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Sommer, Sonne, Silurus glanis ...
Mit diesem Motto starteten Andy und ich, heiß wie
Pumapisse, ins Wochenende. Verabredet war ein gemeinsames
Fischen mit Bodo und Leon, die allerdings erst gegen Abend
am Wasser aufschlagen konnten. Also übernahmen Andy und
ich die Platzwahl, errichteten das Lager und bereiteten
alles vor.
Es wurde später und später, aber kein Lebenszeichen der
beiden Anderen. Je weiter sich die Sonne in Richtung
Horizont vorarbeitete, desto „hibbelicher“ wurden wir
beide und beschlossen deshalb unsere Ruten bereits
rauszubringen. |
| Nachdem die Fallen
gestellt waren, hieß es erst einmal zurücklehnen und
entspannen. Die Sonne verschwand langsam hinter den
Baumkronen und die Schatten wurden immer länger. Die
Aktivität auf dem Wasser nahm stetig zu, die Mücken
begannen über uns herzufallen und es lag eine gewisse
Anspannung in der Luft, was würde dieser Abend bringen?
Genau in diese Phase platzte dann die unverwechselbare
Stimme von Serj Tankian, der wie wild aus den
Lautsprechern meines Handys schrie und mir mittels „Chop
Suey“ mitteilte, dass Bodo und Leon wohl doch noch den Weg
zum Wasser gefunden hatten. Da wir für dieses Wochenende
nur ein Boot zur Verfügung hatten, hieß es nun zurück zum
Auto, Tackle laden und schnellstmöglich wieder zurück.
Ich hätte mir in den Arsch
beißen können jetzt von hier weg zu müssen ...
vertraute Andy da aber voll und ganz, er würde das
schon machen! Mit einem unbeschreiblichen und sehr
seltsamen Gefühl ließ ich die Ruten und meinen Freund
allein, um eine gute halbe Stunde später mit vollbepackten
Boot und den beiden Nachkömmlingen zurückzukehren. Leider
waren die Montagen noch alle an Ort und Stelle und Andy
konnte nur von einigen hektischen Aktionen der Köderfische
berichten.
Wir begannen also damit das Schlauchi auszuladen, als
völlig unangekündigt eine meiner Ruten wegklatschte. Leon
setzte einen beherzten Anhieb, während ich versuchte den
Tackleberg des halb ausgeräumten Bootes zu überwinden.
Geistesgegenwärtig brachte er mir den unter Spannung
stehenden Stecken ans Boot, sodass ich die Verfolgung
aufnehmen konnte. Der Fisch bot mir einen schönen Kampf
mit zahlreichen Fluchten unters Boot, doch am Ende musste
er sich geschlagen geben. Der erste Fisch der Tour lag im
Boot, geil!
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Das „Stillhalten“ vor der
Kamera absolvierte der Gute bravourös ...
und so konnten wir ihn rasch wieder in
seine gewohnte Umgebung entlassen, um im Anschluss das
restliche Zeugs aus dem Boot zu laden und die Köder von
Bodo und Leon in Position zu bringen. Danach gönnten wir
unseren Mägen eine Dose Sättigungsmittel von „Erasco“ und
obendrauf einen wohltemperierten Gerstensaft als
Tagesabschluss. Bodo bekam von Petrus noch einen ganz
besonderen Nachtisch serviert und so konnte auch er noch
einmal seine Drillkünste unter Beweis stellen.
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Lange genossen wir diese
windstille Sommernacht fernab allen Trubels ...
Die entspannte Atmosphäre wurde mit dem lautstarken
Gezirpe der Heuschrecken unterlegt, die scheinbar
versuchten das Gequake der Frösche zu übertrumpfen. Ab und
an brachten die Karauschen die Glocken leicht zum
Vibrieren und unterbrachen so die hypnotische Wirkung der
mit Knicklichtern versehenen Rutenspitzen. Niemand redete
etwas, denn jeder konnte es spüren, dieses ungreifbare,
undefinierbare Gefühl und wollte soviel es ging davon
aufsaugen. Nach und nach schaltete so jeder auf „Standbymodus“
und versank im Land der Träume.
