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Es ist dieser Fisch ...
Der Fisch, der mir bei all meinen Aktivitäten immer im Hinterkopf
umherschwirrt. Er entfacht das Feuer auch an Tagen, an denen
die Motivation völlig fehlt, sodass man selbst beim größten
Sauwetter und noch so schlechten Bedingungen das Boot
sattelt, die Köfis einlädt und den Weg ans Wasser sucht. Es
ist ein Fisch, der mit seinen Ausmaßen die „magische Grenze“
knackt. Ein Fisch, der sich irgendwo in meinem Hausgewässer
versteckt hält und die „2“ vorm Komma trägt. |
| Er hat ein großes Maul,
lange Barteln, einen dicken, press gefüllten Bauch und einen
Flossensaum, der so hoch ist, dass sich Eddie dahinter
verstecken könnte. Gefärbt ist dieser Fisch pechschwarz und
vermittelt mit seinem Erscheinungsbild einen schier
unbezwingbaren Gegner. Was diesen einen Fisch, aber
besonders von den anderen unterscheidet ist die Mystik, die
ihn umgibt. Ich habe es genau vor meinem geistigen Auge,
wie er da, verschanzt in seinem Unterholz verweilt und
überlegen sein breites Maul immer wieder öffnet und dann
wieder schließt, um sich Wasser in die Kiemenbögen zu
pressen und seinen massigen Körper so mit Sauerstoff zu
versorgen. Aber wo befindet sich diese Wallerburg? Existiert
sie nur in meinen Träumen oder gibt es sie wirklich? Hatte
ich sie vielleicht sogar schon mal befischt?
War es damals der falsche Zeitpunkt, oder nur der falsche
Köder, oder stimmte beides und es lag einfach am fehlenden
Appetit des Silures? Oder hatte ich den Flossenträger bisher
doch nur einfach nicht gefunden ??? Fragen über Fragen, die
im Zusammenspiel mit dem bereits beschriebenen Kopfkino
diese Mystik entstehen ließen. Doch genauso exakt wie die
Vorstellungen von diesem Traumfisch sind, so realitätsfremd
und weit entfernt vom Möglichen scheinen sie zu sein.
Irgendwann, irgendwo kommt er bestimmt …. oder doch schon
beim nächsten Ansitz!? NIEMALS!!!
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Jetzt noch zum Wetter ...
“Sonne, Sonne, Sonne, Temperaturen bis 26°C und von
Regen weit und breit nix zu sehen, macht euch nen schönen
Samstag“; klingt es aus dem kleinen Badezimmerradio als ich
mir den letzten Schlaf aus den Augen wasche und im Spiegel
vor mir nen grinsenden Hannes sehe. Kein Wunder, denn in
wenigen Stunden sollte es ans Wasser gehen. Die Köfis sind
top, das Wetter ist top, die Laune ist top … alles ist top!
Es ist elf Uhr und gegen 12 wollen Sven und Eddie bei mir
eintrudeln, damit wir gemeinsam in Richtung Silure
aufbrechen können. „Goooooil, Sommerfischen ist angesagt“,
denke ich mir als ich kurz darauf das Futteral, die Liege
und die Rutenhalter in die Einfahrt placke.
Pünktlich wie immer läuft Sven bei mir ein. Nach kurzer
Begrüßung und dem Verstauen meines Tackles geht’s direkt
weiter Richtung Waaaaaasser. Aber heute ist es irgendwie
anders als sonst. Da es im Moment im Bezug auf anstehende
Projekte einiges zu besprechen gibt, beschäftigen wir uns
mit diesen Themen, anstatt uns wie sonst mit Taktik und
Strategiefragen für den Abend zu befassen. |
Am Platz angekommen ...
bleibt das Ganze total entspannt. Eine kurze Ausfahrt mit dem Boot,
Besprechung der Vorgehensweise, schnelles, schmerzloses
Ausbringen der Ruten und schon finden wir uns auf unseren
Stühlen wieder. Gegen Abend gesellte sich dann noch Bemmy zu
uns, der jedoch an diesem Abend nur eine Rute fischte.
