schweigen
und geht voll in die Knie. Der Fisch zieht in die Strömung.
Ruppi macht Druck und hält den Fisch im Zaum. Augenblicke
später bricht der Widerstand des Silures und ich kann einen
kugelrunden, halbstarken Frühjahrswaller greifen und landen.
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Der Haken sitzt tief und das
Lösen erfordert Geschick ...
und dauert eine Weile. Um den Fisch nicht zusätzlich zu
strapazieren verzichtet Ruppi auf sein Foto und entlässt
seinen Fang wieder in die Fluten. Danach ging‘ s dann so
langsam ans Essen. Die Schwenker brutzelten vor sich hin und
wir redeten über Gott und die Welt. Eigentlich muss ich,
wenn ich jetzt so darüber nachdenke echt lachen. Geschifft
hat‘s ja immer noch und die Schirme standen bereit.
Trotzdem standen wir noch gute zwei Stunden wie die
begossenen Pudel im Regen, tranken ein Pils und realisierten
das Mistwetter gar nicht. Schon ziemlich bescheuert, aber
ich finde das sind die Momente, die das Angeln ausmachen.
Genial. Der Zeitdruck und Stress der vergangenen Stunden war
komplett vergessen. Die Zeit war wieder unser Freund, denn
die Ruten lagen gut und es würde noch stundenlang dunkel
bleiben.
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Tick Tack, Tick Tack, Tick Tack
... BISS!!!
Alarm im Kehrwasserkarussell! Zum Vorschein kommt ein
stattlicher, wohlgenährter und hell gefärbter Wels. Diesmal
gab‘s dann auch schnell ein Foto, bevor der Fisch sich
wieder ins Getümmel stürzen durfte.
Müde öffne ich meine Augen
...
Ein grauer Tag liegt vor mir. Alles ist komplett
durchnässt. Unser Platz hat sich über Nacht in eine
Schlammlache verwandelt. Einige der Ruten stehen stark
gekrümmt im Rutenhalter. Treibgut hatte sich verfangen und
zog die Spitzen konstant nach unten. Auch in meine Schuhe
hatte es reingeregnet.
"Na bravo … wenn der Tag schon so anfängt"
Beim Gedanken ans Einpacken rollten sich mir die Fußnägel
hoch, denn wenn ich eins nicht leiden kann, dann ist es das
Einpacken des Tackles am Ende einer Tour und wenn dieses
dann auch noch nass ist, sodass ich es daheim wieder zum
Trocknen aufstellen muss dann frag ich mich jedes Mal warum
ich mir das eigentlich antue. Umso glücklicher blicke ich
einige Zeit später auf mein vollbeladenes Auto. Ich schließe
die Kofferraumklappe, setze mich in die Karre und starte den
Motor.
In diesem Moment erleuchtet
an der Anzeige auch die Uhr. Ich zögere einen Moment, muss
grinsen und mache mich auf den Weg nach Hause.
Gruß
Hannes
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