Plötzlich donnerte eine der Glocken los als gäb‘ s kein
Morgen mehr! Die Silhouette von Bodos Rute verneigte sich
ehrfürchtig vor dem, was da am anderen Ende der Schnur
kämpfte. „Bodo, Feuer!!!“, glitt es mir im Halbschlaf über
die Lippen und mit genau diesem Feuer versenkte Bodo den
Haken im Maul seines Gegenübers. Schlaftrunken machte ich
das Boot bereit und sah dabei in meinem Augenwinkel , dass
Bodo die ersten kraftvollen Fluchten des Fisches nur mit
vollem Körpereinsatz abfangen konnte.
Sekunden später befanden
wir uns auf dem Wasser ...
und folgten dem unaufhörlich stromab ziehenden Waller.
Nach 200-300 Metern schafften wir es dann uns über den
Fisch zu ziehen. Dieser tobte wutentbrannt unter dem Boot
und lies die Rolle einige Male gequält aufheulen. Die
Minuten verstrichen und der Fisch war nicht
kleinzubekommen. Passend zu den beängstigenden Tönen der
Rolle begann es nun auch noch wie aus Kübeln zu schütten.
Die eiskalten Regentropfen, die uns dabei ins Genick
fielen und das Adrenalin in unseren Adern schafften einen
perfekten „Gänsehautrahmen“ für die Endphase dieses
Hammerdrills.
Endlich machte sich Bodos Einsatz bemerkbar und der
Fisch zeigte sich das erste Mal an der vom Regen
aufgepeitschten Oberfläche im Schein unserer Kopflampen.
Ein richtig guter Fisch mit urigem Kopf schob sich langsam
in unsere Richtung. Ohja da war sie endlich, die
Gänsehaut, die die ganze Zeit in der Luft lag…jetzt hieß
es Nerven behalten! Den Klaps auf den Kopf beantwortete
der Silure mit einer letzten entkräfteten Flucht und ergab
sich dann in schein Schicksal. Ich umfasste den Kiefer des
Fisches und wuchtete ihn ins Boot. „YYYYYIIIIIIIIIIIIIIAAAAAAAAAAA!!“,
schrien wir unsere Freude in die dunkle Nacht. Wir
umarmten einander, klatschten uns ab und wussten gar nicht
wohin mit unserem Glück. Vor uns lag ein richtig guter
Fisch, mit geilem Schädel und einer richtig fetten Wampe!
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Das Maßband brachte dann die Gewissheit ...
Der Fisch kratzte die 2 Meter Marke,
und war somit neuer persönlicher Gewässerrekord für uns!
Was für ein Erfolg!!! Erneut beglückwünschten wir uns und
machten uns auf den Weg zurück zum Angelplatz, wo Andy und
Leon bereits gespannt warteten. Die Schreie aus der
Dunkelheit ließen sie bisher nur erahnen, was sie jetzt zu
Gesicht bekamen. Sie bestaunten den Fisch , mit weit
aufgerissenen Augen, da sie bis zu diesem Tag nur Welse
unter einem Meter Länge live gesehen hatten und nun lag
dieses Kraftpaket vor ihnen. Ob sie mir beim Versorgen des
Fisches helfen wollten, brauchte ich da gar nicht mehr
fragen.
Das fällige Wallerbier
schmeckte doppelt so gut als sonst ...
und nachdem die Montage erneut gezogen war, fielen wir
„hundskaputt“ auf unsere Liegen. Am nächsten Morgen wurden
nach einem ordentlichen Frühstück erstmal Fotos
geschossen, Köderfische gefeedert und der Plan für die
kommende Nacht besprochen.
