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von Marc Pantscharowitsch

 

 
Die Anfänge : 40 Pfund ; Mai 2009 Eure Majestät, wenn ich Sie an Land bitten dürfte ...


dachte ich, als endlich Blasen aufstiegen, sich mein Rivale am anderen Ende der Schnur das erste mal zeigte, sofort wieder kehrt machte und zur Flucht startete. Während des Drills hatte ich mir einen dicken Fisch ausgemalt, jedoch war meine Freude von Verlustangst stark verdrängt, da der Fisch auf ein zu erprobendes Vorfach mit nur einem 8er Haken einstieg.

Einerseits hoffte ich darauf IHN wieder gehakt zu haben, andererseits wollte ich den Fisch auf gar keinen Fall ausschlitzen lassen, da er, falls er es sein sollte, zu dieser Jahreszeit ohnehin schon schwer mitgenommen sein müsste.


Ich drillte also so behutsam wie selten ...
 

da ich bisher noch keine Erfahrung mit 8er Haken und einem größeren Fisch sammeln konnte. Die Zeit verstrich und der Fisch drehte vor mir in 10 bis 15 Metern Entfernung seine Bahnen. Sobald ich einige Meter gewonnen hatte flüchtete er wieder. Die Bremse meiner Entoh war mittlerweile sehr weit offen, sodass ich die Schnurgabe nur per Zeigefinger an der Spule regulieren konnte, und das gefährliche ruckartige Schnurgeben der Rolle ausblieb.
 

Während der zu Beginn beschriebenen Flucht ...
 

blitzte der Riss in seiner Schwanzflosse auf. Nun war ich mir sicher: er ist es wieder. „Wie viel wiegt er diesmal?“ „Hat er sein Top Gewicht wieder erreicht? Oder sogar überschritten?“ „Ist sein Maul wieder so stark verletzt?“ Diese Fragen, und noch etliche mehr schossen mir nun durch den Kopf. Und auch der letzte Besuch, den er mir erst vor etwas mehr als 4 Monaten abstattete. Doch meine nostalgischen Gedanken waren sofort unterbrochen als ich realisierte, dass er bereits wieder erschreckend viel Schnur genommen hatte. Ich wollte die ohnehin schon heikle Situation nicht noch mehr auf die Spitze treiben.


Ich machte die Bremse etwas zu und gewann wieder sehr viel Schnur. „ Es dauert nicht mehr lange“ dachte ich, als er erneut mit Vollgas los dampfte. Er zieht in einem kontinuierlichen Zug, der eher an ein Tretboot als an einen Fisch erinnert. Doch der Zug wird schwächer, bis der Fisch zum Stillstand kommt. Mit einem langsamen aber kräftigen Hub meiner Rute drehte sich der Fisch um, es stiegen wohl die letzten Blasen auf und er kam an die Oberfläche. Träge auf der Seite liegend und völlig erschöpft konnte ich ihn nun endlich über den Kescherrand ziehen.

Geschafft! Ich habe den Machtkampf gewonnen, und der Herrscher des einst Königlich Württembergischen Hofgewässers ist bezwungen.
 
Im Laufe des Drills ...
 

bildete sich eine sehr unangenehme Fussgängertraube um meinen Angelplatz. Um den Fisch so schonend wie möglich zu behandeln, ließ ich ihn zunächst im Kescher im Wasser und bereitete zügig die Abhakmatte, Wiegeschlinge, Waage, Carp Care Kit und einen Eimer am Photospot vor. Zwei kleine Mädchen boten sich glücklicherweise als Wasserholer an, was das Versorgen des Fisches erleichterte. Auf der Matte war ich sehr zufrieden mit meinem neuen Vorfach. Der haken saß trotz seiner kleinen Größe perfekt im Fleisch der Unterlippe. Ausschlitzen unmöglich! Ich spürte ein stolzes Grinsen in meinem Gesicht. Beim Anblick der Waage war ich ebenfalls zufrieden. Normalgewicht, 39 Pfund.


Äußerlich ging es dem Fisch wie zu erwarten. Der Mund wies zwei unschöne Narben von vorherigen Fängen auf, und die Schwanzflosse war auch wieder sehr rot. Nachdem ich einige Bilder schießen liess, paddelte der Fisch majestätisch aus meiner Wiegeschlinge, zurück ins trübe Nass des Sees.
 
An dieser Stelle möchte ich mich ...
 

noch einmal für einen gewissenhaften Umgang mit den Fischen aussprechen. Die Pflege des Fisches geht schon vor dem Fang los: Bei den Montagen. Ich sehe immer wieder Inline – Blei Montagen, bei denen es für den Fisch unmöglich ist, das Blei ab zu streifen, falls die Hauptschnur reisst. Oder Angler die eine Wiegeschlinge benutzen, aber keine Abhakmatte. Die Frage was für den Fisch schonender ist, braucht man sich eigentlich gar nicht stellen! Auch Montagen ohne ausreichend dickes Leader Material sehe ich hin und wieder. Aus eigener Erfahrung kann ich leider sagen, dass auch dies derbe Narben am Fisch hinterlassen kann.


Und wenn ich sehe wie Fische mit dem Keschernetz direkt auf den Kiesweg gelegt werden, und anschließend im hohen Bogen in den See geworfen werden, könnte ich einen Wut- und Tränenausbruch zugleich bekommen.

Ich finde den Fischen die wir fangen gebührt der größte Respekt, egal wie groß oder klein sie sind, und so sollten wir sie auch behandeln. Das Anlanden, Versorgen und Zurücksetzen der Fische sollte gelernt sein und ist nichts für Jedermann. Deshalb ist es eigentlich ja auch verboten.

 



Die Gesundheit des Fisches kommt ganz klar vor Erfolg und Spass!
Erst denken, dann handeln !



Marc Pantscharowitsch

 
 

 

 

 
     
 

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