Auch nun war es irgendwie alles anders als sonst. Die
Gesprächsthemen befanden sich fernab unserer
Lieblingsbeschäftigung und wenn mal über das Angeln
gesprochen wurden dann meist nur um festzustellen, dass wir
für die bevorstehende Nacht kein gutes Gefühl hatten.
Im Prinzip, war die Session schon abgehakt, bevor sie
überhaupt begonnen hatte. Wir genossen das Sommerfeeling und
wollten fischmäßig mitnehmen was eben ging … ganz locker und
relaxt eben. Stress war ein Fremdwort. |
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Langsam wird es kalt ...
Ich krame in meiner Tasche und ziehe die Fleece-Weste
aus dem Durcheinander. „Seltsamer Sommer“, denke ich als ich
abermals skeptisch gen Rutenspitzen blicke. Ein leises
Klingeln. Unsere Blicke suchen hektisch alle Rutenspitzen
ab, aber alles scheint normal. Oder doch nicht? Svens
„Rechtsaußen“ geht langsam in die Knie, bevor Sven
anschlagen kann geht der Waller schon voll in die Bremse, so
dass unser Pädagoge Probleme hat, die Nazgul aus dem Halter
zu bekommen und anzuschlagen.
Der Fisch nimmt sofort Fahrt auf und lässt die Penn so
kreischen wie wohl jeder Welsangler es kennt und liebt.
Gleich darauf folgt das Gefühl, das ebenfalls jeder
Welsangler kennt ... Enttäuschung. Die Rute entspannt sich
schlagartig und Sven bestätigt mit seinem „AB!!!“ das, was
wir alle befürchtet hatten. Der Fisch war ausgestiegen.
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Stille ...
Resigniert und wortlos binde ich den neuen Stein und Sven
macht sich einen neuen Köderfisch startklar. Einige Minuten
Gepaddel und schon sitzen wir wieder auf unseren Stühlen.
Mittlerweile ist es komplett dunkel. In die Diskussion,
warum wir den Silure nicht bekommen haben platzt der nächste
Biss, wieder bei Sven. Der Drill ist knüppelhart, denn
Strömung und Fisch erweisen sich als gutes Team um Sven
alles abzuverlangen.
Ich seile mich die Böschung hinunter ab und gehe im Boot
in Position. Die Disteln und Dornensträucher, die noch aus
dem plattgetretenen Uferbewuchs rausstechen, zerkratzen
meine Füße. Sommerzeit ist Barfußzeit ... jetzt bereue ich
es.
„Da kommt er“, höre ich Sven schnaufen, als sich mir ein
mit Kraut bedeckter Schädel entgegen schiebt. Ich greife ins
Vorfach und befreie den Kopf nach und nach von dem Gemüse.
Der freihängende Drilling, die Strömung und der noch nicht
ausgedrillte Fisch machen dies nicht unbedingt einfacher,
doch wenig später kann ich den Fisch am Unterkiefer packen
und ihn, samt den noch an ihm hängenden Krautmassen, ins
Boot ziehen ... „JJJJJJJJJJJJJJJJJa! SVEN!! GEIL!!!“
Ein großer, wahnsinnig schön gefärbter Wels teilt sich
mit mir, die Abhakplane, den Hakenlöser, das Wallerseil,
einige Liter Wasser und einen großen Berg Kraut im Innenraum
des kleinen 2m-Schlauchis. Auch Sven ist aus dem Häuschen.
Ich versorge den gebartelten Freund, klettere die Böschung
hinauf und klatsche zufrieden mit meinem Angelpartner ab.
ENDGEIL!!!
