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von Marcel Schlösser

 
 
An jenem verdammten Sonntag ...
 

planten wir den Wallern mit der Spinnrute an einem in unserer Nähe fließenden Fluss, vom Boot aus nachzustellen. Da ich ja zuvor meine neue Welsspinnrute von Kai bekommen habe, eine XZOGA Takadum Si 5814, musste diese natürlich auch direkt mit eingepackt werden. Als ich die Rute das erste mal sah, dachte ich wie soll ich mit einer solchen Spinnrute, mit so einem dünnen aber dennoch dickwandigem Blank einen Waller von 1,70m geschweige denn Exemplare von 2,00m und mehr bezwingen ?

Ich wusste im ersten Moment gar nicht was ich denken sollte. Jedoch beim genaueren hinsehen, fielen mir natürlich schon der Fuji Rollenhalter und die Fuji Beringung auf. Ebenfalls war ich überrascht, als ich das eigentliche Einsatzgebiet der Rute genannt bekam. Ich wollte sie an diesem Tag natürlich direkt ausprobieren, denn schließlich muss ja auch ein spannender Drill dabei heraus springen. Will ja schließlich keiner mit einer Rute angeln die hart ist wie ein Besenstiel oder weich wie Gummi.

Also die Xzogarute geschnappt, die Tacklebox mit Blinker, Gummis, Wobbler etc. alles aufs Boot und ab ans Wasser und schauen was das gute Stück auf dem Kasten hat. Jedoch musste ich mich morgens schon motivieren, um aus dem Bett zu kommen, weil mich eine leichte Grippe quälte. Der Tag fing eigentlich schon beschissen an. Bei der Abfahrt zog dann auch noch ein Gewitter auf und es goss in Strömen, was uns aber auch nicht weiter störte, weil wir ja trocken im Auto saßen. Dort angekommen machten wir das Boot slippfertig. Was uns durch den Kopf ging, war eigentlich nur. "Hoffentlich sind die Waller nicht in der Laiche, wie es bei uns am Hausgewässer schon seit drei Wochen der Fall war ".

 

Nach dem wir dann geslippt hatten, klarte das Wetter auf ...

 

Es wurde richtig warm, was uns dann auch teilweise zu schaffen machte. Sonnenmilch? brauchen wir nicht es ist eh trübes Wetter ! Die Folge war natürlich ein klassischer Fall von Sonnenbrand. Früher wurde mir mal gesagt im Juni, bzw. Juli brauchst du nicht auf Waller fischen, da fängst du eh keinen. Ich muss sagen, das diese Zeit für mich hier in unserer Umgebung, aber mittlerweile eine große Rolle spielt. Gerade um diese Zeit habe ich in unseren Breitengraden schon einige Waller Tags oder auch Nachts mit der Spinnrute gefangen bzw. geklopft. Doch an diesem Tag wollte einfach nichts klappen, waren die Waller doch schon in der Laiche?

Wir fuhren mit dem Boot einige Punkte an die ich kannte, wo ich schon zuvor einige gute Waller gefangen habe. Jedoch wollte bis dato an diesem verdammten Sonntag einfach kein Waller beißen. Wir probierten es mit Klopfen, Vertikal- und auch Spinnfischen doch nichts hatte Lust, noch nicht mal ein Hecht! Beim Klopfen stiegen zwar einige Waller an, aber so schnell wie sie auf tauchten, so schnell tauchten sie auch wieder ab. Aber wir wollten natürlich noch um jeden Preis einen Waller erwischen, und deswegen arbeiteten wir weiter, um dem Fluss dennoch vielleicht einen kleinen Waller zu entlocken.
 


Mittlerweile hatten wir schon 15 Uhr ...
 

und uns überkam ein leichtes Hungergefühl, denn schließlich waren wir ja auch schon seit 6 Uhr auf den Beinen. Also mussten wir erst einmal eine Essenspause einlegen. Während wir einen geeigneten Platz suchten um ein wenig zu entspannen bzw. zu essen, schleppten wir die Wobbler hinterm Boot her. Plötzlich gab es einen knallharten Ruck, und mein Schwager rief Biss, Biss ich habe Biss. Die Pause war vergessen. Sofort ging ich natürlich vom Gas und drehte das Boot bei, worauf dann ein spannender Drill mit klassischen Fluchten begann.

Der Fisch machte an der Spinnrute natürlich viel Druck, und die Multi meines Schwagers musste fürs erste auch viel Schnur lassen, die er sich aber regelrecht zurück erkämpfte. Der Fisch blieb lange Zeit unten was allerdings auf einen Waller, oder einen großen Hecht schließen lassen könnte. Doch plötzlich tat sich bei mir und Jens ein Grinsen auf, denn die harten Kopfstöße die der Fisch der Spinnrute versetzte, ließen auf einen Waller schließen.

Als der Fisch dann endlich hoch kam, unter der Wasseroberfläche kreiste und sie letztendlich durchbrach ging ein Freudengeschrei durchs Boot. Es war ein Waller, wenn auch nur einer von 1,13m aber es war ein Waller. Nachdem ich den Waller sicher landete und wir den Fisch zum Fototermin baten, setzten wir den Waller wohlbehütet in sein nasses Element zurück. Dann fuhren wir zur Slippanlage wo wir dann das Boot slippten und uns auf dem Heimweg machten.
 


Als ich zuhause ankam ...
 

und nach dem Duschen etwas zur Ruhe kommen wollte, ereilte mich noch ein Anruf von meinem Kumpel Rolf. Er berichtete mir vom tragischen Tod unseres Angelfreundes Benjamin.

Da war dieser verdammte Sonntag für mich natürlich gelaufen. Dies ließ mich dann auch die ganzen Strapazen des Tages vergessen, und ich war mit den Gedanken nur noch bei ihm ...
 

 

 

Euer

Marcel Schlösser

 

 

 

 
     
 

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