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von Waller Kalle

 

 
In der " Rute und Rolle " Ausgabe 1 /2002

hatte Andreas Zimmermann bereits über ein neues bisher unbekanntes Wallerrevier berichtet und angekündigt, dass wir im Jahr 2002 einen weiteren Trip dorthin unternehmen werden. Kurz nach dieser ersten Veröffentlichung kam ein anderer bekannter Wallerautor in einer Angelzeitschrift in seinem Bericht über den Polyfito Stausee in Griechenland zu einem weitaus schlechteren Gesamtfazit. Seiner Meinung nach sollten die Wallerbestände des griechischen Stausees durch zu starke Berufsfischerei sehr gering sein, und er riet den Walleranglern von einer Reise nach Griechenland eher ab. Andy und ich befanden uns gerade in Italien am Po beim Wallerangeln als uns Anfang September eine SMS von unserem griechischen Freund Paris mit folgendem Inhalt erreichte ...



" I CATCH THIS EVENING A VERY BIG CATFISH "
 

Da es schon fast Mitternacht war beschlossen wir erst am folgenden Tag Paris zurückzurufen. Doch bevor es dazu kam ereilte uns eine weitere fast unglaubliche SMS mit folgendem Hammerinhalt ...
 

" THE FISH IS 2.64 M AND HIS WEIGHT IS 140 KG "


Wahrlich unglaublich ? Für uns Nicht. Bei unserm letzten Aufenthalt im Frühjahr 2002 konnten wir zwar keinen der mit dem Echolot entdeckten Riesenwaller fangen und wir mussten diesen Trip unverrichteter Dinge Aufgrund einer generellen Fischschonzeit in Nordgriechenland abbrechen. Dennoch stand für uns fest, von diesem See wird die Wallerszene sicherlich noch einiges zu hören bekommen. Deshalb überlies ich „Paris“ eine schwere Wallerausrüstung die mir auch für Waller der Größe XXL angemessen erschien.

Mit einem Rückruf vergewisserten wir uns das alles seine Richtigkeit hatte. Leider erfuhren wir dabei auch die traurige Nachricht, dass der griechische Monsterwaller den Transport zu einer geeichten Waage nicht lebend überstand. Aber mit dem Gewicht waren nicht etwa LBS oder Pfund sondern tatsächlich echte Kilogramm gemeint und bei den 2,64 m Länge handelte es sich bei Paris SMS auch nicht um einen Zahlendreher.

Zahlreiche Zeugen beim Fang beobachteten den etwa 50 minütigem Drill vom Ufer aus und beim Wiegen auf der geeichten Waage waren ebenfalls viele Leute sowie der Wiegemeister vorhanden. Nur den mit der Pocketkameras geschossenen Bilder, nach dem Fang bei Nacht, vertrauten Andreas und ich nicht so recht. Deshalb baten wir Paris den Giganten nochmals bei Tageslicht am Wasser ausgiebig zu Fotografieren und ihn anschließend für eine spätere Präparation tiefzufrieren.
 


Vier Wochen später ...

Diesmal reiste ich zum ersten Mal mit dem PKW über die ehemaligen jugoslawischen Länder nach Griechenland. Vor allem da ich erfahren hatte das man an der serbischen Grenze schnell und einfach für 6,-€ ein Transitvisa erhält. Thomas, Harry und ich schafften diese Fahrt von München, nach Graz in Österreich, weiter nach Slowenien, durch Kroatien, Serbien und Mazedonien bis nach Griechenland ohne größere Aufenthaltszeiten. In etwas weniger als 19 Fahrstunden erreichten wir unser Ziel in Kozani in Griechenland. Aber Vorsicht, in Serbien ist wahrscheinlich jeder Straßenpolizist mit Radarpistolen ausgerüstet. Ein für sechs Monate gültiger Reisepass sowie eine grüne Versicherungskarte für Ihren PKW sind die einzigen erforderlichen Reiseunterlagen. Ein paar Rute & Rolle Hefte können eine Gepäckdurchsuchung an jedem Grenzübergang im Keim ersticken und die Minen der grimmig blickenden Zollbeamten schlagartig in ein freundliches Grinsen verändern.

