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In den letzten Wochen ...
war es mir nur selten vergönnt den Weg ans Wasser zu finden. Lernen war
angesagt, denn Mitte Januar stand die Abschlussprüfung
meiner Ausbildung an. So kam es dann, dass ich samstags
öfters mal Zahlen aus Diagrammen entnehmen und in diversen
Formeln verrechnen musste, anstatt Temperaturen vom Echolot
abzulesen und danach meine Taktik auszurichten. |
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Oft stand ich in dieser Zeit am Ende eines Lerntages
sehnsüchtig am Flussufer, um die Zahlen im Kopf mit einer
guten Portion frischer Luft zu ordnen und mich für das
nächste Kapitel zu rehabilitieren. „Nicht mehr lange…“,
redete ich mir immer wieder zu, während ich die Blicke über
den oftmals Hochwasser führenden Fluss schweifen ließ… „bald
geht’s wieder los…“
Es mag jetzt wohl ein wenig übertrieben
und vielleicht sogar ein wenig verrückt klingen, aber
irgendwie gaben mir diese Aufenthalte am Wasser ein ganz
besonderes Gefühl. Wie eine Art Motivation optimistisch nach
vorne zu blicken, was mir ein ums andere Mal den nötigen
Schub gab, um mich wieder mit Ehrgeiz den Zahlen zu widmen.
3 Wochen
später…
„So, da ihr ja nun alle eure Abschlusszeugnisse habt, wollen
wir nun zum gemütlichen Teil des Tages übergehen. Wir haben
in der Cafeteria Sekt bereitgestellt und wer möchte kann
dort noch auf den Abschluss eurer Ausbildung anstoßen“, ließ
der Schulleiter verlauten. Das war mein Stichwort! Rucksack
aufn Buckel und nix wie zum Parkplatz. Dort stand mein Auto
vollbepackt und wartete darauf mich endlich wieder ans
Wasser bringen zu dürfen. Der erste Ansitz des Jahres stand
an und er sollte, wie sollte es im Januar auch anders sein,
unter frostigen Bedingungen stattfinden.
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Carsten, mit dem ich für dieses
Wochenende verabredet war ...
war bereits donnerstags aufgebrochen. Im Vorfeld, bei
der Planung der Tour hatten wir uns auf einen entspannten,
ruhigen Auftakt des Angeljahres 2011 eingestellt. Klar
arbeitet man bei so einem Trip immer zielstrebig auf einen
Fisch hin, jedoch wussten wir unsere Chancen bei 4 Grad
Wassertemperatur sehr realistisch einzuschätzen. Doch gerade
dann, wenn die Bedingungen alles andere als fischträchtig
aussehen, sollte man sich noch mehr bemühen nichts dem
Zufall zu überlassen. Wenn schon alles gegen uns spielt,
sollte wenigstens der Teil, den wir beeinflussen können 110%
stimmen, um eine minimale Erfolgschance aufrecht zu
erhalten. Das fängt bei der Platzwahl an und hört bei der
Wahl des richtigen Köderfisches auf.
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Der Platz war eine
überdurchschnittlich tiefe Stelle ...
die
wir als Ruheplatz der Welse vermuteten. Um die dort ruhenden
Fische nicht zu verschrecken, versenkten wir keinen unsrer
Köder direkt im Gumpen, sondern verminten gezielt die Kanten
und Abbrüche, die die (hoffentlich) irgendwann aktiv
werdenden Silure passieren würden. Die Montagen selbst,
wurden im Vergleich zum Rest des Jahres nicht wesentlich
verändert. Köder waren einmal mehr Rotaugen.
Rotaugen haben sich gerade in der kälteren Jahreszeit als
echte Joker entpuppt. Sie sind robust, selbst bei eiskaltem
Wasser sehr quirlig und stechen andere Fischarten wie
Karpfen oder Schleien, die zur wärmeren Jahreszeit Topköder
sind, im Winter aus. Nachdem ich am Wasser angekommen war
und wir unseren Teil zum erfolgreichen Kaltstart wie
beschrieben beigetragen hatten, sollte eigentlich der
relaxte Teil der Session beginnen ... eigentlich.
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Plötzlich wurde Carstens Köfi
ohne Ankündigung ...
in den Abgrund gerissen und die Rutenspitze folgte diesem Zug. Nach dem
Anhieb erfolgte ein Balanceakt auf der glatten und
wackeligen Steinschüttung, die keine gute Basis für einen
Drill bot. Der Fisch nutzte die Strömung für sich, doch
Carsten wusste die Fluchten routiniert zu kontern. Einige
Augenblicke später zog ich Carstens „Numero Uno“ für 2011
auf die Plane.
