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von Steffen Reuther

 

 

Der Wels, lateinisch Silurus Glanis ...

regional auch Waller genannt, ist ein Süßwasserfisch mit einem breiten, flachen Kopf mit weitem Maul, zwei langen Bartfäden (Barteln) am Oberkiefer und vier kürzeren Barteln am Unterkiefer, einer langen und bis zur Schwanzflosse reichenden Afterflosse und einer kleinen und relativ weit vorne sitzenden Rückenflosse. Welse werden bis zu 80 Jahre alt und haben zudem ein sehr gutes Gehör.

Die Welsartigen sind entwicklungsgeschichtlich sehr alte Fische mit ungefähr 2.200 Arten, von denen ungefähr 1.200 in Südamerika heimisch sind. Zwei Familien der Welse sind Meeresbewohner; die anderen bestehen aus Süßwasserfischen. Zu ihnen gehört die Familie der Siluriden, die in Europa nur durch eine Gattung mit zwei Arten vertreten ist. Eine, nämlich Silurus aristotelis, ist in ihrem Vorkommen sehr eng auf ein Flusssystem in Griechenland begrenzt. Die andere, hier gezeigte Art, ist Silurus glanis und wird als Europäischer Wels schlechthin bezeichnet. Der Wels, auch Waller, Schaden oder Scham genannt, ist ein in Mittel- und Osteuropa beheimateter Raubfisch. Im Norden kommt er häufig in den masurschen und auch baltischen Seen vor. Begrenzte Populationen sind auch aus Südschweden bekannt. In England war er ursprünglich nicht einheimisch. Dies gilt ebenfalls für Frankreich, Italien und Spanien, wenngleich dort durch Besatz mittlerweile Welse in erheblichen Stückzahlen vorkommen. Die Heimat des Welses erstreckt sich bis nach Westasien. Er lebt hier auch im Schwarzen Meer. Welse stoßen dabei bis in Brackwasserregionen vor. Als typische Welsflüsse gelten Donau, Wolga und Dnjepr. Mittlerweile kommt er aber, teils auch durch Besatzmaßnahmen von Teichbewirtschaftern und Angelvereinen und auch durch das Abwandern von adulten Tieren, in fast allen deutschen Flüssen und Seen vor.

Der Wels hat in Europa nur einen einzigen Verwandten ...

den in Griechenland beheimateten Aristoteleswels (Silurus aristoteles). Er sieht ähnlich aus wie der Waller, wird jedoch nicht so groß und hat nur 2 Barteln am Unterkiefer und 2 Barteln am Oberkiefer. Der Körper des Aristoteleswelses ist langgestreckt, schuppenlos und schleimig, sein Kopf ist breit und abgeplattet. Im Unterschied zum Wels reichen seine 2 Bartfäden am Oberkiefer nicht über die Brustflossen hinaus und er besitzt an der Kopfunterseite nur 2 kurze, halb so lange Bartfäden. Die Seitenlinie ist vollständig vorhanden. Seine Rückenflosse enthält 3 Strahlen, die Afterflosse 67 bis 76, meist aber 72 Strahlen. Eine Fettflosse zwischen Rücken- und Schwanzflosse ist nicht vorhanden. Der Rücken des Aristoteleswelses ist dunkelbraun bis schwarz gefärbt, die Flanken sind heller bräunlich oder grünlich. Seine Bauchseite ist silbrig mit dunklen Marmorierungen. Am Ansatz der After- und Schwanzflosse weist die Art eine Reihe dunkler, schwarzer Flecken auf. Im Mittel wird der Aristoteleswels 100 bis 150 cm lang, selten auch bis 200 cm. Das natürliche Verbreitungsgebiet des Aristoteleswelses liegt in Westgriechenland im Einzugsgebiet des Ionischen Meeres im Bereich des Aspropotamos (Acheloos) und seiner Nebenflüsse. Hier besiedelt er ruhige Flussstellen und stehende Gewässer mit Sand- oder Schlammgrund.

Welse haben an beiden Seiten des Oberkiefers ...

und bei manchen Arten auch am Unterkiefer Barteln. Die Rücken- und Brustflossen weisen an den Rändern oftmals spitze Stacheln auf, die mitunter auch giftig sind. Der Fisch benutzt sie u. a. zur Verteidigung, und sie können ernsthafte Wunden verursachen. Die Mitglieder einiger Welsfamilien in Südamerika sind mit Knochenplatten bedeckt. Eine Welsart mit verkümmerten Augen bewohnt im Osten von Pennsylvania Hohlräume unter Wasser. Der Zitterwels, der im Nil und in den tropischen Gebieten Zentralafrikas vorkommt, kann einen elektrischen Schlag auslösen.

Eine andere bemerkenswerte Welsart, der zu den Raubwelsen gehörende Froschwels (er frisst Amphibien), kam ursprünglich aus Ostindien und Südostasien und wurde im Jahre 1968 in Florida in der Nähe von Boca Raton entdeckt. Er war von Händlern, die tropische Fische importierten, eingeführt worden. Er wird bis zu 60 Zentimeter lang und „wandert” in Trockenperioden über Land, um tiefere Gewässer zu finden. Er bewegt sich zwischen Gewässern vorwärts, indem er über den Boden schlittert und dabei zugleich schlagende Bewegungen mit dem Schwanz ausführt. Zusätzlich befindet sich an jeder Brustflosse ein starker Stachel, den der Fisch im Boden verankert, um die Balance zu halten und sich vorwärts zuziehen. Er besitzt einen umgebildeten Kiemenbogen, der eine Luftkammer formt, mit deren Hilfe er auch außerhalb des Wassers atmen kann.

Der Harnröhrenwels (Tridensimilis brevis) ist ein parasitisch lebender Fisch aus der Familie der Schmerlenwelse. Er kommt im Amazonasbecken vor. Der Harnröhrenwels ist bis zu 3 cm lang. Seine Lebensweise ähnelt der des Candirú. Er sucht im Sand von flachen Flüssen Unterschlupf und lebt parasitär von Blut in den Kiemen größerer Welse. Er kann, vermutlich als Fehlleitung, auch in die Harnröhre von Säugetieren (also auch Menschen) eintreten, die unter Wasser urinieren, woher sich der deutsche Name ableitet. In der Harnröhre stirbt er zwar schnell ab, muss dann aber zumeist chirurgisch, und unter großen Schmerzen entfernt werden.
 


Der Gewöhnliche Katzenwels ...

ist von allen nordamerikanischen Welsarten der beliebteste Speisefisch. Von besonderer Bedeutung sind dabei die Fische, die im Flusstal des Mississippi und in den Staaten am Golf von Mexiko gefangen werden. Sie können bis 70 Kilogramm wiegen. Der Blaue Katzenwels und der Getüpfelte Gabelwels sind die häufigsten Fangfische, und ihr Fleisch gilt als genauso hochwertig wie das von Schwarzbarschen. Welse machen einen erheblichen Teil der Fischzuchtproduktion in den Vereinigten Staaten aus, wo sich riesige Fischzuchtfarmen für Welse befinden.

Systematische Einordnung:

Welse bilden die Ordnung Siluriformes. Die beiden Familien, die im Meer leben, heißen Ariidae und Plotosidae. Der einheimische Flusswels oder Waller wird als Silurus glanis klassifiziert, der Zitterwels als Malapterurus electricus und der Froschwels als Clarias batrachus. Der Gewöhnliche Katzenwels gehört zur Familie der Ictaluridae. Der Blaue Katzenwels heißt wissenschaftlich Ictalurus furcatus und der Getüpfelte Gabelwels Ictalurus punctatus.

Etymologische Namensfindung:

Der Wels ist neben den Störartigen unser größter, heimischer Süßwasserfisch. Die Herkunft des Namens liegt allerdings weitgehend im Dunkeln. Die Worte Wels und auch Waller (Waler, Weller) stammen aus der selben sprachlichen Wurzel wie Wal (Walfisch), welches aus dem germanischen hwalis entstanden ist. Die wahrscheinlichste Herleitung ist vom altpreußischen kalis, was Wels bedeutet.

