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von Johannes Martin und Carsten Rupp |
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In zwei Wochen startet Andre ...
seinen ersten Trip an den spanischen Ebro, das Mekka der Großwelse.
Dort wird er für eine Woche den Siluros nachstellen und wie
ich ihn kenne die ein oder andere vollgefressene Wutz auf
die Matte zerren. Hätte er gewusst was an heimischen
Gewässern mit ein wenig Mühe möglich ist, hätte er diese
Spanien-Reise gar nicht buchen müssen. |
| Sonntagmorgen, kurz nach 5
Uhr, der Wecker rappelt. "Das darf doch nicht war sein -
jetzt schon", murmele ich vor mich hin, stehe auf und
watschele schlaftrunken in die Küche. "Kaffee, ich brauch
Kaffee", denke ich mir während ich das Wasser aufsetze. Nach
einer schönen Tasse dieses wunderbaren Getränks fühle ich
mich besser. "Das Wallerholz liegt noch unten und die Köfis
darf ich nicht vergessen", schwirrt es mir durch den Kopf.
Ich ziehe mich an, packe ne Flasche Sprudel ein und gehe in
den Keller. Glücklicherweise hatte ich das Auto schon
Samstagnachmittag gepackt, so dass nur noch einige
Kleinigkeiten inklusive Köder eingepackt werden mussten. |
"Moin Männer, jetzt geht’s ab zur Frühschicht" ...
versuche ich die Rotaugen im Köfi-Eimer zu animieren,
als ich mich auf den Weg zu Andre mache. Bei meinem Freund
angekommen, sehe ich ihm an, dass er an diesem Morgen wohl
schon dasselbe durch hatte wie ich. Frisch sieht anders aus.
Auf dem Weg ans Wasser werden wir immer agiler. Die
Vollbeat-Jungs im Radio, ne gelegentliche Schocklüftung und
schon ist alles easy. Auf dem Weg zu dem Platz, wo wir unser
Schlauchi wässern wollen, erblicken wir im Uferbereich einer
Wiese ein Exemplar einer seltenen Gattung. Diese Spezies
bekommt man am Wasser nur selten zu Gesicht, da ihr
bevorzugter Lebensraum sich eigentlich zwischen Theke und
Toilette von Fischerhütten diverser Angelvereine befindet.
Es handelte sich um einen sogenannten „Spezialisten“ ....
???
Nun wird sich der Leser fragen, was ist ein Spezialist ?
Naja, das ist eigentlich ganz schnell erklärt: Ein
Spezialist ist ein Wesen, bei dem man innerhalb von Sekunden
die gebündelte Fachkompetenz erkennt. Klassische
Erkennungsmerkmale sind eine Jeans, Gummistiefel, eine
olivgrüne, gerne auch im Bundeswehrtarnmuster gefärbte,
ärmellose Weste, die mit Vereinswappen, in Form von
Aufnähern gespickt ist und auch die Abzeichen ruhmreicher
Erfolge am Forellensee in beeindruckender Weise zur Schau
stellt. Auf dem Kopf trägt der „Spezialist“ gerne
eine verwaschene Mütze eines Angelherstellers. Hersteller
von Stippuntensilien sind hier ganz klar Favorit. Getragen
wird die Mütze etwas schief. Dies regelt die Hackordnung
unter Artgenossen. Je schiefer die Mütze, desto kompetenter
der Spezi. Gekrönt wird das Ganze von einer mindestens 15
Jahre alten, mit Panzerglas versehenen Hornbrille, die, und
das ist ganz wichtig, mit einer Kordel so gesichert ist,
dass sie dem Spezialisten bei seinen Aktivitäten nicht ins
Wasser fallen kann. |
Seine Tackleauswahl ...
meistens 2,5-3m Teleskopruten, bei denen das Spitzenteil
abgebrochen ist, die Art und Weise wie die Ruten aufgebaut
sind (der Spezialist setzt auf Tarnung und verwendet deshalb
Astgabeln), die fest integrierten Aalglöckchen an den
Rutenspitzen, der knallbunte Klappstuhl und der gelbe Eimer
sind weitere sichere Indizien dafür, dass man es mit einem
Spezialisten zu tun hat. In dem gelben Eimer befinden
sich meistens 2-3 Kleinfische und in der Regel auch ein
toter Barsch. Der „Hardcore-Spezi“ ist allerdings etwas
schwerer zu erkennen, denn er nimmt gar keinen Eimer mit.
