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Es ist Winter 2002/2003 ...
Seit nun mehr als 5 Wochen war ich
nicht mehr fischen und bis Anfang März wird das auch noch
so bleiben. Doch fast jede Nacht kreisen sich meine
Gedanken um die Fischerei. Wie jeden Winter nehme ich mir
wieder Unmengen von neuen Aufgaben fürs neue Jahr vor.
Ende Mai realisiere ich, dass diese gar nicht alle
durchführbar sind, wenn man noch ein „normales Leben“
führen will. Das ist mir sehr wichtig. Doch die Ziele, die
ich mir jedes Jahr stecke, erreiche ich fast immer. |
Die Karpfenangelei ist
zwar meine größte Leidenschaft, doch sie ist mir nicht am
Wichtigsten. Neben dem Karpfenangeln gehe ich meist 3 mal
die Woche ins Fitnessstudio und habe sonst noch ein Paar
Hobbys. Also ein voller Terminkalender. Nach 3 Jahren, in
denen die Winter durchgeangelt wurde, waren meine Erfolge
sehr spärlich, was sicher damit zusammen hängt, dass ich
im Winter auch dünn besetze Seen befischt habe. Nun wird
diese Zeit anders genutzt. Jetzt schlage ich zwei Brummer
mit einer Klappe. Zum einen verspreche ich meinen
Freunden, die alle samt keine Angler sind, dass ich die
nächsten 3 Monate zwei Schritte kürzer trete und an den
Wochenende nicht wie gewohnt die meiste Zeit am Wasser,
sonder mit Ihnen die Disse unsicher mache. So eine Auszeit
kann mal ganz erholsam sein. Man schöpft neue Energie und
geht mit gestärktem Tatendrang ins neue Jahr hinein. Zum
anderen laufen die Vorbereitungen für die neue Saison. Im
Winter wälze ich die Literaturbücher auf der Suche nach
neuen Anregungen. Ich kreiere neue Mixe, besuche Messen,
repariere und vervollständige mein Takle, überlege und
plane neue Taktiken, lote neue Gewässer und erstelle
Gewässerkarten. Das ist eigentlich jedes Jahr das Gleiche,
denn Stillstand bedeutet Rückstand. Wer immer sein
altbewährtes einsetzt, nicht offen für neue Sachen ist und
sich nicht verändert, der wird auf Dauer weniger fangen!!!
Ich für meinen Teil
versuche mit der Zeit zu gehen ...
Jedes Jahr befische ich mindestens ein neues Gewässer.
Dieses wird dann übers Jahr mal mehr mal weniger stark
befischt. Am Ende des Jahres entscheide ich dann, ob es
sich lohnt, noch mehr Zeit zu investierten oder die Zeit
besser für eine anders Gewässer zu nutzen. Die Aspekte zum
Gewässerwechsel denke ich, sind für jeden verschieden. Der
eine ist nach einem bestimmten Fisch aus, der andere sucht
Erholung und der dritte will möglichst viele Fische
fangen. Was ich nicht verstehen kann, dass einer fischen
geht, weil er sonst nichts anderes hat. Das gibt es auch!
Ich betreibe das Hobby, weil es mir Spaß macht und Freude
bringt und nicht weil man mit ihm so schön die Zeit
totschlagen kann.
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Ich möchte den oben genannten Begriff „normales Leben“
noch einmal aufgreifen ...
Es ist schwer als leidenschaftlicher
Karpfenangler ein normales Leben zu führen. Da unser Hobby
einen sehr hohen Zeitaufwand beinhaltet. Dieser Aufwand
steigt je größer das Gewässer ist. Lasst es mich kurz
erklären. Wenn ich an einem 2ha Pool sitze kann man mit
herkömmlichen Hilfsmittel anfüttern und braucht kein Boot.
So habe ich auch angefangen. Aber ich habe mich weiter
entwickelt. Jetzt suche ich mir größere Gewässer so ab 20
ha mit möglichst wenig Fischen aus. Dort ist es so richtig
schön schwierig, Karpfen zu fangen. Denn nichts befriedigt
mich mehr als unter schwierigsten Bedingungen, mal
abgesehen vom Winter, doch noch zum Erfolg zu kommen. Ich
gehe primär fischen, weil ich Spaß habe einfach nur meine
Köder zu baden und nicht weil ich ungedingt Fische fangen
möchte. Bei bis zu 75 % Blankzeit in der Saison muss man
schon diese Einstellung haben. Die härteste Zeit an die
ich mich erinnern kann waren 37 Nächte ohne Fische.
Ich habe nie an so überbesetzten Gewässern gefischt. Es
ist für mich nichts langweiliger als an einem kleinen See
zu sitzen, den, wenn man gut drauf ist, überspringen kann.