Dieses Wort kommt möglicherweise wiederum vom lateinischen squalus (Bezeichnung eines Meeresfisches), welches heute der wissenschaftliche Gattungsname des Dornhais (Squalus acanthias) ist und früher auch das Aitel bezeichnete (Squalius cephalus; heute: Leuciscus cephalus). Die Gebrüder Grimm gehen trotz der Übereinstimmung mit dem Preußischen nicht davon aus, dass Wels die Grundbedeutung der Formen sei. Sie nehmen an, dass der Wels als größter Süßwasserfisch der Germanen mit dem Wal verglichen wurde und so der Name von diesem herzuleiten ist. Dafür würde sprechen, dass üblicherweise eher kleinere Tiere nach größeren benannt werden und nicht umgekehrt und bereits Decimus Magnus Ausonius (römischer Dichter des 4. Jahrhunderts) den silurus als "unseren zahmen Walfisch der Mosel" (nostrae mitis balaena Mosellae) bezeichnete. Im Heldengedicht eines Tegernseer Mönchs, das um das Jahr 1030 entstand, ist vom Wels als vualra die Rede. Auch Gesner knüpfte an den Wal an, indem er über den Wels schrieb: "Diß scheußliche Thier könnte wegen seiner Gestalt ein teutscher Wallfisch genennet werden." Heute noch heißt der Wels in Holland meerval.

Die Bezeichnung Schaiden (Scheiden, Schaidfisch, Schaden) tritt im Althochdeutschen als sceida auf. Der Ursprung des Wortes kann nicht mit Sicherheit abgeleitet werden. Der Wortstamm bedeutet trennen, abgrenzen ("scheiden"). Als mögliche Erklärung findet sich bei den Gebrüdern Grimm, dass die Gestalt dieses Fisches der Scheide eines Reiterschwertes gleiche – eine Deutung, die keine Zufriedenheit aufkommen lässt. Aber ich kann leider derzeit auch keine Bessere anbieten. Eine Verwechslung mit dem Schied (im Donaugebiet übliche Bezeichnung des Rapfens) dürfte nicht gegeben sein. In Ostösterreich wird der Wels auch Scharn oder Scharl (ausgesprochen: 'schorl') genannt wird (möglicherweise von Scheidl als Verkleinerungsform). Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass im englischsprachigen Raum (v.a. USA) der Name sheatfish für den Wels vorkommt. Sheath bedeutet im Englischen Scheide (Schwertscheide). Auch über den Ursprung des Namens Salut (Salutschaid) konnte ich nichts in Erfahrung bringen.
 


Die wissenschaftliche Gattungsbezeichnung Silurus ist lateinisch ...

und kommt vom griechischen siluros, was ebenfalls "Wels" bedeutet. Der Name ist noch in einigen romanischen Sprachen erhalten: So heißt der Wels im Französischen silure und im Italienischen und Spanischen siluro. Auch der Artname glanis ist lateinisch; er bedeutet ebenfalls Wels und findet sich bereits bei Plinius.

Ein weiterer Vertreter der Ordnung der Welse (Siluriformes) ist der aus Nordamerika stammende, kleinwüchsigere Zwergwels (Ameiurus nebulosus), der auch in einige heimische Gewässer eingeschleppt wurde. Die deutsche Bezeichnung Katzenwels oder Katzenfisch rührt daher, dass einige Vertreter dieser Familie (Ictaluridae) in englischsprachigen Ländern catfish genannt werden. Der Zwergwels heißt im Englischen aber brown bullhead, was übersetzt soviel wie 'brauner Stierkopf' bedeutet. Die Verbindung zum Stier ist nicht nur wegen des großen Kopfes naheliegend, sondern auch, weil ein Bartelpaar wie Stierhörner gebogen nach oben ragt.

Der wissenschaftliche Gattungsname Ameiurus kommt aus dem Griechischen und bedeutet "abgestumpfter Schwanz". Der Artname nebulosus ist lateinisch und heißt "rauchgrau, neblig". Der bis vor wenigen Jahren verwendete Gattungsname Ictalurus (Familie Ictaluridae) setzt sich aus griechisch ichthys (Fisch) und ailouros (Katze) zusammen, bedeutet also wie die englische Bezeichnung Katzenfisch. Die Endung -urus in Ameiurus und Ictalurus hat also eine unterschiedliche sprachliche Herkunft.

Der größte Wels ist der einheimische Flusswels oder Waller ...

der 300 Kilogramm Gewicht und eine Länge von bis zu vier Metern erreichen kann. Diese bei uns vielerorts von Anglern ausgesetzte Fischart besiedelt Flüsse und Seen in Mittel- und Osteuropa. Der Flusswels ernährt sich von Fischen, Wasservögeln, Fröschen und Kleinsäugern. Konstanzer Biologen berichteten 2001 in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" über die Beutesuche des Flusswelses. Dieser ist offensichtlich in der Lage, einer bis zehn Sekunden alten Wirbelspur von Fischen zu folgen und diese aufzuspüren, ohne sie sehen zu können. Tiere von mehr als zwei Metern Länge sind ausgesprochen selten. Nur ausnahmsweise erreicht der Wels bei optimalen Lebensbedingungen Längen von deutlich mehr als zwei Metern, etwa wie der Kiebinger Rekordwels mit einer Länge von 2,49 Metern und einer Masse von 89 Kilogramm. Übertroffen wurde dieser Riese von einigen noch etwas größeren Exemplaren aus Frankreich, Spanien (Ebro), Italien (Po) und Griechenland (Polifito-See), wo dieser Fisch vor einigen Jahrzehnten ausgesetzt wurde, und dank des günstigen Klimas, mangelnder Konkurrenz und guter Nahrungsversorgung extrem gut wächst. Am Po wurde auch der derzeitige Rekordwels mit 2,78 Metern Länge und 144 Kilogramm Gewicht gefangen. Das Bild zeigt das Präparat der Fa. Hofinger, der Fänger wollte damals nicht namentlich genannt werden.
 


Im rumänischen Donaudelta ...

wurden in den 80er Jahren große Welse von über 100 kg gefangen. In Ungarn sind es der Plattensee, die Theiß, Körös, Raab und Donau, welche durch Fänge von kapitalen Welsen Aufsehen erregten. In Kasachstan (Syr Daria), Armenien, Georgien, Russland, der Ukraine und Usbekistan gibt es die größten Welse, allerdings ist die natürliche Population durch Umweltverschmutzung, Raubbau, Berufs- und Schwarzfischerei sehr stark zurückgegangen, so dass das gezielte Beangeln von Großwelsen dort nur noch in Einzelfällen lohnend ist. Es wurden im Dnjepr Exemplare um 320 kg gefangen, in der Theiß welche von 3,5 m Länge. Genaue Altersbestimmungen liegen für Waller bis 25 Jahre vor, die in verschiedenen Gewässern eine Länge von 1,65 bis 2,27 m erreichten.

Einer der deutschen Rekordwaller der Neuzeit wurde 1998 ...

von Mario Caruso im Rhein bei Großrohrheim in der Nähe des Kraftwerkes Biblis gefangen. Er maß 2,37 m und wog stolze 85kg. Der ehemalige Amateurboxer, 185 m groß und in zahlreichen Kämpfen erfolgreich, war am Ende seiner Kräfte, als er den "Riesen vom Rhein" landete. Überlistet wurde der Gigant durch ein Stück Aal, nachweislich die Leibspeise großer Welse und deshalb einer der fängigsten Köder für diese Fischart. In den Kärntner Seen, im Bodensee und in der Donau werden Welse mit ähnlichen Maßen vermutet, eventuell noch größer und schwerer. Ein 1946 gelandeter Riese aus dem Wörthersee war 2,3 m lang, wog aber eigenartigerweise nur 65 Kg. Österreichs Superwaller wurde laut historischer Unterlagen 1616 in der Drau bei Hollenburg überwältigt. Länge 2,5 m und 76 Kg schwer.

In den Erbhuldigungen aus dem Jahre 1666 ...

findet sich noch eine Eintragung über einen 2,4 m langen Waller, dessen Gewicht aber nicht eindeutig verbürgt ist. Kolossale Exemplare soll es in den Donauauen bei Wien geben. Gesichtet wurden Einzelexemplare mit gigantischen Körpermaßen, größer als die Taucher. Unter Wallerexperten gilt insbesondere Norditalien als Hochburg der Giganten. Am 8. April 2002 ging der Österreicherin Edeltraud Pfeiffermann in einem Nebenarm des italienischen Fluß Po ein Waller mit 238 cm und 113 Kg an den Haken. Der gierige Fisch verschluckte einen ausgelegten Aal. Das Fischmonster geht in die Geschichte ein als einer der größten, jemals mit der Angel gefangenen Welses. Und definitiv als der gewaltigste Wels, der je von einer Frau gefangen wurde. Solche Fische werden von verantwortungsbewußten Petrijüngern aber nicht getötet. Auch Sportfischerin Pfeiffermann entließ den riesigen Fisch nach einigen Erinnerungsfotos wieder in die Freiheit. Erstaunlicherweise sind die meisten gefangenen Riesenwaller gemessen an ihrer Größe recht schlank. Nur wenn sie sehr alt sind und sich das Längenwachstum verlangsamt, nimmt die Körperfülle entsprechend zu. Über 100 Kg wiegt ein Waller nur, wenn das Wasser warm und das Nahrungsangebot groß ist und er außerdem ein Alter von 50 Jahren deutlich überschritten hat. Als größter und schwerster Riesenwels aller Zeiten gilt ein mit Netzen 1761 in der Oder gefangener Koloß. Der gewaltige Fisch wog ohne Eingeweide 375 Kg.
 

