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Clantalk vom Juni 2010

 

 

In unserer Rubrik "Clantalk" wollen wir die Meinungen verschiedener Gesprächspartner einholen, um deren unterschiedlichen Ansichten zu ganz bestimmten Themen zu diskutieren. In diesem Monat geht es um das "Pro und Contra" von kommerziellen Gewässern, die immer mehr überhand nehmen.
 

Wie ist eure Einstellung zu kommerziellen Gewässern, was haltet ihr persönlich von sogenannten Wallerpuffs in denen man für viel Geld auf kleiner Wasserfläche den Fisch seines Lebens, sozusagen "vor der Nase" präsentiert bekommt. Findet ihr solche "Einrichtungen" als willkommene Entlastung für die natürlichen Gewässer, als Anlaufpunkt für Anfänger, letztendliche Station für Nimmersatte denen Masse lieber ist statt Klasse, oder nur für pure Geldmacherei ?

 


 
Thomas "Tomcat" Dörr

Es gibt diese privaten, kommerziellen Angelgewässer, verzichten wir hier einmal auf den landläufigen Begriff „Waller- oder Karpfenpuff“. Auch ich habe in der Vergangenheit schon solche Gewässer besucht, allerdings damals zum Karpfenangeln, auch wenn sich dabei Waller an die Ruten verirrten. Aber mir gefallen diese Gewässer nicht. Zum einen ist man auf einen zumeist vorgebuchten Platz beschränkt und kann nicht oder nur bedingt an die Gegebenheiten angepasst, den Fisch suchen. Das Platzangebot ist, je nach Buchungslage, nicht unbedingt üppig, im Gegensatz zu den teilweise horrenden Preisen. Die Fische werden zu Gladiatoren degradiert, die einem extremen Angeldruck unterliegen. Speziell bei den Karpfen hinterlässt das auch seine Spuren, speziell im Bereich der Mäuler.
 


Nun die Frage, was für diese Gewässer spricht, bzw. was einen verleitet, dort hin zu fahren. Abgesehen von der Tatsache, dass es unter diesen Gewässern auch solche gibt, die nicht in das etwas schäbige Bild passen, das viele Leute hiervon haben, hat nicht jeder ein passendes Gewässer bei sich zur Verfügung. Vereine mit Aufnahmebeschränkungen, Nachtangelverbote und Gefahren an freien Gewässern durch zwielichtige Personen machen es schwer und auf der Suche nach einem geeigneten Gewässer stösst man dann auf diese Seen. Diese Seen haben sicherlich ihre Existenzberechtigung, dienen sie doch vielen als Notnagel. Sie passen jedoch nicht in das Bild, das ich von der Ausübung meines Hobbies habe und ein dort gefangener Fisch hätte nicht den Stellenwert, wie aus einem, nennen wir es einmal „freien Wasser“. Grundsätzlich soll aber jeder machen, was er will, ob er nun ein solches Gewässer besucht, Vollguiding bucht, oder für sich alleine fischt.

 



 

Steffen Reuther von Clan Silure

Diesbezüglich muss ich mich outen, denn die ersten zweistelligen Fische habe ich tatsächlich in solchen "Puffs" gefangen. Allerdings gab es damals diesen Begriff noch nicht und man war eigentlich froh, wenn man zu meiner Zeit ein Gewässer für sich entdeckte, das mit Fischen in solchen Größenordnungen besetzt war, wovon wir in unseren heimischen Gefilden eigentlich nur heimlich träumen konnten. Heute sehe ich das Ganze aus einer etwas anderen Perspektive.

Der Angeldruck auf diese Fische ist teilweise extrem hoch, was unweigerlich zur Folge hat, dass sie sich jeglicher Nahrung nur noch sehr argwöhnisch nähern und wenn überhaupt, dann diese überaus vorsichtig aufnehmen. Von einem normalen Fressverhalten kann man hier deshalb nicht mehr sprechen. Aus vielen Gewässern ist zum Beispiel auch bekannt, daß präparierte Angelplätze von den Fischen tagelang ignoriert werden, erst wenn sich dann das Anfuttermaterial, wie z.B. Boilies, so gut wie aufgelöst hat, sind sie bereit dieses auch anzunehmen. Catch and Release ist mit Sicherheit ein weiterer Faktor, obgleich ich den Fischen deswegen kein Langzeitgedächtnis zuschreiben will, aber ein gewisser Lernfaktor in Verbindung mit dem natürlichen Instinkt steckt auf jeden Fall dahinter.