Dort sind dann tote, neben dem Klappstuhl im Sand liegende
Fische ein sicherer Indikator. |
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Wer sich aber aufgrund nicht eindeutiger
Indizien ...
nun immer noch nicht sicher ist, ob er es nun mit einem
Spezialisten zu tun hat, kann sich mit folgender Lock-Frage
behelfen:
“Und beißt was!?“
Dann gibt es zwei Antwortmöglichkeiten, die uns die
Gewissheit geben, es tatsächlich mit einem Spezialisten zu
tun zu haben:
Antwortmöglichkeit 1:
„Außer den Sackratten nichts … höhö!“
ODER ...
Antwortmöglichkeit 2:
„Nur ein paar kleine, ABER ICH HAB EBEN EINEN GROSSEN
VERLOREN, EIN RIESEN VIEH!!!“
Wer es dann nicht unbedingt drauf anlegen will, noch
einige Stunden verbale Hilfestellung zu allen möglichen
Lebensbereichen zu erhalten und nicht mit Alltagsweisheiten
überschüttet werden möchte, der sollte es so machen wie wir
an besagtem Sonntag und mit einem kurzem „Joooo“ aus der
Diskussion aussteigen.
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Keine 20 Minuten später sind wir
auf dem Wasser ...
Die beiden Köfi-Ruten treiben mittlerweile schon ein
Stück hinterm Boot und wir bestücken unsere Zocker-Ruten mit
ein paar Tauis.
„Clonk, clonk, clonk….“
Lange passiert nichts. Wir bekommen zwar einige Echos, aber
zum Biss lässt sich niemand verleiten. Ich tausche meinen
Wurm gegen ein Vertikal-Rig und beginne einen kleinen Köfi
über Grund zu zocken. Prompt bekomme ich einen Biss. Zum
Vorschein kommt ein schöner Hecht. |
Zwar nicht das was wir uns erhofft hatten,
trotzdem ein gern gesehener Gast an Bord. Natürlich hatten
wir, wie es sich für zwei angehende Spezialisten wie uns
gehört, kein Maßband an Bord. Das Messen fiel also aus. Der
Spezialist schätzt. Schnell ein, zwei Fotos und zurück mit
dem Kroko. Dann war wieder lange Ruhe und das Echolot
vermittelte den Eindruck in einem fischleeren Gewässer zu
angeln. Letzte Hoffnung war eine altbekannte Stelle, die
zwar keine besondere Struktur aufzuweisen hatte, aber
trotzdem immer für einen Fisch gut war. Diesen Bereich
fuhren wir nun an und legten einige Drifts auf’ s Wasser.
Auch hier war, wie überall sonst auch tote Hose und
irgendwann lief uns dann auch noch die Zeit davon. Immerhin
wollten wir ja fürs Mittagessen wieder zuhause sein.
Doch dann packte Andre seinen Wunderspruch
aus ...
der schon so oft aus der Klemme geholfen hatte: „Eine
rauch ich noch und dann machen wir uns ab, oder?“ Gesagt,
getan. Und genau zwei Minuten später der erste Zupfer an
Andres Tauwurm. „Zupfer!! ... ja Zupfer … da war einer“ Auf
dem Echolot ist der Tauwurmdieb gut sichtbar. Andre lässt
sofort ne neue Ladung Würmer runter und dann rappelt‘ s
sofort richtig. Mit einem atemberaubenden Biss knallt der
Fisch ihm die Schnur aus der Hand und ein Drill auf Biegen
und Brechen entsteht. Der Fisch dreht das Boot sofort und
beginnt uns gegen die Strömung zu ziehen. Nach ca. 100
Metern, kann Andre das Monster stoppen. Als wir den Fisch
zum ersten Mal an der Oberfläche sehen, presst sich sofort
der Angstschweiß aus den Poren. Was für ein Trümmer!!! Andre
bestand darauf den Fisch selbst zu greifen, auch wenn die
Angst in seiner Stimme unverkennbar war. Als er den Fisch
ans Boot wuchtet musste ich ihm zur Hilfe kommen, alleine
hätte er den Wels niemals ins Boot bekommen. Ein wahres
Wasserschwein lag vor uns und wir schafften es nur mit Mühe
einige gescheite Bilder davon zu schießen. Das Ausmaß dieses
Fisches war einfach zu gewaltig.
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Nach dem Zurücksetzen bekamen wir keine Atempause ...
Andre lässt seinen Köder fallen und es rappelt sofort
wieder. Der Drill spielt sich ähnlich spektakulär ab wie der
Vorherige. Nach einigen Minuten rutscht eine echte Ursau in
das 3.2m-Schlauchi. Unfassbar!!! Was geht hier ab!?!?!