Als wallerträchtige deutsche Gewässer ...

sind hier die Donau mit ihren bekannten bayrischen Nebenflüssen wie Altmühl, Naab und Regen zu nennen, die alljährlich Fische jenseits der 2m Marke liefern. Aber auch Rhein, Neckar, Weser und auch der Main, sowie deren Zu- und Nebenflüsse zählen ebenso zu den Toprevieren in Deutschland in Punkto Wallerbestand. Die Liste der In- und ausländischen Flüsse in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und diversen Ostblockländern könnte an dieser Stelle unendlich fortgesetzt werden. Der Po in Italien, Ebro in Spanien, Saone in Frankreich, sowie diverse Seen und Stauseen im In- und Ausland, um nur formhalber ein paar davon zu nennen.

Insider des Wallerangelns greifen hier neben der Tschechei, Polen, Rumänien, Usbekistan, Kasachstan und auch Griechenland schon noch etwas tiefer in ihre Trickkiste und es wird mit Sicherheit auch nicht mehr lange dauern, bis wir wieder von neuen, spektakulären Rekordfischen hören werden.

Anatomie und Lebensraum ...

Die Körperform des Welses ist so typisch, dass Verwechslungen mit anderen europäischen Fischarten ausgeschlossen sind. Der Körper ist lang gestreckt und im vorderen Drittel an der Bauchseite abgeplattet (sog. Bodenform). Dominierend wirkt der kräftige Kopf mit dem breiten, leicht oberständigen Maul. Die beiden kräftigen Kiefer sowie Gaumen und Pflugscharbein sind mit kleinen, scharfen Hechelzähnen bestückt. Auffälligste Organe am Kopf sind die Barteln. Zwei sehr lange, nach allen Richtungen bewegliche Bartfäden sitzen am Oberkiefer, vier kürzere am Unterkiefer. Was die Beflossung angeht, so fällt die vergleichsweise winzige Rückenflosse im vorderen Rückenbereich sowie die außerordentlich lange Afterflosse auf. Die Augen des Fisches sind im Vergleich zur Körpergröße sehr klein - ein Hinweis darauf, dass für den Waller der Gesichtssinn im Vergleich zu anderen Sinnesorganen von eher untergeordneter Bedeutung ist. Tast- und Geruchsinn spielen sowohl bei der Nahrungssuche als auch für das Erkennen von Artgenossen, beispielsweise während der Laichzeit (Mai, Juni, je nach Wassertemperatur), eine wichtigere Rolle. Gleiches gilt für das Gehör der Fische. Auf Grund einer Verbindung zwischen Schwimmblase und Innenohr (Webersche Organ) hören Welse ausgezeichnet. Die Haut ist glatt und schuppenlos.

Wie bei allen Fischen ohne Schuppen wird besonders viel Hautschleim abgesondert. Zu erwähnen ist, dass Welse, wie viele Cyprinidenarten in bestimmten Zellen der Oberhaut einen Schreckstoff speichern, der bei Verletzung freigesetzt wird und Artgenossen zur Flucht veranlassen. Bei Sauerstoffmangel im Wasser können bis zu 25% des benötigten Sauerstoffes über so genannte Hautatmung aufgenommen werden. Welse weisen in der Regel eine sehr dunkle Körperfärbung auf. Schwarz-, Braun- und Grüntöne überwiegen. Meist sind die Körperseiten marmoriert, die Bauchseite weißlich gefärbt. Albinismus tritt bei Welsen, vergleichsweise mit anderen Fischarten, häufig auf. Dieser auffallende Wandel des Körperquerschnittes vom Maul bis zum Schwanz wird noch betont durch die extreme Proportion von Kopf, Rumpf und Schwanz. Ihre Längen verhalten sich wie 5:7:18. Der bauchseitige Rand des Schwanzes wird nahezu vollständig von der Afterflosse gesäumt. Schwanz und Afterflosse bilden somit eine gewaltige Antriebseinheit, mit deren Hilfe der Wels blitzschnelle Vorwärts- und Seitwärtsbewegungen vollführen kann. Der Wels ist allerdings kein ausdauernder Schwimmer.
 


Der Waller ist ein bodennah lebender dämmerungs- und nachtaktiver Raubfisch ...

Die Haut ist schuppenlos, und seine Färbung ist der Umwelt angepasst, und variiert daher sehr. Nicht nur die Körperform, sondern auch die Ausmaße und die Lage der Flossen deuten darauf hin, das der Waller überwiegend in Bodennähe lebt. Das breite, mit Hechelzähnen bewehrte Maul und der hervorstehende Unterkiefer sind deutliche Anzeichen für eine räuberische Lebensweise. Die kurzen, nach hinten gerichteten Hechelzähne befinden sich in vier bis fünf Zahnreihen auf dem Unterkiefer, und in zwei Reihen auf dem Oberkiefer. Am Oberkiefer sitzen auch zwei extrem lange Bartfäden. Der Waller kann diese im Gegensatz zu den vier kürzeren am Unterkiefer, zielgerichtet bewegen, um seine nähere Umgebung zu erforschen. Alle sechs Barteln tragen als Geschmacksorgane Sinnesknospen, die sich zur Spitze hin häufen. Die kleinen, wenig funktionstüchtigen Augen liegen seitlich über den Mundwinkeln. Obwohl das Auge wie bei den meisten anderen Fischarten konstruiert ist, sind die Sehleistungen des Wallers sehr gering. Dies kompensiert der Waller durch den hervorragend ausgebildeten Tastsinn und die für Fische aussergewöhnlichen Geruchs- und Gehörleistungen. Dafür sprechen auch die Erfahrungen der Angler mit dem Wallerholz.

Er bewegt sich schlängelnd über dem Gewässerboden und legt sich dort bald wieder ab. Seine großen Brustflossen dienen ihm zu Kurskorrekturen und zu langsamem, vorsichtigem Ortswechsel. Die Bauchflossen, Schwanz- und Rückenflosse hingegen sind sehr klein und haben fast rudimentären Charakter. Der Wels ist ein überwiegend dämmerungs- und nachtaktiver Raubfisch. Bei ihm ist daher der Gesichtssinn, im Gegensatz zum Hecht und Zander, von untergeordneter Bedeutung. Seine Augen sind sehr klein. Der Tastsinn hingegen ist beim Wels stark ausgeprägt. Er besitzt hierzu am Unterkiefer vier kleinere Barteln, die relativ weich sind und nicht bewegt werden können. Am Oberkiefer sitzen zwei lange Barteln, mit denen der Wels seine Umgebung gezielt abtasten kann. Beim Schwimmen streckt er sie wie Fühler bogenförmig nach vorne aus. In unmittelbarer Nähe dieser Barteln liegen auch die beiden gut ausgebildeten Riechgruben. Bewegungen von Beutetieren, aber auch eventueller Feinde nimmt der Wels als Druckwellen mittels seiner Seitenlinien wahr. In diesen Seitenlinien befinden sich mit Schleim gefüllte Sinneszellen, die über kleine Kanäle Veränderungen des Wasserdrucks aufnehmen und an das Gehirn weitermelden. Geräusche, also Schallwellen, werden von der Schwimmblase aufgenommen und dort wie von einem Resonanzkörper verstärkt. Über den Weberschen Apparat werden diese Signale an das eigentliche Gehör- und Gleichgewichtsorgan, das so genannte Labyrinth, weitergegeben. Welse leben in vielen Seen und größeren Teichen. Wir finden sie auch in träge fließenden Flüssen und deren Altwässern. Fast ausschließlich hält sich der Wels in Nähe des Gewässerbodens auf. Er bevorzugt weiche, schlammige Gründe und versteckt sich gerne zwischen Wurzeln, versunkenen Bäumen und Wasserpflanzen.
 