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Die Neuausfahrt der gefallenen
Montage ...
ging diesmal mit deutlich mehr Motivation von der Hand. „Boar geil,
vielleicht ist ja heut doch nicht alles sooo schlecht“,
flachsen wir nach getaner Arbeit beim gemütlichen
Wallerbier. Die Nacht verläuft jedoch ruhig, Im Morgengrauen
werde ich geweckt. War das ein Glöckchen? Hmm ... übermüdet
blicke ich auf die Nebelschwaden, die über dem Wasser liegen
und muss erst mal zuordnen wo ich hier überhaupt gerade bin.
Ahja, richtig…Fischen…guuut!
Alles ist klamm und keine der Rutenspitzen weist auf
irgendeine Weise auf einen Biss hin. Meine Augen fallen
wieder zu. Wieder klingelt es kurz. Augen auf! Und diesmal
verrät sich der Räuber. Die Rutenspitze geht nach vorne und
kommt wieder zurück. Das Ganze aber so langsam und in kurzen
Intervallen, dass es einen erfolgreichen Anhieb unmöglich
macht. Ich knie mich hinter den Stecken und warte einige
Augenblicke ab. Plötzlich ruckt die Rute etwas
entschlossener nach vorne als sonst und ich schaffe es
meinen Anhieb genau so zu setzen, dass die Greifer das tun
was sie sollen - greifen!
Ca. 130cm hat der Silure. „Passt! Is doch noch alles gut
geworden!“, gähnt Sven als wir uns noch einmal in dem
Schlafsäcken verkriechen um noch ein oder zwei Stündchen
Augenpflege zu machen. Gegen 8 Uhr ist die Nacht dann aber
endgültig vorbei. Die Sonne knallt schon voll auf uns herab
und macht ein Weiterpennen unmöglich. Viel zu heiß ...
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„Joa, machen wir noch schön
Fotos ...
packen gemütlich ein und fahren frühstücken“; schlage ich Sven vor, der
das nickend bejaht. „Denkste es kommt noch‘ n Biss?“, will
Sven wissen. „Hmm naja, also in den letzten Wochen hatten
wir morgens eigentlich immer Aktion“, antworte ich und zucke
mit dem Schultern. Keine zwei Minuten vergehen, da knallt
Svens Nazgul brutal weg. „Jouuuuuuu sitzt!!“, keucht Sven
und sofort ist klar, dass da wieder ein guter Fisch am Band
ist.
Und dieser kämpft noch viel härter als der, den wir
einige Stunden zuvor gefangen hatten. Um‘ s mal vorne weg zu
nehmen, Sven redete später vom geilsten Wallerdrill den er
je hatte….unzählige Male schoss der Silure, mit der Strömung
im Rücken davon. Für jeden gewonnenen Meter Schnur, quälte
der Fisch wieder zwei von der Rolle.
„Wahnsinn!!! Sollte das…? Ach Quatsch!! ... oder
vielleicht doch!?!?!“, geistert es mir durch die
Hirnwindungen während mein Freund mit allem was er hat in
der Rute liegt und kämpft. Die Sekunden vergehen wie
Stunden. Irgendwann scheint der Fisch ermüdet zu sein und
lässt sich geplättet gegen die Strömung pumpen. Sven gewinnt
Meter um Meter bis das Kraftpaket erneut explodiert und die
Arbeit der letzten Minuten egalisiert. Die 950er schreit
wieder ihr geniales Lied und wirkt für uns beide wie ein
Signal…“JA, DAS IST ER!!!.“
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Ich verspüre innere Unruhe ...
Fast schon Nervosität, jetzt bloß keinen Fehler machen! Der Wels
befindet sich nun genau unter dem Boot, ich sehe das Vorfach
und….da ist er, dreht sich und hebelt mir mit seinem Schwanz
eine fette Ladung Wasser in die Visage.
GUTEN MORGEN!!!! „Jawoll Sven, das isser, das isser,
Sven, das isser!!!!“
Nun schiebt sich der Kopf genau vor mich. Der Einzelhaken
hängt sauber im Maulwinkel. Der Klaps auf den Kopf - keine
Reaktion! Finger in die Kauleiste, linke Hand hinterher, ich
zieeeeeeehe uuuuuund begrabe mich unter dem Silure.
„JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!!!!!!!“,
bricht es unkontrolliert aus mir heraus, das ist der Moment.
DER verdammte Moment. Und vor allem DER FISCH!!!
„Sven ich halt‘ s net aus, was ist hier los!?!?!?!“,
komme ich aus dem Lachen und ungläubigen Kopfschütteln nicht
mehr raus. Sven klettert runter zu mir ans Boot, klatschnass
fallen wir uns in die Arme. „Sven das isser!“
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Der Wels liegt quer in Svens
2m-Boot ...
und sein Schwanz ragt noch soweit aus dem Boot, dass die Schwanzflosse
das Wasser berührt. Das muss er sein. Das Maßband bringt
Sekunden später die Gewissheit-2,03m!!! Absoluter
Wahnsinn!!!
Die folgenden Minuten, oder ich sage besser die folgende
Stunde, inklusive Fotosession erlebe ich in einer Art
Trance, die mich dazu veranlasst mich nach der Fotosession
nicht sofort umzuziehen und einzupacken wie sonst, sondern
noch einige Minuten alleine im Boot zu verharren und das
Geschehene sacken zu lassen. Ich blicke von meinen nassen
Kleidern auf meine, mit einer Masse aus Faulschlamm und
Wallerschleim überzogenen Arme, auf die kaputten Hände und
schließlich auf den Fluss. Aber ich sehe nicht den Fluss ...
Ich sehe den Weg der letzten Jahre vor mir. Die
unzähligen Stunden am Wasser. Die zahlreichen,
zeitintensiven Erkundungstouren, sei es zu Fuß oder mit dem
Boot, Spekulationen, Vermutungen, Pläne, Testansitze,
anfängliche Niederlagen, erste Erfolge, das Finden einer
gewissen Konstanz was Fänge angeht, stetige
Weiterentwicklung durch ständiges Lernen und „Am Ball
bleiben“. Verarbeitung und das richtige Einordnen neuer
Erfahrungen, Steigerung der Fänge, ein unendlicher
Lernprozess, ein steiniger Weg mit Höhen und Tiefen.
Und bei jedem Schritt, jedem Tritt und jedem Handgriff
war er immer dabei…der Fisch der Träume…irgendwo im
Hinterkopf. Nun hatten wir ihn bezwungen. Ein ungreifbares
Gefühl. Mir fiel auf, dass ich mir bisher eigentlich immer
nur Gedanken darum gemacht hatte, dass der Tag wohl
irgendwann kommt. Aber darüber nachgedacht was nach diesem
Fisch kommt hatte ich bisher nicht, da es, wie schon gesagt
eh erst irgendwann passieren würde und ohnehin eigentlich
total unrealistisch schien….und doch war es nun geschehen.
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Ein gewisses Ziel war also
erreicht. Was nun ???
Klar, ein neues musste her und ich merkte gleich, dass
mein Kopfkino rein gar nichts an Kreativität verloren hatte.
„Das war nur die Spitze des Eisbergs, da ist sicher noch
mehr möglich, ist ja noch Luft nach oben…!“, höre ich wieder
diese, mich antreibende innere „Stimme“ auf mich einreden.
Ich muss grinsen, blicke vom Wasser zurück auf meine Arme da
ich spüre, dass die Sonne beginnt den Wallerschleim zu
trocknen. Ich nehme den letzten, völlig kohlensäurefreien
Schluck aus meiner Kaltschale, klettere die Böschung hinauf
zu den beiden anderen und will eigentlich so viel sagen. Was
ich rausbringe ist aber nur ein schlichtes „Wahnsinn…“.
Wir packen unsere Sachen und
machen uns auf den Heimweg, die neuen Ziele klar vor Augen
...
Bis zum nächsten Mal
Euer
Hannes
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