Andre, völlig unter dem Silure begraben, versorgte diesen
sofort. Meine Würmer waren derweil noch unter Wasser. Ich
schnappe mir das Holz, klopfe zwei Mal und schon zerrt mir
jemand die Schnur durch die Finger.
Der Anhieb sitzt und sofort ist klar: Ochse am Band!!! Da
sich die Schnur um meinen Spitzenring gewickelt hat muss ich
diesen Fight per Hand erledigen. Die Schnur schneidet sich
tief in meine Finger und ich schaffe es fast nicht meinen
Gegner zu bremsen. Doch die Zeit ist mein Freund und nach
gut 20 Minuten kann ich völlig entkräftet zum Wallergriff
ansetzen.
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Ein weiteres Ungetüm rutscht
über den Schlauch ...
und steht den beiden Vorgängern mit seinen Ausmaßen in nichts nach. Wir
schätzen den Fisch auf mindestens 80 oder 90 kg, wenn nicht
gar mehr und sind uns sicher, dass die 2,50-Marke nicht mehr
weit entfernt war. An dieser Stelle bereuten wir das
fehlende Maßband sehr…
Aber was war das für ein Ergebnis!!?? Unglaublich was in
diesen Momentan an Emotionen frei wurde, so eine
außergewöhnliche Session, mit so vielen Ausnahmefischen in
so kurzer Zeit hatten wir beide noch nie erlebt. Zitternd
beschließen wir es für heute gut sein zu lassen und die
Heimreise anzutreten. Man soll ja bekanntlich aufhören,
wenn‘ s am schönsten ist !!!
Just for Fun - die
Fortsetzung ...
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Der Wecker klingelt mich unsanft ...
aus dem Schlaf. Wie ein Zombie schalte ich ihn aus und wandle ins Bad.
Erst die kalten Wassertropfen des Wasserhahns schaffen es
mich aus diesem Zustand zu befreien.
In der Küche werfe ich die Kaffeemaschine an und mein Blick
wandert auf die Uhr. Es ist halb 5. Wie kann man nur so
bescheuert sein so früh aufzustehen und das im Urlaub. Naja
man muss eh einen an der Klatsche haben wenn man auf Wels
angelt, denke ich mir, während der Kaffee gebrüht wird. |
Nach einer gemütlichen Tasse Kaffee
schleiche ich ins Schlafzimmer um den Chef des Hauses nicht
zu wecken. Ganz vorsichtig schnappe ich mir meine Kleider,
ziehe mich an und mache mich auf den Weg.
5 Uhr war Treffpunkt bei André
...
Er und Hannes erwarteten mich schon. Das Auto war schon beladen und es
musste nur noch mein Hab und Gut umgeladen werden. Am
Gewässer angekommen machten wir das Schlauchboot klar und
ließen es zu Wasser.
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Heute widmeten wir ein paar
Stunden der Bootsangelei ...
Jeder hatte eine Rute am Start. Nach einer kurzen Fahrt begannen wir
mit unserer Drift. André unser Tonkünstler übernahm den
Klopfpart.
Wir brachten unsere Köder auf Tiefe und tatsächlich
dauerte es nicht lange bis wir die ersten Bisse bekamen. Wir
hatten zwar viele Fehlbisse, doch irgendwann konnte ich den
ersten verhaften. Ein wahrer Riese. Kurze Zeit später lief
es dann wie am Schnürchen. Wir fingen Fisch auf Fisch.
Zwischenzeitig mussten wir sogar unseren Tauwurmvorrat
auffrischen gehen. In 5 Stunden konnten wir insgesamt 15
wahre Giganten ins Boot hieven.
Doch seht selbst, denn Bilder sagen mehr als Worte.
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Ein Sonntagvormittag mit allem was dazugehört ging zu Ende
...
und wir waren mehr als zufrieden. Denn auch wenn man
immer sagt, dass jeder Fisch zählt wird uns genau in diesen
Momenten bewusst, dass das alles dummes Gespräch ist und nur
solche Bomben zählen, wie wir sie grade bezwungen hatten

Unsere wichtigste Erkenntnis von diesem Morgen ist aber:
Wer den Spaß mit an Bord hat, der braucht kein Maßband.
Erfolg ist was man selbst draus macht und Druck ist der
Anfang vom Ende.
Locker an die Sache ran, dann kommen die Dicken von ganz
alleine, wie man sieht ...

Wir wünschen euch viel
SPASS am Wasser ... der Rest kommt von alleine !
Grüsse ...
Hannes und Carsten |
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