In stehenden Gewässern ...

ruhen die Welse, anders als in Flüssen, am Tage häufig in Ufernähe auf weiten, ungeschützten Sand- bzw. Schlammflächen. Manchmal kaum 4-6 m tief und in regelrechten Kolonien nur unweit der großen Strandbäder, stumm und starr wie Baumstämme. Kein Mensch würde sie dort vermuten, schon gar nicht die Badenden. Dieses abnorme Verhalten hängt allerdings von der Uferstruktur und der Größe des Fisches ab. Begünstigt wird es durch flache Uferzonen ohne Deckungsmöglichkeit. Auch machen das normalerweise nur Waller ab etwa 1,5 m Länge, die nichts mehr zu befürchten haben. Als Taucher kann man die Schlafkuhlen gut erkennen und auch anhand ihrer Tiefe und Länge die ungefähre Größe des darin gelegenen Wallers abschätzen.

Bis zur Dämmerung liegen die Riesenfische fast unbeweglich am Grund, dann aber kommt Bewegung in die schuppenlosen, schleimigen Körper. Die abgeplatteten Köpfe heben sich aus dem Mulm und die langen Afterflossen peitschen den Untergrund. Kleine, schwarze Knopfaugen schauen munter und gierig in die Runde. Es zwickt in den Eingeweiden. Eine todbringende Armada rüstet zum Feldzug. Gegner ist der Hunger. Und der kann nur mit Unmengen von Beutefischen gestillt werden. Einer nach dem anderen verlässt seine Schlafstätte. Wie Wesen aus einer anderen Welt streben sie der schwarzen Weite zu, Schlammfontänen hinter sich herziehend. Die langen Barteln tasten nach Beute, mit den kleinen Seeorganen suchen sie ruhelos die Umgebung ab. So durchstreifen sie kilometerlang Seen und Flüsse, alles verschlingend, dessen sie habhaft werden können. Gegen Morgen kehren sie zielsicher zu ihrem Schlafplatz zurück, egal wie weit sie geschwommen sind. Welse sind also keine Nomaden, die ziellos rauben und sich jeden Tag eine neue Unterkunft suchen. Ortstreu finden sie sich immer an denselben Stellen ein. Wo diese liegen und wie tief, weiß man nur sehr ungenau, denn Welse unter Wasser zu finden gleicht einem Glücksspiel zu dem man außerdem noch viel Erfahrung mitbringen muss. Als sicher kann gelten, dass die meisten Waller nicht wesentlich tiefer als 30 m rauben, denn nur unweit einer dem Autor bekannten Wallerwohnsiedlung lag in 45 m Tiefe 3 Jahre lang die Leiche eines Ertrunkenen, der von der Kälte konserviert keinerlei Fraßspuren aufwies. Was die walzenförmigen Riesenfische im Freiwasser treiben, entzieht sich allen Nachforschungen. Vermutlich folgen sie aber gelegentlich den großen Reinanken - Schwärmen, um sich einige Leckerbissen zu genehmigen.

Wird das Gewässer von Schwingrasen umsäumt ...

erwühlen sich Welse darunter regelrechte Höhlensysteme, in denen sie den Tag verbringen. In dieser unheimlichen und lichtlosen Welt begegnet man auch den sagenumwobenen Speisekammern der Waller. In ihnen werden dichte Schwärme von Rotaugen, Lauben und Karauschen quasi als Lebendfutter gehalten. Instinktiv schaffen die gierigen Räuber beim Wühlen mit ihren gewaltigen Körpern auch Raum für schutzsuchende Friedfische, die sich zu Tausenden in der Finsternis einfinden und den Wallern als pulsierender Vorrat dienen. Wie im Schlaraffenland müssen sie sich fühlen, wenn ihnen das Fressen sozusagen von alleine ins riesige Maul schwimmt. Ein Mysterium bleibt, was Welse im Winter machen. Etwa ab Mitte Oktober verlassen sie ihre Schlafstätten und verschwinden im Niemandsland ihrer Gewässer. Nie gelang es einem Taucher oder UW-Fotografen diese Lebensperiode zu sehen bzw. zu fotografieren. Graben sie sich im Schlamm ein? Verstecken sie sich im Schilf? Liegen sie auf uferfernen Untiefen? Tarnen sie sich zwischen versunkenen Bäumen? Warum überhaupt verlassen sie ihre Sommer-Ruhestätten? Ein Rätsel, das noch seiner Auflösung bedarf. Ebenfalls ungeklärt ist, wie gut oder wie schlecht der Wels sehen kann. Manche Wissenschaftler glauben, dass sein Sehvermögen schlecht sein muß, weil die Augen so klein sind und er sie ohnehin bei Nacht nicht benötigt. Andere Experten wiederum bescheinigen ihm gerade deshalb gute bis sehr gute Sehkräfte in der Dämmerung. Niemand kennt die Wahrheit. Ebenso ist unbekannt, ob der Waller Farben sehen kann oder nicht. Tatsache ist: Wenn der Waller nicht will, dass man ihn sieht, besteht keine Chance. Er registriert mit seinem empfindlichen Seitenlinienorgan die Nähe von Schwimmern, Schnorchlern und Tauchern lange bevor diese ahnen, daß unser größter Raubfisch in der Nähe liegt.
 


Laichverhalten - Entwicklung vom Ei bis zum Jungfisch ...

Welse sind Einzelgänger. Lediglich zur Laichzeit, etwa von April bis Juli, finden sie sich paarweise in den pflanzenreichen Flachwasserzonen. Das Männchen (Milchner) bereitet durch Flossenschläge ein Nest in den Wasserpflanzen vor. Während des nun folgenden Laichspiels preßt das Weibchen (Rogner) die Eier aus dem Geschlechtsporus aus. Sie werden sofort vom Milchner besamt und kleben an den Pflanzenteilen. Pro kg Körpergewicht sind von einem Rogner etwa 10 000 der hellbeigen, 2 bis 3 mm großen Eier zu erwarten. Dieses Nest wird vom Milchner bis zum Schlüpfen der Embryonen bewacht und durch Flossenschläge mit Frischwasser versorgt. Nach etwa drei Tagen schlüpfen die pigmentlosen, weißen, etwa 6 mm großen Larven. Sie sind ausgesprochen lichtscheu und haften sich zunächst an Wasserpflanzen an. Erst nach weiteren drei Tagen besitzen sie eine Schwimmblase und können schwimmen und Nahrung suchen. Bis zu diesem Zeitpunkt haben sie sich vom eigenen Dottersack ernährt. Nun stellen sie bereits kleineren Zooplanktern (Rotatorien, kleineren Cladoceren) nach. Besonders im ersten Lebensjahr ist die Zahl der Feinde des Welses groß. Nahezu sämtliche Fischarten ernähren sich von frischgeschlüpften Embryonen. Daneben stellen Frösche, Wassergeflügel und Insekten den Jungfischen nach. Insbesondere die Libellenlarven, der Gelbrandkäfer und seine Larve sind als Räuber der Fischbrut anzusprechen. Am Ende des ersten Jahres ist der Wels 10 bis 20 cm groß. Er stellt nun seinerseits Tubificiden oder kleineren Fischen nach.

Während sich junge Welse ...

oft zu losen Verbänden zusammenschließen, sind alte Tiere dagegen Einzelgänger. Welse liegen tagsüber in ihren Schlupfwinkeln. Mit Einbruch der Dämmerung und nachts gehen sie auf Beutejagd, oftmals bis in ganz seichtes Wasser hinaus. Es gibt im übrigen kaum ein aufregenderes Erlebnis für den Angler, als während eines warmen Sommerabends an einem guten Welsgewässer (Neckar, Rhein, Mosel, Po, Saone, Rhone, Ebro) zu sitzen und die Jagd der Welse zu beobachten. Für den Fang des Fisches während des Tages ist die Methode des Anlockens mit dem Wallerholz und vor allem das Spinnfischen mit großen Kunstködern die beste Lösung. Begründet wird dies mit den akustischen Signalen die diese Methoden auslösen und die große Wasserfläche die man dabei absucht. Geräusche lösen beim Waller Neugierde aus, die ihn dazu veranlasst seine Unterschlüpfe zu verlassen und sich auf die Suche zu begeben. Bei der Jagd entstehen laute Schlürf-, Schmatz- und Schlaggeräusche und so ist er für den Angler dabei leicht auszumachen.