Unpassende Gerätezusammenstellungen, Unerfahrenheit und auch der fehlende Respekt gegenüber den gefangenen Fischen zeigen deutliche Spuren, die den Fisch nicht nur sein Leben lang begleiten, sondern auch künftig bei seiner Nahrungsaufnahme behindern werden. Dieses Bild ist nur ein einziges, kleines Beispiel eines Karpfens, aber wenn man so was sieht, dann blutet mir schon das Herz. Das sind typische Merkmale von Fischen aus sogenannten kommerziellen Gewässern, hinzu kommt noch das Markieren der Fische durch Beschneiden der Flossen oder Einsetzen von Markierungen um den Fisch nach einem Wiederfang schneller erkennen zu können. Hier frage ich mich echt, wie krank muss man im Kopf sein, um so was mit seinem Gewissen vereinbaren zu können.
 


Von den horrenden Preisen mal ganz abgesehen, von der Vorgabe an welchem Platz ich wann und wie angeln darf, hat das meiner Meinung nach überhaupt nichts mehr mit der Definition von der Ausübung eines Hobbies zu tun. Hobby ist Freizeit und Freizeit gestalte ich so wie ich das selber gerne haben möchte. Und kein Fisch und auch kein Gewässer auf dieser Welt wird mich jemals wieder dazu bringen, solche mit Fischen vollgestopfte und nur aus reinem finanziellem Aspekt erschaffene Puffs zu besuchen. Von meiner Seite her ein mehr als deutliches "No go" !!!


 

 

Alwin Roth

Ich finde diese Einrichtungen gut – sie sind notwendig für Leute die sich am Naturgewässer nicht zurechtfinden, und die Leute die sich zu gut zurechtfinden, also sonst alles leerfischen würden, die sogenannten Gummistiefelkormorane. Und, wenn die Typen sich im Puff rumtreiben, hab ich am Natur-Wasser meine Ruhe.
 



 


 

Armin Würth

Ich finde das eine tolle Sache. Ich selbst gehe regelmäßig in Forellenpuffs. Pro Nase werden (wurden) 3Kg Forellen gesetzt, ohne Fanglimit. Es freut mich dann jedes Mal mich mit gleichgesinnten Russen, Rußlanddeutschen, Deutschrussen, Deutschdeutschen, Türken und Türkendeutschen sowie Deutschtürken am Wasser zu unterhalten und unterschiedliche Kulturen und deren Angelmethoden kennenzulernen.

Da sind dann meist genug Hydranten, Kuchenbäcker und Hutständer dabei, welche schon gegen Mittag die Segel streichen, sei es weil sie zu betrunken sind, oder weil sie rechtzeitig zum Mittagessen zu Hause sein müssen. Meist bleiben von deren 3 Kg so ca. 2,5 Kg im See. Das addiert sich dann zu einer beträchtlichen Summe, welche den restlichen Anglern zum Fang stehen. Die werden dann gefangen, geräuchert und verkauft.


DAS IST DOCH EINE TOLLE SACHE 


 


 

Harald "Bolla" Weiss


Ich persönlich halte von sogenannten Wallerpuffs nichts, da das eigentliche Aufspüren und Überlisten des Zielfisches in diesen Gewässern für mich zu kurz kommt. Aber gerade das macht für mich den Reiz beim Wallerfischen aus. Das damit die Bestände geschont werden sollen, seh ich nicht so, meiner Meinung nach ist der Befischungsdruck auf unsere Freunde, zumindest in Deutschland, noch nicht allzu hoch. Allenfalls mit den " Forellenpuffs" kann ich mich anfreunden.

 



 

Thomas Schäfer

Ich gehe auch ab und an in einen sog. Forellenpuff und finde es auch recht spassig sich mit den Kameraden zu messen, wer wohl am Abend die meisten Salmoniden im Eimer hat. So eine Einrichtung auf’s Wallerfischen zu übertragen halte ich persönlich jedoch für fragwürdig. Beim Forellenfischen hängt das Ding am Band, kurzer Drill, kurzer Schlag auf den Kopf, abstechen und fertig ist die Laube. Ist zwar für die Forelle auch nicht so das Gelbe vom Ei, aber ich sag’ mal eine je nach Erfahrung des Fängers relativ kurze waidgerechte und schmerzlose Angelegenheit für das Tier. Forellen sind auch für den Kochtopf sehr beliebt und eine bestimmungsgemäße Verwertung ist höchst wahrscheinlich.

Wie würde das am Wallerpuff aussehen? Bei einem amtlichen Fisch von deutlich über einem Meter wird schon der Drill eine längere Zeit in Anspruch nehmen, heißt Stress und Schmerz für die Kreatur. Da ab einer gewissen Größe des Fisches das Fleisch nicht mehr so schmackhaft ist, ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Fisch zurückgesetzt wird sehr hoch. Bedeutet für den Fisch, dass er so eine Tortur womöglich mehrmals mitmachen muss, bis irgend so ein Vollpfosten am anderen Ende der Rute den Fisch so schwer verletzt, dass er erlegt werden muss oder im schlimmsten Fall jämmerlich eingeht.