„Das gibt’s nicht!“ „Wie geht das denn!?“
„Geeeeeeiiiil!!!“, ich weiß nicht mehr was wir in diesem
Moment alles von uns gegeben haben, aber die Freude war
riesig!
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Kling - wir schauen beide auf
meine ...
ca. 30m abseits stehende Rute, die von einer auf die andere Sekunde
kerzengerade im Halter stand. Carsten übernahm sofort seinen
Fisch ich sprintete zur Rute und hoffte dass der Wels den
Köder noch nicht wieder ausgespuckt hatte. Rute aus’ m
Halter, einige schnelle Kurbelumdrehungen, Kontakt-Feuer!
HÄNGT!!! JAWOLL!! HÄNGT!!! Als auch dieser zähe Kämpfer den
Landgang antritt versuchen wir einzuordnen was hier
eigentlich gerade passiert!?
Scheinbar hatten wir tatsächlich einen Ruheplatz der
Welse gefunden. Dass die Fische ruhen wurde durch einige
Blutegel im Kopfbereich der Silure bestätigt. Vor allem die
Augen und die Bartelwurzeln waren von diesen Schmarotzern
besiedelt. Dies kommt nur dann so verstärkt vor, wenn die
Fische ein eher passives Verhalten an den Tag legen, sodass
die Parasiten in aller Ruhe über sie herfallen können.
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Mittlerweile hat der Mond mit
der Sonne ...
getauscht und die Temperaturen sind in den Keller
gesackt. Trotzdem lassen wir es uns nicht nehmen noch eine
Weile vorm Zelt zu sitzen und diese Januarnacht noch ein
wenig zu genießen. Frische, kalte, klare Luft. Boot, Zelt,
Ruten und Bissanzeiger werden nach und nach vom Reif
überzogen und schimmern im hellen Mondlicht.
Die Flamme des Kochers kämpft entschlossen gegen diese
Bedingungen und schafft es letztendlich eine dicke Portion
„Chili Con Carne“ auf Temperatur zu bringen. Der heiße
Teller wärmt die klammen Finger und das Chili kurbelt die
Körpertemperatur von innen an.
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Und dann kam das Phänomen, das
jeder von euch kennt ...
Man glotzt mit müden Augen auf ein spärlich glühendes Knicklicht in der
Hoffnung irgendwann eine Bewegung zu vernehmen, die einem
Biss nahe kommt. Wenn man nun lange genug so dasitzt und
fest genug daran glaubt, beginnt es irgendwann nach vorne zu
wippen. Das Einschalten der Kopflampe bringt dann die
Ernüchterung und holt uns auf den Boden der Tatsachen
zurück. Doch diesmal war das allerdings anders …
Im Schein der Kopflampe sackte meine New Age immer weiter
nach vorne. „Noch ein kleines Stück“, denke ich, während die
Zeitlupenverbeugung vor mir abläuft. Ich treffe den
richtigen Moment und spüre die Gegenwehr eines halbstarken
Gegners.
Kurz nach dem kleinen Silure verschwanden auch wir bald in
Richtung unseres Ruheplatzes.
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Die Nacht war lang und kalt ...
Eine Zeltheizung wäre in diesem Moment echter Luxus gewesen, aber Luxus
ist beim Angeln ja bekanntlich meistens ein Fremdwort. Der
Morgen erwartete uns mit einem genialen Sonnenaufgang. Aber
außer gut auszusehen hatte er dann doch nicht so viel drauf.
Es blieb den ganzen Tag kalt. Am Abend waren die Fallen
bereits früh neu gestellt. Einige Montagen brachten wir,
orientiert am Beißverhalten des vergangenen Tages, an
anderen Plätzen aus. Trotzdem blieb unser Optimismus relativ
gering, denn wir spürten, dass es gerade gegen Abend noch
kälter geworden war als tags zuvor.
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Unser Gefühl bestätigte sich ...
und die Rotaugen blieben unberührt. Gut für sie, schlecht für uns. Aber
so ist es eben, des‘ einen Freud ist des anderen Leid.
Obwohl Leid der falsche Ausdruck ist.
Die Tour war gigantisch gelaufen und wenn ich jetzt, zwei
Tage danach so drüber nachdenke merke ich, dass ich es mir
immer noch nicht so recht erklären kann, wieso es so kam wie
es kam. |
Ist aber auch gut so, denn so bleibt es ein
weiteres Rätsel über das man grübeln kann und das den Wels
einmal mehr zu dieser undurchschaubaren Kreatur macht.
Ich hoffe im Laufe des Jahres kommen noch
viele solcher Erlebnisse und Rätsel dazu. Der Start ist
gemacht, der Motor läuft, es kann losgehen.
Bis die Tage ...
Gruß
Hannes
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