Welse reagieren auf Luftdruckschwankungen ...

die sie über ihre Schwimmblase registrieren, und auf Veränderungen des Wasserstandes empfindlich. Wobei sich allgemein fallendes Wasser negativ und steigendes Wasser positiv auswirkt und auch ein niedriger Luftdruck von Vorteil ist. Naturgemäß wird das Fressverhalten der Welse stark von der Wassertemperatur beeinflusst. Den größten Appetit zeigt er vor und nach der Laichzeit und im Herbst wo er sich eine dicke Fettschicht anfrisst. Sobald die Wassertemperaturen unter 10°C absinken, reduziert der Fisch die Nahrungsaufnahme erheblich und stellt sie unter 4°C ein. Die Welsbrut beginnt, sobald die Reserven des Dottersackes abgebaut sind, ein gefräßiges Dasein. Die Fischchen versuchen sowohl in Bodennähe als auch an der Wasseroberfläche Planktonorganismen zu erbeuten. Sie wachsen sehr schnell und stellen sich bald auf größere Nahrung (Schnecken, Zuckmückenlarven, Würmer) ein. Ab einer Körperlänge von 2 bis 3cm bleibt die Brut anderer Fischarten ebenso wenig verschont wie die eigenen Artgenossen- letztere vor allem wenn die Nahrung insgesamt knapp wird. Bis zum ersten Lebensjahr überwiegen jedoch wirbellose Kleintiere.
 


Lebensweise und Beutefang ...

Der Wels wurde bereits als nachtaktiver Jäger der Bodenzone beschrieben, der tagsüber in der Regel ruht. Während der Dunkelheit streift der Wels langsam über den Gewässerboden oder liegt lauernd auf dem Grund. Die Färbung seiner marmorierten Haut passt sich dem jeweiligen Lebensraum an und reicht von schwarz/grau bis braun/grün. Es gibt auch Albino- und Goldformen. Welse haben eine schuppenlose Haut und sind daher empfindlich gegen Hauterkrankungen. Etwa 25% der gesamten Sauerstoffaufnahme kann beim Wels über die Haut erfolgen. Mit Hilfe seiner Tarnfarbe ist der Wels am Gewässerboden nur schwer zu erkennen. Die Bauchseite hingegen ist hell, häufig weiß. Damit hebt er sich, von unten betrachtet, kaum von der schillernden Wasseroberfläche ab. Solchermaßen getarnt erwartet der Wels seine Beute. Oder er schiebt sich mit den großen Barteln vorsichtig tastend an sie heran. Die Distanz, aus der er zuschlägt, ist stets sehr gering. Ein plötzlicher Schlag seiner mächtigen Schwanzflosse muss genügen, um ihn an die Beute zu bringen. Fast immer schlägt der Wels durch eine Seitwärtsbewegung des Maules. Dabei entsteht durch das schnelle Auseinanderreißen der Kiefer ein Sog, der kleinere Beutetiere direkt ins Maul zieht. Ober- und Unterkiefer sind bewehrt mit einer Vielzahl kleiner Hechelzähne, die sehr spitz und nach innen gebogen sind. Die ergriffene Beute hat keine Chance zu entkommen. Welse ernähren sich in der Jugend von Zooplankton, Chironomidenlarven und Tubificiden.

Es werden auch Würmer und Schnecken angenommen ...

Mit weiterem Wachstum fängt der Wels auch andere Fische aller Arten, bevorzugt jedoch Bodenbewohner wie z. B. die Schleie oder den Aal. Daneben frisst der Wels auch Krebse, Wirbeltiere wie die Wasserspitzmaus, Frösche und in einigen Fällen auch Enten und Möwen. Allerdings werden diese nur Beute sehr seltener, großer Welse. In Deutschland erreichen Welse kaum eine Länge von über zwei Metern. Trotzdem zählt Silurs glanis zu den größten Süßwasserfischen der Erde. Aus russischen Flüssen und dem Donaudelta sollen Welse mit 4 bis 5 Metern Länge und 300 kg Gewicht gefangen worden sein. Je nach Wassertemperatur ist die Nahrungsaufnahme im Winter überwiegend eingestellt. Angler schätzen den Wels als attraktiven Raubfisch sehr, fürchten jedoch seinen zu großen Fraßdruck auf andere Fischarten. Diese Sorge ist jedoch größtenteils unbegründet, da ein Wels sein Revier durch Kannibalismus von Artgenossen freihält. Das Revier nimmt flächenmäßig mit dem Wachstum des Welses zu. Ein „Leerfressen" dieses Gebietes durch den Wels ist daher nicht möglich. Darüber hinaus ist der Wels als einheimischer Raubfisch seit vielen Jahrtausenden Bestandteil des Ökosystems Gewässer. Jäger und Beute stehen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander.

Gehör und Verstärkungseinrichtungen ...

Schallwellen sind Druckveränderungen, die ein Fisch mit seinem Innenohr wahrnehmen kann. Obwohl die meisten Arten nur über ein begrenztes Hörvermögen verfügen, können Fische, deren Ohr mit der Schwimmblase verbunden ist, ausserordentlich gut hören. Wenn Wasser mit einer Gasblase in Verbindung steht, vibriert es nämlich mit grösserer Amplitude, als wenn dies nicht der Fall wäre. Da nun die Schwimmblase mit Gas gefüllt ist, wirkt sie wie ein Schallverstärker und verbessert das Hörvermögen eines Fisches. Salmer, Karpfen und Weissfische hören ausgezeichnet. Mehrere kleine Knochen, die den sogenannten Weberschen Apparat bilden, verbinden die Schwimmblase mit dem Ohr. Fische mit einem Weberschen Apparat nehmen einen weitern Frequenzbereich wahr, können schärfer hören und verschiedene Tonhöhen genauer unterscheiden. Mit Hilfe dieses scharfen Gehörs entdecken sie Feinde und potentielle Beute und zudem kommunizieren sie untereinander, indem sie verschiedene Laute hervorbringen.
 

Weberscher Apparat

Der Webersche Apparat besteht aus 3-4 hintereinander liegenden, von Wirbeln abstammenden Knochenpaaren (Stapes, Claustrum, Incus, Malleus), von denen das letzte mit dem vorderen Abschnitt der Schwimmblase Kontakt hat.

  • 1. Sinus impar
  • 2. Labyrinth
  • 3. Claustrum
  • 4. Stapes
  • 5. Incus
  • 6. Malleus
  • 7. Wirbelkörper
  • 8. Schwimmblase

Elektrorezeptoren des Wallers ...

Welse besitzen die Fähigkeit schwache elektrische Ströme in ihrer Umgebung wahrzunehmen. Großräumige elektrische Felder werden zur Navigation genutzt, kleine Felder, wie sie generell von Lebewesen im Wasser ausgehen, können vor Feinden warnen, auf Beute hinweisen und der Kommunikation dienen. Die Sinnesorgane für die elektrischen Ströme, die sogenannten ampullären Elektrorezeptoren, befinden sich in der Haut der Welse.

Ihre Anzahl und ihre Dichte innerhalb des Verteilungsmusters, nimmt mit dem Alter zu. Jede Woche senden zirka 10 neu gereifte primäre Neurone des Lateralisganglions jeder Fischseite ihre zentrifugalen Fortsätze (Nervenfasern) in den Rumpf der heranwachsenden Tiere. Dort wo eine Faser in die Rumpfhaut einwächst, induziert sie, mit Hilfe einer trophischen Substanz noch unbekannter Natur, den Elektrorezeptor, dessen afferente Faser sie dann darstellt. Eine wichtige Erkenntnis ist nun, daß diese zentrifugalen Fasern nicht zielgerichtet zu einer bestimmten Körperregion auswachsen, sondern daß alle Fasern gleich programmiert sind. Der Zufall legt fest, ob eine Faser zur Analflosse oder zum Rücken wächst, im rostralen oder caudalen Rumpfbereich endet und jeweils dort ihren Rezeptor induziert. Daß die Plazierung des Rezeptors vom Zufall beim Auswachsen abhängt, schafft ein Problem für unser Verständnis von der Arbeitsweise der Wahrnehmungsfähigkeit des Welses. Da der Zufall bestimmt hat wo ein Rezeptor auf dem Rumpf zu liegen kam, kann der Fisch nicht "wissen" wo er liegt. Der Fisch muß aber wissen, ob ein elektrisches Feld (z.B. Raubfisch) sich von vorn oder von rückwärts nähert.