Da das Wallerfischen eher etwas für Spezialisten ist nehme ich mal an das in so einem Wallerpuff eher Publikum zu finden ist das in der echten Anglerwelt keine Aussicht auf einen guten Fisch hat, sprich Anfänger oder noch schlimmer selbsternannte Profis die auch dort den anderen zeigen wollen wie toll sie doch angeln können. Solche Typen wären wohl in einem richtigen Puff besser aufgehoben.

Mein Fazit zu dem Thema, Forellenpuff OK, ist noch zu akzeptieren, Wallerpuff eindeutig nein.


 




 

Sven Dombach von Clan Silure

Hallo Silures,


kommerzielle Gewässer haben sicherlich ihre Berechtigung und ich möchte diese Einrichtungen nicht verurteilen. Ganz nach dem Motto „jeder wie er mag“ kann ich das sehr wohl tolerieren. Dort läuft alles in geregelten Bahnen und es gibt scheinbar eine ganze Menge Angler, welche diese Strukturen benötigen. Gerade Anfänger haben hier die Möglichkeit erste Erfahrungen zu machen und das ist auch gut so.

Respekt und Fairness, was den Umgang mit der Kreatur angeht, sind nach meiner Meinung nicht abhängig von der Art des Gewässers, sondern vom Charakter und der Einstellung des Fischers. Ich persönlich kann allerdings solchen Gewässern überhaupt nix abgewinnen. Ich bin sehr froh, dass ich meine anglerischen Fähigkeiten von Grund auf an der Lahn, also einem naturbelassenen Fließgewässer entwickelt habe. Das Befischen von neuen, unbekannten Gewässern mit verschiedenen Methoden bedeutet für mich einen großen Reiz. Wenn ich mir vorstelle, meine Spotwahl dem Losprinzip zu überlassen kann ich wirklich nur schmunzeln. Am liebsten bin ich ganz alleine oder eben mit meinem Angelpartner in search of the real giants und mag überhaupt keine Massenveranstaltungen am Wasser.
 


Also, jeder sollte dort fischen, wo er seine Erfüllung findet aber immer mit dem nötigen Respekt. Der Stellenwert von Fischen aus kommerziellen Gewässern ist für mich sehr gering und ich muss mich sehr wundern, wenn solche Fische immer wieder von den so genannten „Spezialisten“ in der Öffentlichkeit präsentiert werden.



 



 

Kai Schrödter

Salute Siluros,


Carp Specimen Hunting Groups haben uns die Ausmaße bereits aufgezeigt, die ein kommerzielles Großfischgewässer annehmen kann. Ein Großfisch aus einem entsprechenden Gewässer, wird über das Jahr ein paar Mal gefangen, mit unterschiedlichem Gewicht. Ich find es persönlich respektlos gegenüber der Kreatur, sich bei entsprechendem Laichgewicht mit einem neuen Rekordfisch zu brüsten, obwohl allseits der Fisch durch entsprechende kommerzielle Werbung der Tackleindustrie bereits bekannt ist.

Unbekannte Großfische stammen ausschließlich aus natürlichen Gewässern. Gerade diese Spannung macht doch unser Hobby aus! Ich spreche ausschließlich für meinen Teil, aber ich hätte keine großen Ambitionen, ein Gewässer entsprechend zu befischen, wenn ich die Größe der Fische bereits kenne. Der Anreiz liegt im Unbekannten!

Auf der anderen Seite verstehe ich Menschen, die aufgrund der Medien, unbedingt einen Großfisch fangen wollen ein wenig. Meiner Meinung nach fängt jeder einmal klein an, und wenn der erste Wels zielgerichtet gefangen wurde, ist die Größe unbedeutend!

Viele Leute sind aber bereit, entsprechendes Geld für solch einen Fisch an einem kommerziellen Gewässer zu bezahlen. Sollen Sie das gerne tun! Ich würde Ihnen allerdings raten, sich ein professionelles Guiding zu buchen. Dann werden Sie mit unterschiedlichen Montagen vertraut, und lernen das Gewässer mit Hilfe des Guides auch richtig lesen.
 


Unser Hobby macht einiges mehr aus, als ein Großfisch! Denkt mal darüber nach….!
Prinzipiell hat ein kommerzielles Gewässer in Form eines „Put & Take“ Charakters seine Berechtigung.



 



 

 
 

 

 

 
     
 

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