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von Marc Pantscharowitsch |
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Eure Majestät, wenn ich Sie an Land bitten dürfte ...
dachte ich, als endlich Blasen aufstiegen, sich mein
Rivale am anderen Ende der Schnur das erste mal zeigte,
sofort wieder kehrt machte und zur Flucht startete.
Während des Drills hatte ich mir einen dicken Fisch
ausgemalt, jedoch war meine Freude von Verlustangst stark
verdrängt, da der Fisch auf ein zu erprobendes Vorfach mit
nur einem 8er Haken einstieg. |
Einerseits hoffte ich darauf IHN wieder gehakt zu haben,
andererseits wollte ich den Fisch auf gar keinen Fall
ausschlitzen lassen, da er, falls er es sein sollte, zu
dieser Jahreszeit ohnehin schon schwer mitgenommen sein
müsste.
Ich drillte also so behutsam wie selten ...
da ich bisher noch keine Erfahrung mit
8er Haken und einem größeren Fisch sammeln konnte. Die
Zeit verstrich und der Fisch drehte vor mir in 10 bis 15
Metern Entfernung seine Bahnen. Sobald ich einige Meter
gewonnen hatte flüchtete er wieder. Die Bremse meiner
Entoh war mittlerweile sehr weit offen, sodass ich die
Schnurgabe nur per Zeigefinger an der Spule regulieren
konnte, und das gefährliche ruckartige Schnurgeben der
Rolle ausblieb.
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Während der zu Beginn beschriebenen Flucht ...
blitzte der Riss in seiner
Schwanzflosse auf. Nun war ich mir sicher: er ist es
wieder. „Wie viel wiegt er diesmal?“ „Hat er sein Top
Gewicht wieder erreicht? Oder sogar überschritten?“ „Ist
sein Maul wieder so stark verletzt?“ Diese Fragen, und
noch etliche mehr schossen mir nun durch den Kopf. Und
auch der letzte Besuch, den er mir erst vor etwas mehr als
4 Monaten abstattete. Doch meine nostalgischen Gedanken
waren sofort unterbrochen als ich realisierte, dass er
bereits wieder erschreckend viel Schnur genommen hatte.
Ich wollte die ohnehin schon heikle Situation nicht noch
mehr auf die Spitze treiben. |
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Ich machte die Bremse etwas zu und gewann wieder sehr viel
Schnur. „ Es dauert nicht mehr lange“ dachte ich, als er
erneut mit Vollgas los dampfte. Er zieht in einem
kontinuierlichen Zug, der eher an ein Tretboot als an
einen Fisch erinnert. Doch der Zug wird schwächer, bis der
Fisch zum Stillstand kommt. Mit einem langsamen aber
kräftigen Hub meiner Rute drehte sich der Fisch um, es
stiegen wohl die letzten Blasen auf und er kam an die
Oberfläche. Träge auf der Seite liegend und völlig
erschöpft konnte ich ihn nun endlich über den Kescherrand
ziehen.
Geschafft! Ich habe den Machtkampf gewonnen, und der
Herrscher des einst Königlich Württembergischen
Hofgewässers ist bezwungen.
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Im Laufe des Drills ...
bildete sich eine sehr unangenehme
Fussgängertraube um meinen Angelplatz. Um den Fisch so
schonend wie möglich zu behandeln, ließ ich ihn zunächst
im Kescher im Wasser und bereitete zügig die Abhakmatte,
Wiegeschlinge, Waage, Carp Care Kit und einen Eimer am
Photospot vor. Zwei kleine Mädchen boten sich
glücklicherweise als Wasserholer an, was das Versorgen des
Fisches erleichterte. Auf der Matte war ich sehr zufrieden
mit meinem neuen Vorfach. Der haken saß trotz seiner
kleinen Größe perfekt im Fleisch der Unterlippe.
Ausschlitzen unmöglich! Ich spürte ein stolzes Grinsen in
meinem Gesicht. Beim Anblick der Waage war ich ebenfalls
zufrieden. Normalgewicht, 39 Pfund. |
Äußerlich ging es dem Fisch wie zu erwarten. Der Mund wies
zwei unschöne Narben von vorherigen Fängen auf, und die
Schwanzflosse war auch wieder sehr rot. Nachdem ich einige
Bilder schießen liess, paddelte der Fisch majestätisch aus
meiner Wiegeschlinge, zurück ins trübe Nass des Sees.
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An dieser Stelle möchte ich mich ...
noch einmal für einen gewissenhaften
Umgang mit den Fischen aussprechen. Die Pflege des Fisches
geht schon vor dem Fang los: Bei den Montagen. Ich sehe
immer wieder Inline – Blei Montagen, bei denen es für den
Fisch unmöglich ist, das Blei ab zu streifen, falls die
Hauptschnur reisst. Oder Angler die eine Wiegeschlinge
benutzen, aber keine Abhakmatte. Die Frage was für den
Fisch schonender ist, braucht man sich eigentlich gar
nicht stellen! Auch Montagen ohne ausreichend dickes
Leader Material sehe ich hin und wieder. Aus eigener
Erfahrung kann ich leider sagen, dass auch dies derbe
Narben am Fisch hinterlassen kann. |
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Und wenn ich sehe wie Fische mit dem Keschernetz direkt
auf den Kiesweg gelegt werden, und anschließend im hohen
Bogen in den See geworfen werden, könnte ich einen Wut-
und Tränenausbruch zugleich bekommen.Ich finde den
Fischen die wir fangen gebührt der größte Respekt, egal
wie groß oder klein sie sind, und so sollten wir sie auch
behandeln. Das Anlanden, Versorgen und Zurücksetzen der
Fische sollte gelernt sein und ist nichts für Jedermann.
Deshalb ist es eigentlich ja auch verboten.
Die Gesundheit des Fisches
kommt ganz klar vor Erfolg und Spass!
Erst denken, dann handeln !
Marc Pantscharowitsch
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