Er muß also wissen, ob der Rezeptor, vom dem die Meldung kommt, rostral oder caudal liegt. Neuroanatomische Untersuchungen der Faserverläufe vom zentrifugalen Ende (Rezeptor) bis zum zentripetalen Ende (1. Umschaltstelle des Lobus lateralis des Rhombencephalons) zeigen nun, daß die zentripetalen Faserenden im Lobus lateralis tatsächlich ortspezifisch einlaufen. Wie die somatotopisch geordnete Projektion der Peripherie in den Lobus lateralis in der Ontogenese hergestellt wird, trotz der Zufallsbestimmten Unordnung der zentrifugalen Faserenden, ist Gegenstand unserer momentanen und vermutlich zukünftigen Forschung.
 


Ventraler Rumpf des Welses mit 5 Reihen (I-V) von Elektrorezeptoren (Punkte). Jede Woche werden in jeder Reihe 1-2 neue Organe von neuausgewachsenen Nervenfasern induziert. Die Organe der Reihe V liegen dorsal und ventral über dem Seitenlinienkanal.
 


6 Elektrorezeptoren mit ihren afferenten Nervenfasern. (Rekonstruktion nach Serienschnitten). Jede Faser könnte als letzte angekommen sein und ihren Rezeptor zwischen den anderen Organen induziert haben. Nur das Grundmuster der Rezeptorverteilung liegt fest (s.o.). Welche Faser an welchen Ort gelangt und dort einen Rezeptor induziert, ist vom Zufall bestimmt.
 

Bei den Lorenzini-Ampullen ...

handelt es sich um Gruben, die sich an den Körperseiten und in der Kopfregion von Fischen befinden können. Sie sind blind geschlossene, gallertgefüllte Kanäle, die tief ins Unterhautbindegewebe hineinragen und am Ende kolbenförmig verdickt sind. Ein kleines Bündel von Nervenfasern tritt ins Zentrum ein und verliert dort den Markmantel. Die Ampullenorgane nehmen mehrere Modalitäten wahr:
Kälte, mechanische, chemische und elektrische Reize, für die sie am empfindlichsten sind. Ihnen fehlt die Cupula. Kleine Plattfische erzeugen bioelektrische Gleichstromfelder, die von Haien in 10cm Entfernung, von Rochen aus noch größerem Abstand wahrgenommen werden können. Schirmt man die Gleichstromfelder ab, können die Beutefische nicht mehr geortet werden. Die Haie zeigen jedoch ein normales Verhalten, wenn man eine Batterie im Sand vergräbt. Verantwortlich für die Rezeption der elektrischen Reize sind die Lorenzini-Ampullen.
 

Beispiele:

  • 1. Bei dem mexikanischen Höhlenfisch Astyanax, einer adult augenlosen Fischart, hat man einen so genannten Ferntastsinn festgestellt. In fremder Umgebung schwimmt dieser Fisch zur Erkundung des Raumes ruhelos umher. Gleitet er an Gegenständen vorbei, so neigt er sich zur Seite, um seine Körperseite dem Objekt zuzuwenden. Es wird angenommen, daß der Fisch dabei das von ihm selbst beim Gleiten durchs Wasser erzeugte Strömungsfeld mit Hilfe des Seitenliniensystems registriert.
     
  • 2. Auch geblendete Aquariumsfische zeigen die Eigenart eines Ferntastsinnes. Spätestens 1-2 cm vor der Aquariumswand drehen sie ab und vermeiden eine Kollision mit der Glaswand. Dies tun sie jedoch nur, wenn das eigene Strömungsfeld nicht durch aktive Schwimmbewegungen beeinträchtigt wird. Tiere, die aktive Schwimmbewegungen ausführen, kollidieren unweigerlich mit der Aquariumswand.
     
  • 3. Haie beweisen immer wieder ihre Fähigkeit, unsichtbare, im Sand verborgene Beutefische aufzuspüren. Dabei schwimmen sie mehrmals über die selbe Bodenstelle, um das Beutetier zu orten. Versuche mit im Sand vergrabenen Batterien haben gezeigt, daß die erzeugten elektrischen Felder der Beutefische für diese Fähigkeit verantwortlich sind.
Die hier dargestellten Vorgänge

gelten für die Lorenzini-Ampullen eines Welses. Die im Experiment in Form von Spannungssprüngen erzeugten Reize werden innerhalb der Ampullen abgerundet, d.h. die Ampulle dient als Tiefpaßfilter, der die abrupte Spannungsänderung abschwächt, die gleichbleibende Spannung aber durchlässt. Der so modulierte Reiz erzeugt in der Haarzelle ein Rezeptorpotential, welches die Transmitterausschüttung in den Synapsen an den Nervenendigungen verändert und so für eine Fortleitung des Reizes sorgt. Auffallend ist die starke Ruheaktivität, die eine gleichermaßen exakte Codierung von hemmenden wie erregenden Veränderungen gestattet.


Das eigentliche Seitenlinienorgan ...

besteht meistens aus einer Rinne, die im typischen Fall auf beiden Seiten etwa in Rumpfmitte vom Hinterrand des Kiemendeckels bis zum Schwanzstiel verläuft und bei manchen Familien auch auf die Schwanzflosse übergeht. Man erkennt die Seitenlinie an den durchlöcherten Schuppen. Manche Fischarten verfügen über mehrere, unterschiedlich verteilte Seitenlinien. Die Seitenlinie des Rumpfes teilt sich am Kopf normalerweise in 3 Kopfkanäle, von denen der Ramus supraorbitalis über dem Auge verläuft, während der Ramus suborbitalis und der Ramus mandibularis unterhalb des Auges verlaufen.

Die Sinnesorgane ...

dieses Systems sind Neuromasten, die sich phylogenetisch vielleicht von allgemeinen Mechanorezeptoren der Haut ableiten. Alle Neuromasten bestehen aus sekundären Sinneszellen, die von markhaltigen Nervenfasern versorgt werden. Sie sind zusammengesetzt aus mehreren Haarzellen von zylindrischer Form, die jeweils ein einzelnes langes Kinocilium sowie bis zu 30 Stereocilien (Mikrovilli) besitzen. Diese Cilien werden von einer sehr zarten, gallertartigen, finger- oder becherförmigen Gallerte umhüllt (Cupula), ragen ins freie Wasser oder sind in einem Epidermiskanal eingeschlossen. Das jeweilige Kinocilium ist bei den Fischen asymmetrisch angeordnet , d.h. jeweils auf einer Seite der Mikrovilli. Die Neuromasten stehen im Dienst der Strömungsrezeption und der Lokalisation sich bewegender Objekte.

Neben den freien Neuromasten ...

die an der Oberfläche stehen und an bei Tiefseefischen sogar auf Papillen exponiert sein können, gibt es die Kanalneuromasten, die sich in einer meist geschlossenen Rinne befinden. Diese Rinne kann bis in die Unterhaut versenkt sein und steht durch Poren mit der Oberfläche in Kontakt. Die Kanäle sind mit Schleim gefüllt und können mit einem U-Bahn-System verglichen werden. Durch die starke Ruheaktivität reagieren die Kanalneuromasten bidirektional, d.h. derselbe Neuromast entlädt, wenn der Schwanz in die eine Richtung schlägt, und schweigt, wenn er in die andere gebogen wird, entsprechend dem Hin- und Herfließen der Kanalflüssigkeit.
 


Dabei erfolgen die Entladungen ...

in Bursts synchron zu den Schwimmbewegungen, zu deren Koordination sie vielleicht beitragen. Die in einer Gruppe vereinigten Sinneszellen haben nicht die gleiche Richtungsempfindlichkeit. Die Erregungen beider Rezeptortypen werden getrennt über Nervenfasern fortgeleitet. Im Gegensatz zu den Lorenzini-Ampullen werden die Neuromasten nicht nur afferent versorgt, sondern auch efferent. Die Reizung der efferenten Neurone, die nicht spontan tätig sind, hemmt beim Katzenhai die Spontanaktivität der afferenten Fasern, was vermutlich eine Überreizung bei schnellem Schwimmen verhindern soll.