Falls man mal einen schlechten Tag hat und es nicht
schafft, was ja auch vorkommen soll, springt man halt vom
einem Karpfenrücken zum nächsten und überquert so den
Tümpel. So überbesetzt sind diese und man fängt sich jede
Nacht die Lähmung.
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Große Gewässer haben auf mich einen ganz besonderen Reiz
...
Es beeindruckt mich sehr wenn man die
Wellen sieht, die bei starkem Wind entstehen. Man versucht
mit seinem kleinen Schlauchboot gegen diese anzukämpfen.
Man kommt sich so klein und bezwingbar vor. Oder diese
riesige Fläche Wasser liegt vor einem und man versucht die
Fische auf einem Bruchteil der kompletten Fläche zu haken.
Vielleicht ist das der Grund, warum ich so gerne zum
Orient will. Jeder kennt bestimmt die Bilder vom Orient,
wo man am Horizont das gegenüber liegende Ufer erahnen
kann und die dicken Moppen und die Baumstümpfe und der
Schlamm und alles .... Wahnsinn. Nachdem die
Beruhigungstablette gewirkt hat zurück zum Thema.
An großen Gewässern ist die Anlegung einer
Gewässerkarte viel aufwendiger. Ich zeichne bei einer
Umrundung zu Fuß alle für mich wichtigen Merkmale wie ein
z.B. großer Baum eine frei Stelle auf eine Karte ein.
Danach lote ich per Echolot und Blei erst die Bereich ab,
die etwas abgetrennt sind ab, (wenn vorhanden). Danach
widme ich mich dem Hauptteil, ich durchquere den See in
parallelen Bannen. Falls ich eine Unauffälligkeit gefunden
habe schmeiße ich zur Markierung eine H-Boje raus und lote
diesen Bereich in einem Raster genauer aus. An diesen
Stellen taste ich zusätzlich mit dem Kugelblei von 120 –
150g an einer geflochtenen Schnur den Bereich auf die
Bodenbeschaffenheit ab und markiert dies sofort auf meiner
Karte. Den Abstand zwischen den einzelnen Banne variiere
ich je nach Wassertiefe zwischen 5 Meter bei ca. 2-3
Wassertiefe und 15 – 20 Meter bei über 17 Meter
Wassertiefe. Warum dies?? Weil ein Berg der von 17 auf
z.B. 10 oder 12 Meter ansteigt ein deutlich breiteren
Bereich Unterwasser in Anspruch nimmt als eine Anstieg von
sagen wir mal 1 Meter. Dieser wäre dann für mich auch
uninteressant weil ich nicht auf 16 Meter fischen möchte.
So lote ich komplette Gewässer aus.
Ein Boot ist natürlich
Voraussetzung ...
sei es um die Ruten auszulegen, die Fische zu drillen
oder einfach nur damit man besser zu seinen Plätzen kommt.
Die Futtermengen sind größer also auch der Zeitaufwand bei
der Herstellung. Denn von Fertigboilies halte ich weniger
als nichts. Also gar nichts, seien sie noch so schön bunt.
Auch das Füttern selber benötigt viel mehr Zeit als an
einem kleinen Pool. Da legt man in schlechtesten Fall ein
Fußmarsch von 10 Minuten hin, ballert sein Kilo Boilies
mit dem Cobra auf den Spot und ist wieder verschwunden.
Bei größeren See steckt meistens mehr Aufwand dahinter.
Jetzt nicht ,weil das versenken von 6 kg Boilies mit dem
Cobra länger dauert, sondern weil dort oft ein Boot
eingesetzt wird. Das heißt Boot aufblasen, schleppen,
Echolot installieren, 100 bis 600 Meter rudern, Stelle
finden, anfüttern und wieder die gleiche Distanz zurück
rudern. Dabei gehen gut und gerne 1 Stunde bis 1h 30min
drauf, zzgl. die Anfahrt. Ich sehe es auch ein, dass wir
alle ziemlich verrückt sind. Denn welcher normale Mensch
zieht eine Behausung in einer nördlichen Bucht an einem
Pool bei starkem SW Wind und Dauerregen gepaart mit
Temperaturen um 10C° im Herbst seinem eigenem Bett vor?
Ich, und denke auch die meisten von uns.
Aber nichts desto Trotz liebe ich unser Hobby und so
manche schöne und unvergeßliche Momente am Wasser lassen
mich die ganzen Stunden, die finanziellen Entbehrungen,
die Enttäuschungen, die teilweise harte Arbeit und nicht
zuletzt die unheimlich vielen Blanks vergessen. Den
Moment, in dem ich meinen wirklichen Traumfisch in den
Armen halte, sehne ich mir schon so sehr herbei, dass ich
die Arbeit gerne in Kauf nehme. Ich lebe noch dem Motto:
„Wer seinen Schweinehund immer und immer wieder bezwingt,
der wird am Ende reich belohnt.“
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Ein Thema was mir besonders am Herzen liegt ist die
Effektivität ...
