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Als ich vor einigen Wochen ...
in einem anderen Bericht von „ little
steps to the autumn“ geschrieben habe, hätte ich nicht
gedacht, dass ich zum jetzigen Zeitpunkt noch immer von
Ansitzen unter solch herbstlichen Bedingungen berichten
könnte. Es sind wirklich kleine Schritte, mit denen der
Herbst auf den Winter zu dribbelt und so können wir in
diesem Jahr wohl auf eine Verlängerung hoffen. Der einzige
Unterschied zur Verlängerung, die wir vom Fußball kennen
besteht darin, dass der Verlierer schon vorher feststeht:
Wir Angler! |
Im Fußball beendete über
viele Jahre das „Golden Goal“ die Verlängerung und
besiegelte so das Schicksal des Verlierers. Dies übernimmt
in unserem Fall ein plötzlicher Temperatursturz und ein
Einpendeln des Quecksilbers im „Tabellenkeller.“ Um
dennoch alles Positive aus den uns verbleibenden
„Spielminuten“ dieser Verlängerung mitzunehmen, heißt es
noch einmal „Beißen, kratzen, treten“, wie man im Fußball
sagen würde.
Samstagabend ...
Ruppi und ich begannen den ersten Teil der Verlängerung
und lagen gespannt wartend in unseren Schirmzelten. Es war
bereits dunkel und es regnete seit Stunden. Der Angelplatz
war komplett aufgeweicht, eine Mischung aus Matsch und
abgefallenen Blättern verwandelte den Weg zu den Ruten in
eine Rutschpartie. Die ca. 2,5m hohe Böschung dahinter,
über die man zum Boot gelangte, sah ähnlich aus. Schon
beim Auslegen der Montagen war dort nur mit „Kralle
machen“ Haftung zu finden, um sich dann auf allen Vieren
den Abhang hochziehen zu können. Dementsprechend sahen wir
nun auch aus. Auch am Wasserstand machte sich der Regen
bemerkbar. Der Pegel stieg und das Wasser war zu einer
braunen Brühe geworden - gut so…!
„Fritz-Walter-Wetter“, hätte man auf dem Betzenberg
gesagt. Unter diesen Vorzeichen wurde schon so manch‘
großer Erfolg des FCK eingefahren und auch in einem
gewissen Fußballspiel, das 1954 in Bern stattfand, führte
besagter Fritz Walter seine Mannschaft bei „seinem“ Wetter
zum Sieg. Ob dies nun auch „unser“ Wetter werden würde,
musste sich erst noch zeigen. Unsere Aufstellung
jedenfalls stimmte und unsere Köderfische machten schön
Dampf auf den Außenbahnen, bis plötzlich einer der
zentralen Mittelfeldspieler brutal umgesenst wurde und die
Rute „Freistoß“ signalisierte. Wer Ruppi kennt weiß, dass
er solche Freistöße in der Regel verwandelt und so glitt
Minuten später ein halbstarker „Extra-time-Silure“ ins
Schlauchi.
Nun gewann dieses Spiel so
langsam an „Biss“ ...
denn etwa eine halbe Stunde später folgte das nächste
grobe Foul an meiner Karausche und ein Kampfschwein von
Wels bat zum Zweikampf. Er strotzte vor Kraft und bot mir
trotzig die Stirn. Ein ums andere Mal zog mir mein
Gegenspieler Schnur von der fast geschlossenen Rolle. Doch
irgendwann war auch er an seinem Konditionslimit
angelangt, sodass Ruppi ihn greifen und ins Boot wuchten
konnte. Da lag es, das nächste Highlight dieser
Verlängerung!!! Pechschwarz war der Bursche, hatte einen
sehr kräftig ausgebildeten Saum und eine schöne fette
Wampe. Einfach eine richtig geile Drecksau! Die Versorgung
des Silures übernahm Ruppi, derweil kümmerte ich mich um
einen Auswechselspieler für meine aus Verletzungsgründen
ausgeschiedene Karausche.
Es schüttet immer noch wie aus Eimern. Beim Ausbringen
der Montage muss ich mir ständig den Regen aus den Augen
reiben, um auf dem orange-leuchtenden Echolotbildschirm
etwas zu erkennen. Irgendwo hier musste auch Ruppi‘ s
Montage angebunden sein, also galt es doppelt aufzupassen.
„So, nun sollte die Flucht soweit stimmen“. Langsam nähere
ich mich dem heißen Bereich, gleich musste die Kante
kommen…“Noch nicht…noch nicht… noch nicht…jetzt, da ist
sie“. Ich schalte den Motor auf Leerlauf und versenke
Stein samt Köder in den Fluten. Das Duo verschwindet im
kaffeebraunen Wasser und ich manövriere mich zurück zum
Ufer.
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Zum Tagesabschluss brachte
Ruppi die „Feldküche“ in Gang ...
Rotkraut und Soßenfrikadellen standen auf dem
Programm, da ließ ich mich nicht zweimal bitten! Nachdem
die Töpfe geleert und unsere Mägen gefüllt waren, zog es
uns so langsam in unsere Kojen. Eigentlich seltsam, denn
die Uhr verriet, dass es noch nicht einmal 20.00Uhr war,
trotzdem hatte man das Gefühl, es wäre Zeit zum Schlafen,
weil es schon seit gefühlten 10 Stunden dunkel war. „Der
Herbst ist eben doch eine ganz eigenartige und besondere
Jahreszeit “, denke ich mir, als ich mich im Schlafsack
verkrieche.
Die Regentropfen prasselten nach wie vor auf unsere
Schirme nieder, mal mehr und mal weniger stark. Da ich
zudem auch nicht wirklich müde war, lag ich noch eine Zeit
lang wach und beobachtete die Knicklichter an den
Rutenspitzen, die durch Treibgut und Strömung immer wieder
langsam nach vorne gezogen wurden, um dann wieder in ihre
Ausgangsposition zurückzukehren und dann das Ganze zu
wiederholen. Irgendwann fielen mir aber dann doch die
Augen zu und gingen erst wieder auf als das zurückkehrende
Tageslicht am nächsten Morgen allmählich einen trostlosen
Tag einläutete. |
Die Aalglöckchen waren den Rest der Nacht stumm geblieben
...
abgesehen vom typischen „Treibgutgesumme“, das
entstanden war, weil unsere Leinen ordentlich Dreck
gesammelt hatten. Wir nutzten die morgendliche Regenpause
um unser Lager abzubauen und den Fisch abzulichten. Kurz
darauf entließen wir unseren gebartelten Kollegen topfit
dahin wo er hergekommen war, zogen das Boot aus dem Wasser
und fuhren heimwärts.
Damit hatten wir den ersten Teil der Verlängerung dank
einer 100% Chancenausbeute klar mit 2:0 für uns
entschieden und konnten so diese „Bonusfische“ in unserem
Fangbuch verewigen. Sollte dies evtl. doch an Fritz‘
Wetter gelegen haben? Schwer zu sagen. Was aber sicher
ist, ist dass die Verlängerung nach wie vor läuft. Dies
wird uns spätestens beim Blick auf‘ s Thermometer oder den
Wetterbericht klar. Es bleibt also spannend und es wird
interessant sein zu sehen, ob und wie viele „Tore“ noch
fallen werden.
Klar ist aber auch, dass nur der ein Tor schießen kann,
der auch gegen den Ball tritt. Heißt im Klartext, Tasche
packen und rauf auf’ n „Sportplatz“, noch hat der Schiri
nicht abgepfiffen!
Wünsche euch ein gutes Spiel
...
Gruß Hannes
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