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von Thomas Dörr

 

 
Herstellung von monofilen Vorfächern
 

Monofile Vorfächer finden in der Wallerfischerei immer mehr Verwendung. Durch ihre Steifigkeit ermöglichen sie eine saubere Präsentation von verschiedensten Ködern und verringern hierbei die Gefahr von Vertüddelungen. Weitere Aspekte, welche wohl den immer häufigeren Einsatz monofiler Vorfächer begünstigen, sind die hohe Abriebfestigkeit der monofilen Schnur und die Unempfindlichkeit gegenüber UV-Strahlen.

Auch ist der geringere Preis im Vergleich zu hochwertigen geflochtenen Vorfächern aus Dyneema oder Kevlar ausschlaggebend, wobei sich dieser durch die Kosten von Kleinteilen häufig relativiert, welche man benötigt um das bestmögliche Ergebnis, d.h. Erhaltung der Tragkraft zu erzielen.
 

Ordentlich gefertigte monofile Vorfächer sind sehr robust und stellen keine Schwachstelle dar
 

Nachteile konnte ich bisher keine feststellen, da vermutlich Probleme nur eintreten, wenn bei der Herstellung der Vorfächer durch den Angler nicht sorgfältig gearbeitet wird. Die gegenüber geflochtenen Vorfachmaterialien niedrigere Tragkraft, wird durch die Dehnung des monofilen Vorfachmaterials ausgeglichen. Aus diesem Grunde verwende ich monofiles Vorfachmaterial fast ausschließlich bei längeren Vorfächern ab einer Länge von mindestens 1 Meter (Ausnahme Spinnfischen). Es gilt jedoch ein paar Dinge bei der Herstellung solcher Vorfächer zu beachten und häufig zeigt sich in Gesprächen die Unsicherheit und Angst, durch Fehler bei der Herstellung der Vorfächer Fische verlieren zu können, bzw. das fehlende Knowhow über die Verarbeitung des Vorfachmaterials generell.

Als Hilfestellung dazu, ist die nachfolgende Bauanleitung gedacht, die meine Vorgehensweise beschreibt, ohne den Anspruch zu erheben, die einzig mögliche Technik zu sein.
 



Eingesetzte Materialien bzw. benötigte Hilfsmittel
 

  • Monofiles Vorfachmaterial 1,20mm
  • Bulldozer Kunststoffkartuschen
  • Tönnchenwirbel (Offshoreangler/Fa. AHF Leitner), Tragkraft 102 kg
  • Einzelhaken (Leitner Teflon Gr. 6/0)
  • Drilling Leitner Größe 4/0
  • Silkonschlauch
  • Quetschhülsen (Sevenstrand MSA 1,5C, alternativ Offshoreangler)
  • Quetschhülsenzange mit Seitenschneider (Sevenstrand)
  • Feuerzeug
     



Montageschritt 1:
 

Schnur (+ ca. 10 cm mehr) der gewünschten Länge des Vorfaches abschneiden. Die Länge richtet sich nach den Vorlieben des Anglers, dem Einsatzzweck und den vorherrschenden Bedingungen.
 



Montageschritt
2:
 

Zwei Quetschhülsen und einen Drilling auffädeln (in dieser Reihenfolge). Eine Hülse ist eigentlich ausreichend, aber um das Gewissen zu beruhigen verwende ich immer zwei, obwohl noch nie eine Hülse verrutscht ist. Anschließend den Drillingshaken aufziehen.
 



Montageschritt 3:
 

Das kurze Schnurende nach dem Drilling von hinten durch beide Hülsen schieben.
 



Montageschritt 4:
 

Untere Hülse bis zum Öhr des Drillings herunter schieben und hochkant in die zu den Hülsen passende Bohrung der Zange einlegen. Immer darauf achten, dass gerade die von mir empfohlenen Haken extrem scharf sind und somit Verletzungsgefahr besteht.
 



Montageschritt 5:
 

Zange vollständig durchdrücken. Von der Verwendung anderer Zangen, wie z.B. Wasserpumpenzangen, Multitools etc. rate ich dringend ab, da hierbei der benötigte Druck nicht genau dosiert werden kann.
 



Montageschritt 6:
 

Die zweite Hülse zurückschieben, so dass ein Abstand zur unteren Hülse von ca. 1 – 3 mm entsteht. Anschließend hochkant in die Zange einlegen und Zange wieder voll durchdrücken. Danach Silikonschlauch (Länge ca. 3 – 5 cm) auffädeln. Die Verwendung eines Schlauches zum Schutz der Quetschung ist nicht unbedingt notwendig, bringt aber Vorteile mit sich.
 



Montageschritt 7:
 

Einzelhaken einfädeln, von hinten durch das Öhr. Der Abstand zum Drilling richtet sich nach der Größe der Köder, welche verwendet werden sollen. Meist bewegt sich dieser Abstand im Bereich von 10 – 30 cm.
 



Montageschritt 8:


Einzelhaken mit dem „No-Knot“ anbinden. Schnurende von hinten durchs Öhr zurückführen und gesamte Länge durchziehen zum Straffen. Man kann nun über den Knoten einen Silikonschlauch ziehen, um diesen zu schützen. Meiner Meinung nach ist dies jedoch nicht unbedingt notwendig.
 



Montageschritt 9:


Kunststoffkartusche in den Wirbel einführen.
 



Montageschritt 10:


Zwei Quetschhülsen aufziehen, Wirbel mit Kunststoffkartusche einführen und Schnur in Kunststoffkartusche einlegen.
 



Montageschritt 11:


Beide Hülsen quetschen, wie bei der Befestigung des Drillings beschrieben. Dabei die obere Quetschhülse fest an die Kunststoffkartusche schieben. Die zweite Quetschhülse wird, wie bereits bei der Befestigung des Drillings beschrieben, knapp hinter die obere Hülse gesetzt.
 