Das Lateralis- oder Seitenlinienorgan ...

findet man bei allen primär wasserlebenden Wirbeltieren, von primitiven Cyclostomen wie dem Neunauge bis zu den Amphibien. Am Anfang stehen freie Sinnesknospen, die in schlitzförmige Spalten versenkt werden können und bei den Haien Spaltpapillen bilden. Es folgen Sinneshügel in offenen Epidermisrinnen. Das nächste Stadium stellen schleimgefüllte Kanäle dar, die sich durch Poren oder Röhren nach außen öffnen. Zuerst liegen sie subepithal, später tief ins Corium versenkt. Enge Kanäle finden sich vorallem bei Fischen, die in schnellen Gewässern leben, weite Kanäle hingegen bei Fischen, die in ruhigen und/oder tiefen Gewässern leben. Ursprünglich war es vermutlich ein System, das die ganze Oberfläche durchzog, bis es sich später auf meistens 1 Seitenlinie konzentrierte. Das Labyrinth kann als Endstadium der Evolution versenkter Neuromastenorgane des Seitenliniensystems angesehen werden. Ontogenetisch gesehen geht das Labyrinth mit der Seitenlinie aus einer gemeinsamen Plakode hervor. Das innere Ohr entwickelt sich in genau derselben Weise wie ein einzelnes Sinnesorgan in der Seitenlinie. Aber es sinkt tiefer in den Körper ein und ist besonders vergrößert und verändert worden, um feinere Schwingungen empfangen zu können als die Sinneshügel.

Fehlfärbungen oder Farbvariationen ...

Vielen ist der Begriff Goldwaller, Mandarin, Albino, usw. mit Sicherheit bekannt, aber woher stammen eigentlich diese Farbveränderungen bei Fischen. Hierbei gibt es verschiedene Erscheinungsformen die man in folgende Kategorien unterteilt:
 


Xanthismus:

Xanthismus beschreibt Tiere, die wegen Melaninmangels eine gelbe oder rote Farbe haben. Es handelt sich also um eine Form des Albinismus, bei dem die durch die in Xantophoren vorhandene durch Carotine und Pteridine hervorgerufene gelbe oder rote Farbe unbeeinflusst bleibt, während die durch Melanophoren verursachte schwarze oder braune Farbe der Melanine fehlt. Wobei Gelbfärbung als dehnbarer Begriff aufgefasst werden muß und dabei von weißlich und rosa bis hin zu orange wechseln kann. Da bei Säugetieren Carotine und Pteridine keine Rolle bei der Entstehung der Farben spielen, ist Xanthismus in diesem Sinne bei ihnen nicht möglich. Nur Fische, Amphibien, Reptilien und Vögel können Xanthismus entwickeln.

Teil-Xanthismus:

Hier sind einige Partien des Körpers gelblich gefärbt, andere Partien weisen dagegen Flecken in der eigentlichen und ursprünglichen Färbung auf.

Albinismus:

Albinismus (von lateinisch albus „weiß“, ist eine Sammelbezeichnung für angeborene Störungen in der Biosynthese der Melanine (das sind Pigmente oder Farbstoffe) und der daraus resultierenden helleren Haut-, Haar- und Augenfarbe. Betroffene Tiere nennt man Albinos. Außerdem sind ihre Sehschärfe und ihr räumliches Sehen stark eingeschränkt. Typisches Merkmal sind ihre weiße Haut und die roten Augen, da auch ihnen die Melanine fehlen.

Bei Säugetieren entspricht die Farbstoffsynthese weitgehend der des Menschen, so dass Albinismus mit aufgehellter Augen-, Haut-, und Fellfarbe dort aus denselben Gründen auftritt. Bei anderen Tiergruppen gibt es neben den Melaninen noch andere Farbstoffe und die Verwendung des Begriffes Albinismus ist dort uneinheitlich. Bei Vögeln entstehen blaue und grüne Farben, sowie schillernde Farbspiele durch Federstrukturen in Verbindung mit Melanin. Gelbe, orange und rote Farben gehen meist auf Carotine zurück. Bei Reptilien, Amphibien und Fischen entstehen grüne und blaue Farben, ein silbriger Schimmer oder metallischer Glanz durch Purine, die Licht reflektieren. Gelbe, orange und rote Farben gehen auf Carotine und Pteridine zurück. All diese Farbstoffe können durch Mutationen ausfallen.

Melanismus:

Unter Melanismus (griechisch „Schwarzfärbung“, von melos „schwarz“) versteht man im Tierreich eine übermäßige Pigmentierung bzw. die zum Teil massenhafte Ablagerung von Melaninen. Ein melanistisches Tier (auch Schwärzling genannt) ist im Gegensatz zur üblichen Farbgebung seiner Art komplett schwarz gefärbt. Man unterscheidet dabei.

  • Abundismus: hier tauchen neue dunkle Zeichnungselemente auf.
     
  • Nigrismus: hier werden nur vorhandene dunkle Zeichnungselemente größer.
     
  • Skotasmus: hier besteht völlige Verdunkelung.


Vieles am Waller ist unbekannt ...

denn Verhaltensforscher, Fotografen und Biologen haben es schwer, dem gewaltigen Fleischberg bei seinen Wanderungen durch die Unterwasserwelt auf der Spur zu bleiben. Seine Lebensweise ist so düster wie seine Umgebung. Dunkelheit und Schlamm, trübes Wasser und versunkene Bäume, mörderische Kälte und gefährliche Tiefen – die Welt des Wallers ist geheimnisvoll und rätselhaft. Sagenumwoben haust er zwischen Wurzelwerk, in Höhlen und im Schilf. Der Mythos, der diesen Fisch umgibt, lässt Geschichten, Märchen und Legenden ranken. Oftmals vermischen sich Dichtung und Wahrheit zu einem dichten Netz, in dessen Maschen sich die Fabeln wie Schwarmfische verfangen.

Vor einigen Jahren machte ein riesiger Waller aus dem Bodensee in vielen süddeutschen Zeitungen Schlagzeilen. Erstmals gelangten authentische UW-Aufnahmen des mächtigsten und größten Süßwasser-Raubfisches Europas an die Öffentlichkeit. Und allen Experten war wieder einmal bewusst, wie wenig man bisher über dieses unheimliche Lebewesen in Erfahrung gebracht hatte. Denn wo der Waller wohnt, können ihm die Menschen nicht folgen.

Monster und Fabelwesen ...

Sogenannte Monsterwelse tauchen in schöner Regelmäßigkeit alle Jahre in der Presse auf. Was an diesen Geschichten Wahrheit oder Dichtung ist, lässt sich nur schwer feststellen. Als Ungeheurer vom Zwischenahner Meer, einem 565 Hektar großen deutschen Binnensee nahe der niedersächsischen Stadt Oldenburg, sorgte im Frühjahr 1979 ein angeblich 3,5 Meter langer und über 200 Kg schwerer Riesenwels für Schlagzeilen. Er fraß laut Angaben der örtlichen Sportfischer den halben Fischbestand und dezimierte das Vorkommen der Wasservögel. Ein Pudel und ein Dackel verschwanden auf Nimmerwiedersehen. Eltern verboten ihren Sprößlingen das Baden. Der dortige Angelverein setzte eine Fangprämie von 3000 Euro aus und blies zur Hatz auf den Leviathan, Taucher stiegen mit Harpunen und Kameras ins Wasser, Sensationsreporter aus Presse, Funk und Fernsehen nisteten sich in den umliegenden Gasthäusern ein. Zwei Gendarmen der örtlichen Wasserschutzpolizei, die den Monsterfisch beim Rauben an der Wasseroberfläche beobachteten, protokollierten im Logbuch, daß der Fischgigant nur unwesentlich kürzer als ihr 5 m langes Dienstboot gewesen sei. Moby Dick, wie Touristen und Fischer das Monster tauften, wurde allerdings nie gefangen und später auch nie mehr gesichtet. Für einen Sommer lang wurde so das Zwischenahner Meer zum deutschen Loch Ness. Jahre später präsentierte der Hobbytaucher Hubertus Peus aus Papenburg ein UW-Foto, auf dem ein Wels zu sehen war, der den beschriebenen Riesenfisch darstellen sollte. Gemacht wurde das Bild unter dem Bootssteg eines Hotels. Bernd Ergert, der damalige Direktor des Deutschen Jagd- und Fischereimuseums taxierte das Gewicht des Wallers auf 150-200 Kg. Eine echte Sensation. Vielleicht gibt es ihn wirklich, den Big Boss vom Zwischenahner Meer.

Glück im Unglück hatte ein Berufstaucher in Ostdeutschland ...

der unter Wasser einen Brückenpfeiler auf seine Haltbarkeit untersuchen sollte und dabei einen Riesenwels bei der Siesta störte. Der kapitale Fisch, vermutlich über 2,5 m lang und geschätzte 150 Kg schwer, attackierte den Eindringling mit wilden Kopfstößen, so dass diesem mehrere Rippen gebrochen wurden und er letztendlich in der Strömung um sein Leben kämpfen musste. Selbst der Einsatz des Tauchermessers konnte den wild gewordenen Waller nicht bremsen. Letztendlich half nur noch die Flucht, wobei der Unhold den Taucher bis ans Ufer verfolgte. Kollegen zogen den Verletzten an Land, wo er im Krankenhaus versorgt werden musste. Silurus glanis hatte sein Revier erfolgreich verteidigt. Über die Kraft und die Ausdauer von Welsen wurde schon viel geschrieben, vielleicht auch etwas übertrieben.