In Kozani wurden wir schon von Paris empfangen und unser aller erster Gang, trotz Reisestrapazen, war die Besichtigung der ersten Bilder sowie der Tiefkühltruhe mit dem gewichtigen Inhalt. Sofort nach dem ersten Blick auf zwei Bilder mit Paris und der Bestie war klar dass die europäische Angelszene bisher solche Waller- Dimensionen noch nicht zu Gesicht bekam. Leider erkannten wir aber auch auf diesen Bildern, dass der Fisch schon deutliche Verfärbungen aufzuweisen hatte.

Am folgenden Tag verabredeten wir uns mit Paris in unserem Hotel am See um in einem Interview alle Einzelheiten über den unglaublichen Fang zu erfahren.
 
Herzlichen Glückwunsch Paris, Du bist der erste Angler der einen solchen Riesenwaller mit der Angel fangen konnte. Schildere uns doch bitte wie es dazu kam.
Als Ihr im Frühjahr abgereist ward, hatte ich seit dem Ende der Fischschonzeit am 15.ten Juni keinen weiteren Versuch unternommen einen Waller zu Fangen. Ich war den ganzen Sommer damit beschäftigt mein Boot fertig zu bauen. Am Nachmittag des 5.ten September wollte ich dann mit meinem Freund Peter Karabetsos aus Florina einen weiteren Versuch wagen. Wir fuhren mit dem Boot in die Nähe der großen Brücke. Da wir jedoch keine Köder hatten liehen wir uns von einem am Ufer angelnden Freund ein paar kleine tote Rotaugen. (Paris zeigte mit Daumen und Zeigefinger die ungefähre Länge, die ich auf höchstens 12 cm schätzte). Dann begannen wir mit dem Fischen mit dem Wallerholz. Bereits eine halbe Stunde später hatten wir einen Biss und ich konnte nach geringer Gegenwehr einen kleineren Waller mit ca. 10 kg fangen.

Wenige Minuten später begann ich erneut mit dem Wallerholz zu Klopfen. Nach ein paar kleineren steigenden Wallern die ich auf dem Echolotbildschirm in der Nähe meines Köders erkennen konnte tauchte auf einmal ein sehr großer Fisch in etwa 6 Meter Wassertiefe auf dem Echolotbildschirm auf. Sofort holte ich mit der Hand die drei Meter Schnur ein damit sich mein Köder ebenfalls auf etwa sechs Meter Wassertiefe befand. Gerade als der Waller auf dem Echolotbildschirm verschwunden war bekam ich einen kurzen aber heftigen Biss und die Schnur wurde mir aus der Hand gerissen. Ich kurbelte sofort die eingeholte Schnur auf die Rolle und höchstens drei Sekunden später setzte ich einen kräftigen Anhieb.
 


Sofort krümmte sich die Rutenspitze ins Wasser. Aber der Fisch zog nicht weg und ich sagte zu Peter, dass es wohl ein kleinerer Wels sei. Nach ein paar Sekunden bemerkte ich jedoch, dass sich unser Boot in Bewegung gesetzt hatte. Bisher verspürte ich kein rucken und Schlagen des gehakten Fisches. Kurz darauf begann der Fisch Schnur zu nehmen und zog jetzt vermutlich in die Tiefe bis zum Gewässergrund auf etwa 30 Meter Tiefe. Mittlerweile korrigierte ich meine Prognose auf mindestens 40 kg. Ich übte mit meiner Rute gewaltigen Druck auf den Fisch aus, ohne dass ich in der Lage war auch nur eine einzige Kurbelumdrehung Schnur einzuholen. Gemächlich, ohne die Richtung zu wechseln zog der Waller unser Boot. Nach weiteren mindestens 5 schweißtreibenden Minuten bemerkte ich welche Gefahr unmittelbar bevor stand. Der Waller war keine 200 Meter mehr von dem großen unter Wasser stehenden alten Baum den du kennst entfernt.