Montageschritt 12:


Die Enden der Schnur am Drilling und am Vorfachende mit dem Feuerzeug anschmelzen und abkühlen lassen. Vorsicht Verbrennungsgefahr am geschmolzenen Monofil ! Der entstehende Wulst soll im Falle eines Rutschens zusätzlich bremsen, auch wenn es noch nie dazu kam. Sollten die Schnurenden vor dem Anschmelzen zu lang sein (max. ca. 2 cm) bitte kürzen.
 



Montageschritt 13:


Nun den Silikonschlauch über die Quetschhülsen das Öhr des Drillings schieben. Der Silikonschlauch schützt die Verbindung und fixiert den Drilling in seiner Position („Stiffrig-Effekt).
 



Montageschritt 14:


Das fertige Rig in Detailaufnahmen.
 



Variationen:


Je nach Geschmack oder Einsatzzweck können eine Vielzahl von Variationen zum Einsatz kommen. Ich möchte hier noch einige beschreiben, bzw. erklären, warum ich in der Beschreibung so vorgegangen bin. Die von mir beschriebenen Materialien sind nach Belieben austauschbar, sofern auf gute Qualität geachtet wird und die passenden Größen verwendet werden, speziell Verhältnis Durchmesser des Vorfachs zu Größe der Quetschhülsen. Ich verwende sehr gerne Materialien bzw. Kleinteile aus dem BigGame-Bereich, welche zum größten Teil von amerikanischen Herstellern stammen, z.B. „Offshoreangler“, etc.. Diese zeichnen sich zumeist durch einen höheren Qualitätsstandart aus, als preiswertere Produkte.


Die Größe der Haken ...
 

sowie der Abstand zwischen Einzelhaken und Drilling ist abhängig von der Größe des Köderfisches. Bei Verwendung großer Köderfische kann u.U. ein dritter Drilling nötig sein. Dieser kann, in entsprechendem Abstand zwischen dem unteren Drilling und dem Einzelhaken, mit dem „NoKnot“ an gewünschter Stelle gebunden werden. Quetschungen werden immer nur am Anfang und am Ende des Rigs vorgenommen. Alternativ zur Kunststoffkartusche mit Wirbel kann auch ein Ring & Grommet oder auch ein Schlaufenknoten verwendet werden. Schlaufenknoten setzte ich heute jedoch nur noch selten ein, obwohl er in der Vergangenheit nie einen Fischverlust verursacht hatte. Ich musste bei Trockentests jedoch feststellen, dass dieser der Tragkraft einer Quetschung deutlich unterlegen ist. Weiter verteilt der Ring bzw. die Kartusche den Druck auf die aufliegende Schnur in einem größeren Bereich, als dies z.B. bei Verwendung nur eines Wirbels der Fall wäre, wo der Druck sehr konzentriert auf einen Punkt fällt.


Das beschriebene Vorfach ...
 

verwende ich beim Bojenfischen, Stellfischangeln mit angebundenen Montagen, sowie in abgewandelter Form zum Grundfischen mit U-Pose, wo es meiner Meinung nach besonders seine Vorteile ausspielen kann. Durch die Steifigkeit werden unsaubere Präsentationen durch stark bewegte Köder vermieden. Ebenso lassen sich sehr schöne Spinnvorfächer aus den Komponenten : Monovorfach, Ring&Grommet, Quetschhülsen und Wirbel mit Karabiner bauen, die sich speziell für schwere Köder wie beispielsweise Löffelblinker eignen. Beim Einsatz sehr kurzer Vorfächer, mit Ausnahme der genannten Spinnvorfächer, sowie bei Verwendung von kleinen Köder, weiche ich auf geflochtene Vorfächer aus. Diese werden nur geknotet, der Einsatz von Quetschhülsen entfällt. Auch bei der Fischerei mit frei treibenden Montagen, z.B.vom Boot, bevorzuge ich geflochtene Vorfächer.
 


Spinnvorfach aus Monofil:


Benötigtes Material: Monfiles Vorfachmaterial, Quetschhülsen, Wirbel mit Karabiner, Ring & Crommet oder alternativ Kunststoffkartusche mit Wirbel.
 



U-Pose auf Monovorfach:
 

Montiert zur Verwendung als Grundmontage. Zusätzlich benötigtes Material zur o.g. Bauanleitung: 1 U-Pose geeigneter Tragkraft (abhängig von der Ködergröße und der Strömung), 2 Schnurperlen, 2 Schnurstopper bzw. alternativ passende Silikonschlauchstücke.
 



Alternativ Wirbel mit Kunststoffkartusche:
 

Schlaufenknoten (rechts) und Ring & Crommet (links).
 



Geflochtene Alternative zu Monofil:


Für diejenigen, die steife Vorfächer fischen möchten, jedoch nicht mit monofilem Vorfachmaterial oder Quetschhülsen arbeiten möchten, bietet AHF Leitner mit dem SuperCat Compound Vorfachmaterial eine gute Alternative. Es handelt sich um ein ummanteltes Kevlarvorfach, welches sich gut und einfach auf herkömmliche Art und Weise verarbeiten lässt.
 



Vorfach aus geflochtenem Material:
 

Leitner Kevlar für Einsatzzwecke, bei denen weiches Vorfachmaterial Vorteile zeigt.
 



Viel Spaß beim Nachbauen und Basteln wünsche ich allen Lesern. Besonderes bedanken möchte ich mich bei Thorsten Theiss für die Unterstützung beim Fotografieren.


 

Euer

Thomas "Tomcat" Dörr

 
 

 

 

 
     
 

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