Kein Märchen ist hingegen das Abenteuer zweier Bodenseefischer ...

die am Wochenende in einem Ruderboot zum Angeln fuhren. Kaum war die Rute mit einem Rotauge am Haken ausgelegt, bog sie sich fast kreisförmig in Richtung Wasser. Ein Wallergigant hatte angebissen. Doch die Freude über den unerwarteten Fang währte nicht lange. Aus den Jägern wurden alsbald Gejagte. Der Riesenfisch zog das Boot mit Macht über den See. Die Höllenfahrt wollte kein Ende nehmen, der Wels schien keine Müdigkeit zu verspüren. Mehr als 11 Stunden wähnten sich die Sportfischer zwischen Himmel und Hölle, waren mittlerweile so groggy, dass sie in ihrer Verzweiflung die Schnur kappen wollten. Zwischenzeitlich galten die beiden Angler auf dem Bodensee als verschollen, die Familien hatten in Sorge um das Leben der Männer die Wasserschutzpolizei alarmiert. Als man sie fand war das Ruderboot noch in voller Fahrt. Erst mit Unterstützung weiterer Helfer konnte der Gigant beigeholt werden. Er war nach verlässlichen Angaben größer als das Boot. Doch dann verfing sich die Schnur in einer Ruderhalterung, der Fisch bäumte sich mit Urgewalt auf, riß sich den Haken aus dem Maul und verschwand wie ein Dämon in der Tiefe. Zurück blieben zwei erschöpfte Sportfischer, mehrere ratlose Helfer und eine Menge Fragen. War das einer der letzten Riesen im Bodensee ???
 



Weitere interessante Informationen rund um den Waller ...

  • Weltweit gibt es mehr als 2200 verschiedene Arten, von denen alleine ca. 1200, in Südamerika leben. Der kleinste Verwandte ist gleichzeitig auch der teuflischste. Nur zwei Zentimeter misst der Urinalwaller, dessen eigenartiger Name mit seinem Verhalten zusammenhängt. Geht man in den südamerikanischen Flüssen des Minisatans baden, dringt dieser mit blitzartiger Geschwindigkeit in den After oder den Penis ein und verkeilt sich dort mit hochgestellten Rückenstacheln. Er muss dann operativ entfernt werden, ansonsten droht der Tod des Badenden unter bestialischen Schmerzen. Die Eingeborenen baden dort wohlwissend nur mit sehr enger und zugebundener Kleidung.
     
  • Konstanzer Biologen berichteten 2001 in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" über die Beutesuche des europäischen Flusswelses. Dieser ist offensichtlich in der Lage, einer bis zu zehn Sekunden alten Wirbelspur von Fischen zu folgen und diese aufzuspüren, ohne sie sehen zu können !!!
     
  • Unser heimischer Wels ist der größte und schwerste, bereits mit 100 g Körpergewicht räubert er, was das Zeug hält. Große Waller benutzen ihre Barteln als Lockmittel für Fische. Sie imitieren damit Würmer und holen sich das Fressen buchstäblich vors Maul.
     
  • Untersuchungen haben ergeben, dass warmes Wasser die Waller explosionsartig wachsen läßt. In der Nähe von Kraftwerken mit Warmwasserausfluss bestehen gute Chancen auf kapitale Exemplare zu treffen. Ein Anglermärchen spielte sich beim Kraftwerk Groß-Krotzenburg ab. Auf dem eingeholten Schmutzrechen lag ein Waller von 90 Kg Lebendgewicht. Er wurde wie schon andere hier gefangene Riesenfische in den auf dem Kraftwerksgelände liegenden und der Öffentlichkeit nicht zugänglichen "Eden Lake" eingesetzt.
     
  • In 5° C kaltem Wasser dauert es über 200 h bis der Wels eine ausgiebige Fischmahlzeit verdaut hat. Hat das Wasser hingegen 25° C benötigt der Verdauungsvorgang nur knapp 20 h. Wenn der Stoffwechsel auf vollen Touren läuft (20° C bis 28° C), lässt er sich am besten fangen. Dann auch in der Nacht und in größeren Tiefen. Fresspause ist in den Monaten Dezember und Januar. 90% aller gefangenen Waller hatten in dieser Zeit einen leeren Magen.
     
  • Wallermännchen bauen zur Fortpflanzung (normalerweise Juni-Juli, manchmal aber auch Mai-Juni) ein Nest. In dieser Zeit sollte man als verantwortlicher Naturfreund kein Wallerfischen durchführen. Große Wallerweibchen legen innerhalb von zwei Stunden über 1,2 Millionen Eier, die vom Männchen bis zum Schlüpfen der Brut bewacht werden. Taucher und UW-Fotografen sind gut beraten, während dieser Phase dem Milchner nicht zu nahe zu kommen. Die grantigen Gesellen greifen unvermittelt an. Rippen- und Armbrüche sind möglicherweise die Folge.
     
  • Sind Welse stumm? Mitnichten! Waller stridulieren, wie man die knarzenden und krächzenden Geräusche nennt, die der Fisch durch Reiben zweier Teile seines Skeletts (Knochenplättchen) oder der Flossenstrahlen erzeugt. Manche Waller sollen sehr geschwätzig sein. Ob sich Waller dadurch verständigen, ist ungeklärt. Aber irgendeinen Sinn muss es haben. Jedenfalls hören sie sehr gut. Über eine Knochenverbindung zum Kopf können sie sogar mit der Schwimmblase Töne aufnehmen.
     
  • Wallerexperten in Ungarn und Rußland locken neben aromatischen Ködern die Fische zusätzlich mit einem gebogenen Wallerholz, das von einem Boot aus rhythmisch auf die Wasseroberfläche geschlagen wird. Die Schallwellen ziehen hungrige Waller unwiderstehlich aus der Tiefe an die Oberfläche. Niemand weiß, warum Waller auf dieses Geräusch so bissig reagieren.
     
  • Haben Waller neben dem Menschen noch andere Feinde? In jungen Jahren sind es Zander und Hechte, hin und wieder eine Aalrutte, die sich schon mal an der Brut und dem halbstarken Nachwuchs vergehen. Der schlimmste Feind des Wallers ist aber mikroskopisch klein. Es sind Parasiten, die in Zuchtanlagen manchmal 80% des gesamten Wallerbestandes (Eier, Brutfische, Jungfische) vernichten.
     
  • Wirtschaftsfaktor: Auf Fischmärkten gehört der Wels zu den teuersten Speisefischen. Aus dem schmackhaften Fleisch zaubern Küchenkünstler wahre Gaumenfreuden. In der Hauptsache stammen die Angebote aus Zuchtteichen, wo er sich ökonomisch besser verwerten lässt als beim Fang mit Reusen, Schleppangeln oder Netzen. Viele der bei uns angebotenen Waller stammen aus Ungarn, wo sich große Zuchten etabliert haben. Wirtschaftlich bedeutend sind auch Angelreisen zu Welsgewässern. Bekannt sind in dieser Hinsicht der Ebro in Spanien, das Donaudelta, das Wolgadelta, der Putterersee in der Steiermark, die Donau mit ihren Nebenflüssen und alle bayerischen Seen. Hier wallert es gewaltig. Im Norden von Deutschland und im südlichen Schweden geht der Wels auch ins Brackwasser der Ostsee. Dort jagt er Dorsche, Köhler, Meerforellen, Steinbeißer und Krabben.
     
  • Aquarienhaltung: Weitgehend problemlos, denn der Wels verträgt auch warmes Wasser bis ca. 28 ° C. Auf Dauer sollten aber 24° nicht überschritten werden, weil sein Stoffwechsel sonst auf Hochtouren läuft. Waller bevorzugen Lebendfutter. Mit Trockenflocken kann man sie auf Dauer nicht durchbringen. Wenn das Becken (mindestens dreifache Körperlänge) zu klein wird, muss man Silurus glanis aussetzen, sonst artet die Gefangenschaft in Tierquälerei aus. Gemeinschaftshaltung mit anderen Fischen ist äußerst schwierig, weil er alles frisst, was kleiner ist als er selbst.
 
 

 

 

 
     
 

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