Sofort bat ich Peter in die andere Richtung zu Paddeln. Doch nun nahm der Fisch immer schneller Schnur und kam dem Baum langsam aber Sicher immer näher. Mittlerweile lief mir der Schweiß aus allen Poren und ich erhöhte nochmals den Druck auf den Fisch mit der kurzen schweren Bootsrute. Auch Peter erhöhte die Schlagfrequenz bis in seinen roten Bereich ohne das Geringste zu bewirken. Keine 100 Meter war der Fisch jetzt vom Baum entfernt. Und plötzlich nahm er keine Schnur mehr und ich konnte erstmalig Schnur aufkurbeln. Im letzten Augenblick hatte der Fisch abgedreht. Nun zog er weiter gemächlich, unser Boot im Schlepp in die andere Richtung zur Mitte des Sees hin. Meine Arme, und vor allem mein Rücken schmerzten mittlerweile so sehr dass ich meine Drillpositionen immer häufiger wechseln musste.
 


Peter hatte jetzt seine Paddelunterstützung einstellen da keine Unmittelbare Gefahr mehr bestand, dass sich der große Waller in einem Hindernis festsetzen konnte. Mittlerweile war uns auch klar dass es sich um einen sehr großen Waller handeln musste. Nun waren mindestens eine halbe Stunde vergangen und von dem Fisch war immer noch nichts zu sehen. Meine Körperkräfte waren völlig am Ende und ich musste zum ersten mal eine Sitzposition im Boot einnehmen aber ich versuchte trotzdem, ja nicht den Druck auf den Fisch zu reduzieren. Langsam aber sicher zweifelte ich ob ich den Fisch wohl alleine Bezwingen konnte. Ich erinnerte mich an Deine Worte, dass ein von zwei Personen gedrillter Fisch nicht als Rekord anerkannt wird. Also doch weiter alles Geben obwohl eigentlich nichts mehr geht und auf einmal gelingt es mir wieder Schnur zu Gewinnen und zwar diesmal ohne das der Fisch die Richtung gewechselt hat.

Plötzlich kamen Luftblasen nur wenige Meter neben dem Boot hoch, Luftblasen so groß wie Kaffeetassen. Und plötzlich liegt ein Monster neben dem Boot fast genauso lang wie unser kleines Boot selbst. Er liegt neben dem Boot an der Wasseroberfläche ohne eine Flosse zu bewegen und scheint mindestens genauso kaputt zu sein wie ich. Im ersten Moment verschlägt es uns die Sprache und Peter und ich schauen uns erschrocken an. Wir haben beide Angst den Fisch mit der Hand zu packen und wir beschließen den Fisch mit der Angel und mit dem Boot nun ganz langsam an Land zu fahren, zumal ich sehe, dass der Haken perfekt im Maulwinkel sitzt. Eigentlich blieb uns nichts anderes übrig, da wir den Fisch sicherlich nicht in unser Boot gebracht hätten. Als wir am Ufer ankommen erwarten uns schon einige Zuschauer die unseren spannenden Drill verfolgt hatten. Nun löst sich auch meine Anspannung und weicht schier unglaublicher Freude. Auch Savas der Berufsfischer kommt dazu. Gemeinsam wuchten wir den Riesenfisch in unser Boot. Ich fragte Savas wie schwer dieser Waller wohl sei? Und er schätzte Ihn auf mindestens 130 kg.