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Auffällig war, dass in der
vergangenen Nacht alle Fische ...
auf Köder gefangen wurden, die im
Flachwasser abgelegt waren. Dort schienen sich die Welse
an den zahlreichen Weißfische zu laben, die Schutz
zwischen Krautfahnen und –feldern suchten. Wir beschlossen
also den Platz zu wechseln, um die angrenzende
Flachwasserzone besser befischen zu können. Bis zum Abend
hatten wir unser Camp neu errichtet und unsere Haken,
bestückt mit frischen Köderfischen, zwischen den
Krautfeldern versenkt, sodass wir mit einem guten Gefühl
der Dämmerung entgegenblickten.
Was mir dabei auffiel, war die Unruhe bei Leon und
Andy, denen man die Hummeln im Arsch Kilometer gegen den
Wind anmerkte. Ich gönnte den Beiden ihren Fisch wirklich
von Herzen und hatte ihre Steine deshalb exakt auf der
Kante vom flachen zum tiefen Wasser abgelegt. Serviert
wurde eine XL-Brasse und ein schöner Döbel und das direkt
an der „Schwelle zum Glück“ da musste doch was gehen!?
„PENG!!!“, riss es Leons Rute mit voller Kraft nach
vorne und mich aus meinen Gedanken. Leon stellte sich mit
allem was er hatte dagegen, was bei 1,64m Körpergröße und
54kg Kampfgewicht allerdings nicht allzuviel ist. Sofort
ging‘ s wieder in die Nussschale , damit der Fisch die
Schnur nicht an der Kante hätte aufscheuern können. Der
Tanz begann.
„Soll ich die Bremse
aufmachen?“, keuchte der „Kurze“ ...
als wir uns dem wild kämpfenden Fisch langsam näherten
mit aufgeregter Stimme. Ich lächelte ihm ein verschmitztes
„Das siehst du dann…“ entgegen. Seine verwirrte Gegenfrage
„Wie, das siehst du ja dann!?!?!“ beantwortete diesmal der
Waller, der mit einer Vollgasflucht einige Meter Schnur
von der geschlossenen Okuma knirschte und meinen Freund
fast aus dem Boot riss. Im letzten Moment bekam ich diesen
noch am Gürtel zu greifen und verhinderte so den
unausweichlichen Auerbach. Ein schadenfrohes Lachen konnte
ich mir aber dennoch nicht verkneifen, hatten wir ihn doch
erst beim Frühstück vor seinen Nutella-Broten gewarnt und
auf Schinken und Käse verwiesen. So konnte er den Fisch ja
nicht packen!
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Aber wer nicht hören will,
muss fühlen ...
Diese Meinung schien der Wels wohl mit mir zu teilen
und schlug ständig mit allem was er hatte in die Schnur,
zog einige Meter Schnur und schoss im flachen, schnellen
Wasser hin und her. Mit einer weiteren entschlossenen
Flucht schaffte er es dann sich in einer der Krautbänke
festzusetzen. Über die Rute war da nichts mehr zu holen,
also war Handarbeit gefragt. Dabei versuchte ich den Fisch
an der Schnur aus dem Salat zu befreien. Ich glitt also
mit beiden Armen, bis knapp vor die Schultern in der
Gemüsebrühe steckend, an der Schnur nach unten. Ich weiß
nicht wer von uns beiden mehr erschrocken ist in dem
Moment als ich die U-Pose zu greifen bekam, jedenfalls
explodierte in diesem Moment das Kraut unter mir und der
Fisch schoss zurück ins Freiwasser.
Doch scheinbar war dieses Festsetzen eine letzte
Verzweiflungstat, denn so langsam schienen die Kräfte bei
unserem schleimigen Freund zu schwinden. Dies schien auch
Leon zu merken, verschnaufte deshalb kurz und setzte dann
zur letzten Attacke an. Der Waller war nun kurz unter der
Oberfläche und als er schließlich auftauchte, wurde bei
Leon selbst die letzte Körperzelle mit Adrenalin
vollgepumpt, denn es war klar dass dieser Fisch seine
bisherige Bestmarke von 74cm um Längen überschritten
hatte. Wir buchsierten den Genossen über die Bordwand,
umarmten uns und bejubelten diesen hart umkämpften Fang!
