| 9° Grad
Celsius Ist es
kalt, haben sich die Waller in die tiefsten Löcher des
Gewässers zurückgezogen. Ein Befischen ist jetzt
schwierig. Wer jedoch genau die Wassertemperatur verfolgt,
wird auch im Winter seine Chancen bekommen. Wenn zum
Beispiel nach einer Kälteperiode Ende Januar die
Wassertemperatur auf etwa vier bis fünf Grad gesunken ist,
jedoch kurzfristig bis auf sieben oder acht Grad durch
eine Warmfront ansteigt, kann man in den tiefen Löchern in
Grundnähe mit Bissen rechnen. So erbeutete ich unter
solchen Verhältnissen im Neckar fünf Waller in nur einer
Woche!
9 bis 12 Grad Celsius
Jetzt kommen die Riesen langsam in Fahrt. Sie füllen
sich das erste Mal nach einer längeren Fresspause den
Bauch, um die im Winter aufgezehrten Fettreserven wieder
aufzubauen. Da sich das Wasser im flachen Uferbereich
schneller erwärmt, zieht es sie ins Seichte, möglichst in
die Nähe der tiefen Winterlöcher. Sie bevorzugen kleinere
Köder wie Tauwürmer, da der Verdauungsapparat nach der
entbehrungsreichen Fastenzeit im Winter nur auf Sparflamme
funktioniert.
12° bis 15° Grad Celsius
Im April oder Mai befinden sich die Bartelträger in
hiesigen Gewässern im Laichaufbau. Die Verdauung
funktioniert jetzt wieder in vollem Umfang. Die Welse
nehmen nun größere Köder. Sie folgen den Futterfischen in
die flacheren, sauerstoffreichen Flussabschnitte. Jetzt
schlägt die Stunde der Großfischangler. Die Giganten
müssen in relativ kurzer Zeit eine große Menge Futter zu
sich nehmen, um etwa 20 Prozent ihres Körpergewichtes an
Laich aufzubauen. Kein Wunder, dass die Kapitalen dann
weniger misstrauisch sind und leichter an den Haken gehen.
Einfaches Stellfischen vom verankerten Boot oder
Driftfischen, falls erlaubt, sind im Fließgewässer jetzt
der Renner. Hierbei benutze ich am liebsten größere
Köderfische, aber auch mal ein Wurmbündel. Im See ist die
Bojenmontage jetzt top. Alternativ setze ich - oft sogar
am Tag - am Neckar erfolgreich die Spinnrute ein. 15 bis
23 Zentimeter lange Gummifische und schwere Löffelblinker
sowie größere Wobbler sind Trumpf. Extra-Tipp: Diese
Fressphase setzt in südlichen Gefilden deutlich früher ein
als bei uns. Daher bestehen während eines Angeltrips an
den Ebro oder Po zwischen Februar und April bereits
ausgezeichnete Chancen auf Hundertpfünder. Vorausgesetzt
allerdings, dass kühles Schmelzwasser keinen Strich durch
die Rechnung macht.
16° bis 19° Grad Celsius
Bei diesen Graden sind auch die kleineren Waller schon
sehr aktiv, und man kann mit vielen Bissen rechnen. Die
Gefahr eines Temperatursturzes durch einen Kälteeinbruch
ist jetzt nicht mehr so groß. Die Angelmethoden sind die
gleichen wie bei einer Wassertemperatur von zwölf bis 15
Grad. In Südeuropa jedoch kann eine besonders starke und
schnelle Erwärmung auf ungefähr 18 oder 19 Grad dazu
führen, dass die Waller sich bereits auf ihre Hochzeit
vorbereiten und dann das Fressen deutlich reduzieren.
19° bis 22° Grad Celsius
Die Laichzeit steht nun kurz bevor. Futter wird nur
noch in geringem Maße zur Vollendung des Laichaufbaus
gefressen. Dementsprechend mäßig sind nun die
Fangaussichten. Spätestens jetzt haben die Waller
ganztägig die Bereiche um ihre tiefen Winterruhelöcher
verlassen. Sie rotten sich in größeren Gruppen in der Nähe
der Laichplätze zusammen. Diese liegen in Ufernähe unter
überhängenden Büschen und Wurzeln oder in Schilfzonen.
Fehlen solche, wird alternativ eine Laichkuhle im kiesigen
Untergrund hergerichtet. Kunstköder werden nur noch in
direkter Nähe des Laichnestes attackiert.
23° bis 24° Grad Celsius
Der Waller bereitet sich auf das unmittelbar
bevorstehende Laichgeschäft vor. Die männlichen Tiere
werben nun um die Weibchen. Bei 23 Grad Celsius beginnt
schließlich die Eiablage, oftmals in einer Vollmondnacht.
Jegliche Aggressivität des Wallers ist jetzt verschwunden,
und die Nahrungsaufnahme wird komplett eingestellt. Die
Hochzeit findet bei uns im allgemeinen zwischen Mitte Juni
bis Mitte Juli statt, in Spanien und Italien oft bereits
im Mai. Dies ist auch der Grund, warum die meisten
Pfingsturlaubstrips in diese südlichen Länder bisher von
ziemlicher Erfolglosigkeit geprägt waren. Ein Anbiss ist
jetzt lediglich auf die Verteidigung des Geleges
zurückzuführen. Doch aus waidmännischen Gründen stelle ich
in dieser Phase keinen Wallern nach.
24° bis 28° Grad Celsius
Etwa zwei Wochen nach der Eiablage lassen sich die
Bartelträger wieder sehr gut fangen. Sie verteilen sich in
den Gewässern und fressen in den folgenden zwei bis drei
Wochen relativ viel. Die in dieser Phase mit Abstand
fängigste Methode ist das Locken mit dem Wallerholz. Als
Köder empfehlen sich Tauwurmbündel oder Köderfisch. Die
Bartelträger sind nun äußerst aktiv, ihr Aktionsradius ist
besonders groß. Dadurch reagieren sie jetzt am besten auf
die lauten Klopfgeräusche des Holzes. Sie steigen sehr
schnell nach unseren Ködern und nehmen diese oft vehement.
Auch beim Bojen- oder Oberflächenfischen rechne ich mit
guten Bissen. Nachteil allerdings: Viele kleinere Waller
gehen jetzt an den Haken. Extra-Tipp: das nächtliche
Spinnfischen auf raubende Waller!
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