Da ich für meinen Teil noch ein
halbwegs normales Leben führen will, liege ich nicht den
gesamten Urlaub und die kompletten Wochenenden am Wasser.
Ich fahre auch schon mal zum Ballermann und lasse fünfe
gerade sein. Doch ich versuche durch optimale
Vorbereitungen und wechseln der Stelle das Beste aus jeder
Nacht herauszuholen. Localisation steht bei mir an erster
Stelle und deshalb der große Aufwand, komplette
Gewässerkarten herzustellen. Und das unterscheidet mich
von den meisten Anglern. In den besten Zeiten ca. 3 Wochen
im Frühjahr und 4 Wochen im Herbst verbringe ich die
Wochenenden meist am Wasser. Im Sommer und die meisten
anderen Wochen fische ich nur eine Nacht und gehe den
anderen Abend aus. Trotz diesen Umständen, die ich ja
selber so will, komme ich jedes Jahr immerhin noch auf ca.
40 bis 70 Nächte und bin immer mit meinen Fängen
zufrieden.
Die Leute, die zu viel Zeit haben, gehen meist nicht so
effektiv vor. Die graben sich 2 Tage oder länger ein und
warten auf den Fisch, statt aktiv zu suchen, füttern zu
gehen und ihre Möglichkeiten voll auszuschöpfen. Weil ihre
Art ja so bequem ist. Diese sind im meinen Augen einfach
faul. Ich weiß, dass wenn man sich Mühe gibt wird man auch
belohnt. Bei meinem einzigen Frankreich Trip stellte sich
am 4. Tag die Frage, ob wir zu einer für uns besseren
Stelle wechseln sollten. Obwohl wir in den meisten Nächten
nicht geblankt hatten, zogen wir unserer Meinung nach zur
effektiveren Stelle um. Also alles einpacken ab ins Boot
und dann wieder aufbauen. Was soll ich sagen, wir fingen
nicht wie ihr es jetzt vielleicht gedacht habt wie im
Traum. Doch unsere Fänge verbesserten sich und ich fing
meinen Personal best. Das war jedes einzelne Gramm Takle
wert, was ich schleppen mußte. Die Engländer, die am
gleichen Tag auf unsere alte Stelle wechselten fingen
wider Erwartens nichts mehr.
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Wieder in heimischen Gefilden ...Denn,
wenn mir so viel Zeit zur Verfügung steht wie z.B. im
Urlaub, habe ich bis zu vier verschiedene Stellen oder
Gewässer unter Futter und springe wenn, ich es für richtig
halte, jeden Tag zu einem anderen Spot. Das bedeutet vor
dem Urlaub bis zu 5 Stunden an verschiedenen Seen füttern
zu fahren. Beim Fischen auch mal das Takle für eine oder
zwei Stunde bei einem Freund, der zur Besuch ist, zu
lassen um nochmals meine Baits auf andere Seen zu
verteilen. So grase ich einen Stelle nach der anderen ab.
Das ist effektiv!!! Denn ich habe festgestellt, dass man
in der ersten Nacht sehr oft besser fängt. Dort gehen zwar
die Meinungen auseinander, doch ich für meinen Teil sehe
das so. Ich versuche das Optimale aus einem Wochenende
herauszuholen. Wenn man so oft die Stellen wechselt, spart
man natürlich an seinem Takle. Deshalb versuche ich diese
so leicht und klein zu halten wie möglich. Ein Freund von
mir lacht immer über mich, weil ich aus den Chips Tüten
die Luft herauslasse um Platz zu sparen. Ich nimm’s ihm
aber nicht übel und helfe ihm dann bei seinem zweiten
Lauf. Ich versuche halt meine Sachen bis ins Detail zu
planen. Die Berichte Kurzzeit Sessions von Simon Crow fand
ich sehr gut und ich konnte mir einige Dinge abschauen.
Das ist was ich euch ans Herz legen will. Wer seine Fänge
verbessern will und scheut sich nicht vor Streß und
Plackerei, der sollte mal seine Effektivität überdenken.
Es gibt Leute, für die ist
Karpfenangeln alles. Sie haben ihr komplettes Leben darauf
eingestellt und ihr ganzer Freundeskreis sind Angler.
Diesen will ich nicht auf die Füße treten und sie
kritisieren, nur mein Ding wäre dieses nicht. Deshalb I
did it my way.
Im diesem Sinne ...
Tight Lines
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