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Beim Lösen der Haken wurde
dann auch klar ...
woher der Waller diese enorme
Kampfkraft nahm. Scheinbar waren die beiden Haken nach dem
Anhieb ausgeschlitzt und hatten in der Flanke des
Bartelträgers gegriffen. Diese Tatsache brachte dem Kampf
eine ganz andere Würze und meinem Freund seinen bisherigen
„Drill des Lebens“, wie er es überglücklich immer wieder
wiederholte.
Auch Andy und Bodo beglückwünschten ihn herzlich zu
seiner Leistung, wenn auch der ein oder andere Spruch über
seine akrobatischen Einlagen mit dabei war. Das
obligatorische Wallerbier wurde natürlich mit Genuss
inhaliert, um uns danach wieder unter unsere Decken zu
verkriechen.
Jetzt fehlte bloß noch der
Fisch für Andy, um das ganze perfekt zu machen ...
„Es gibt Nächte da geht nichts, was man auch versucht
und es gibt Nächte da läuft alles, als wäre es
vorprogrammiert“. So oder so ähnlich waren wohl meine
Gedanken, als ich keine zwei Stunden später Andy sah, wir
er seine Rute aus dem Halter zerrte und dem Döbel-Killer
die Stirn bot. Nach kurzem aber heftigen Schlagabtausch
rutschte ein wohlgenährter und wunderschön schwarz
gefärbter Fisch auf die Matte und machte die Geschichte
perfekt. Jetzt hatte auch Andy seinen Waller in den Armen
und strahlte mit seinem Headlight um wie Wette.
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Ich hätte nie gedacht, dass es
einen Zeitpunkt gäbe ...
an dem ich auf ein Wallerbier
verzichten würde, doch diesmal blieb der Stoff bei allem
Wohlwollen in der Flasche. Auch meine Akkus gingen langsam
gegen Null und so gab es nur noch ein Ziel und das hieß
„Liege“. Pünktlich zum Morgengrauen klingelte der
Wachdienst und zog die Spitze meiner New Age langsam gen
Wasseroberfläche. Als auch dieser Fisch seinen
unfreiwilligen Landgang beendet hatte und wieder zwischen
die Krautfahnen verschwand, versuchte ich wenigstens noch
ne Stunde Schlaf zu bekommen.
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Doch irgendwie fand ich die
Tür zum Traumland nicht mehr ...
und so hatte ich Zeit noch einmal über
die Geschehnisse der beiden Nächte nachzudenken: Es war
wirklich alles gelaufen als hätte es ein Drehbuch dafür
gegeben. Die Fische saugten die Köder genauso ein wie sie
„sollten“ und jedem war es vergönnt einen der Silure zu
bändigen.
Alles funktionierte, egal was wir versuchten. Dazu
diese Rahmenbedingungen, die uns die Natur während dieser
ganzen Erlebnisse zur Schau stellte. Solche Momente, in
denen wirklich alles stimmt, findet man wirklich nur sehr
selten und wenn, dann werden sie meist zu unvergesslichen
Ereignissen, an die man sich noch lange und gerne
zurückerinnert. Während ich so in Gedanken schweife
bemerke ich, wie sich die ersten Sonnenstrahlen ihren Weg
durchs Dickicht bahnen.
Die Heuschrecken stellen ihr Lied ein, die Knicklichter
verschmelzen langsam mit dem Hintergrund und verlieren
ihre magische Anziehungskraft. Die Vögel übernehmen nach
und nach den Part der Heuschrecken, läuten einen neuen Tag
ein und beenden somit die Magie, die Magie der magischen
Sommernächte ...
Gruß
Hannes
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