Anschließend transportierten wir den Monsterfisch in die große Bucht. Dort wurden noch einige Bilder geschossen. Dann transportierten wir Ihn mit einem Lieferwagen nach Kozani und noch in der Nacht wurde er auf einer geeichten Waage gewogen. Ich selbst hatte solch einen großen Waller bisher nur in unserer Regionalpresse von Bildern der Berufsfischer gesehen hatte. Und nun zeigte der Zeiger der Waage genau 140 kg an. Und mit einem Maßband konnten wir die Länge von 2,64 m feststellen. Bis vor Deiner Ankunft im letzten Sommer dachten wir alle das nur die Berufsfischer solche Fische fangen können aber wir Angler niemals eine Chance haben einen solchen Fisch zu bezwingen. Paris ich danke Dir für diese genaue Schilderung. Ich gratuliere Dir für diesen gewaltigen Fang und glaube dieser Fisch wird bei uns für gehöriges Aufsehen sorgen.
 

Paris, wie lange angelst Du schon auf Waller?

Nachdem wir Holger und Dich im August 2001 kennenlernten und ich von Dir das Wallerfischen erlernte, begann ich im letzten September.

Wieviele Waller hast Du seit dieser Zeit fangen können?

Dieser Riesenfisch war genau mein siebter. Sechs weitere bis etwa 30 kg konnte ich vorher im Polyfitostausee fangen.

Hattest Du schon weitere größere Fische über 30 kg gehakt?

Ja gleich am Anfang im letzten Jahr hatte ich zweimal größere Fische gehakt. Beide habe ich durch Schnurbruch verloren. Eine 0,80 mm monofile Hauptschnur zerriss einmal unmittelbar nach dem Anschlag. Und ein weiteres Mal brach die gleiche Hauptschnur nach etwa 20 Drillminuten.

Eine 0,80 mm monofile Angelschnur gerissen? Dann müsste es sich ja wohl auch um sehr große Fische gehandelt haben? Oder wie schätzt Du das ein?

Ja Kalle, ich denke es waren ebenfalls sehr große Fische mit mehr als 100 kg. Doch ich hatte damals noch überhaupt keine Erfahrung und meine Ausrüstung war keineswegs auf solche Fische ausgelegt. Eine zu kurze harte 80 LBS Bootsrute konnte diese gewaltigen Fluchten nicht entsprechend abfedern und ich hatte dieser monofilen Hauptschnur wohl zu viel zugetraut. Mittlerweile würde mir dies wohl nicht mehr so leicht passieren.

Du hast in Deiner ausführlichen Drillschilderung auch erwähnt, dass Du den Fisch vorher auf dem Echolot gesehen hast. War dies der größte Waller den Du bisher auf dem Echolot gesehen hattest.

Keineswegs, Echos dieser Größe sieht man fast bei jedem Angeltag und ich konnte auch schon weitaus größere Beobachten.

Also vermutest Du noch größere Waller als Dein 140 kg Fisch im Polyfitostausee?

Natürlich, da bin ich absolut sicher!! In diesem Jahr hatte ich durch mein Bootsbau leider wenig Zeit, aber im nächsten Jahr werde ich wieder voll angreifen. Ich möchte noch weitere große Waller in unseren Seen fangen. Nicht nur im Polyfitostausee. In den anderen griechischen Seen die Du mir genannt hast habe ich kurze Abstecher unternommen und allen Anzeichen nach schwimmen dort ebenfalls gewaltige Fische umher, die noch niemals beangelt wurden.

 

Paris ich bedanke mich hier für Dein Interview und bin schon jetzt gespannt ob mich im nächsten Jahr wieder eine SMS von Dir aus Griechenland ereilt, mit vielleicht einem noch größeren Waller.

Ich wünsche Dir dabei viel Glück!!

 

Natürlich wollten wir nicht die lange Heimreise antreten ohne einen einzigen Versuch am Polyfitostausee unternommen zu haben. Also liehen wir uns das Boot von Paris und fischten noch ein zwei Tage. Wir spannten Bojen und Fischten mit dem Wallerholz. Beim Wallerholzfischen hatten wir insgesamt vier Bisse, konnten aber nur einen kleineren Waller fangen. Obwohl wir abermals zahlreiche kleinere Waller und auch einige der „ganz Großen“ auf dem Echolot erkannten.
 

 

 


 

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