|
|
|
In unserer Rubrik "Clantalk" wollen wir die
Meinungen verschiedener Gesprächspartner einholen, um
deren unterschiedlichen Ansichten zu ganz bestimmten
Themen zu diskutieren. In diesem Monat geht es um das "Pro
und Contra" von kommerziellen Gewässern, die immer mehr
überhand nehmen.
Wie ist
eure Einstellung zu kommerziellen Gewässern, was haltet
ihr persönlich von sogenannten Wallerpuffs in denen man
für viel Geld auf kleiner Wasserfläche den Fisch seines
Lebens, sozusagen "vor der Nase" präsentiert bekommt.
Findet ihr solche "Einrichtungen" als willkommene
Entlastung für die natürlichen Gewässer, als Anlaufpunkt
für Anfänger, letztendliche Station für Nimmersatte denen
Masse lieber ist statt Klasse, oder nur für pure
Geldmacherei ?
|
 |
Thomas "Tomcat" Dörr |
Es gibt diese privaten, kommerziellen Angelgewässer,
verzichten wir hier einmal auf den landläufigen Begriff
„Waller- oder Karpfenpuff“. Auch ich habe in der
Vergangenheit schon solche Gewässer besucht, allerdings
damals zum Karpfenangeln, auch wenn sich dabei Waller an
die Ruten verirrten. Aber mir gefallen diese Gewässer
nicht. Zum einen ist man auf einen zumeist vorgebuchten
Platz beschränkt und kann nicht oder nur bedingt an die
Gegebenheiten angepasst, den Fisch suchen. Das
Platzangebot ist, je nach Buchungslage, nicht unbedingt
üppig, im Gegensatz zu den teilweise horrenden Preisen.
Die Fische werden zu Gladiatoren degradiert, die einem
extremen Angeldruck unterliegen. Speziell bei den Karpfen
hinterlässt das auch seine Spuren, speziell im Bereich der
Mäuler.
|
|
 |
Nun die Frage, was für diese Gewässer spricht, bzw. was
einen verleitet, dort hin zu fahren. Abgesehen von der
Tatsache, dass es unter diesen Gewässern auch solche gibt,
die nicht in das etwas schäbige Bild passen, das viele
Leute hiervon haben, hat nicht jeder ein passendes
Gewässer bei sich zur Verfügung. Vereine mit
Aufnahmebeschränkungen, Nachtangelverbote und Gefahren an
freien Gewässern durch zwielichtige Personen machen es
schwer und auf der Suche nach einem geeigneten Gewässer
stösst man dann auf diese Seen. Diese Seen haben
sicherlich ihre Existenzberechtigung, dienen sie doch
vielen als Notnagel. Sie passen jedoch nicht in das Bild,
das ich von der Ausübung meines Hobbies habe und ein dort
gefangener Fisch hätte nicht den Stellenwert, wie aus
einem, nennen wir es einmal „freien Wasser“. Grundsätzlich
soll aber jeder machen, was er will, ob er nun ein solches
Gewässer besucht, Vollguiding bucht, oder für sich alleine
fischt.
|
 |
Steffen Reuther von
Clan Silure |
Diesbezüglich muss ich mich outen, denn die ersten
zweistelligen Fische habe ich tatsächlich in solchen
"Puffs" gefangen. Allerdings gab es damals diesen Begriff
noch nicht und man war eigentlich froh, wenn man zu meiner
Zeit ein Gewässer für sich entdeckte, das mit Fischen in
solchen Größenordnungen besetzt war, wovon wir in unseren
heimischen Gefilden eigentlich nur heimlich träumen
konnten. Heute sehe ich das Ganze aus einer etwas anderen
Perspektive.Der Angeldruck auf diese Fische ist
teilweise extrem hoch, was unweigerlich zur Folge hat,
dass sie sich jeglicher Nahrung nur noch sehr argwöhnisch
nähern und wenn überhaupt, dann diese überaus vorsichtig
aufnehmen. Von einem normalen Fressverhalten kann man hier
deshalb nicht mehr sprechen. Aus vielen Gewässern ist zum
Beispiel auch bekannt, daß präparierte Angelplätze von den
Fischen tagelang ignoriert werden, erst wenn sich dann das
Anfuttermaterial, wie z.B. Boilies, so gut wie aufgelöst
hat, sind sie bereit dieses auch anzunehmen. Catch and
Release ist mit Sicherheit ein weiterer Faktor, obgleich
ich den Fischen deswegen kein Langzeitgedächtnis
zuschreiben will, aber ein gewisser Lernfaktor in
Verbindung mit dem natürlichen Instinkt steckt auf jeden
Fall dahinter.
Unpassende Gerätezusammenstellungen, Unerfahrenheit und
auch der fehlende Respekt gegenüber den gefangenen Fischen
zeigen deutliche Spuren, die den Fisch nicht nur sein
Leben lang begleiten, sondern auch künftig bei seiner
Nahrungsaufnahme behindern werden. Dieses Bild ist nur ein
einziges, kleines Beispiel eines Karpfens, aber wenn man
so was sieht, dann blutet mir schon das Herz. Das sind
typische Merkmale von Fischen aus sogenannten
kommerziellen Gewässern, hinzu kommt noch das Markieren
der Fische durch Beschneiden der Flossen oder Einsetzen
von Markierungen um den Fisch nach einem Wiederfang
schneller erkennen zu können. Hier frage ich mich echt,
wie krank muss man im Kopf sein, um so was mit seinem
Gewissen vereinbaren zu können.
|
|
 |
Von den horrenden Preisen mal ganz abgesehen, von der
Vorgabe an welchem Platz ich wann und wie angeln darf, hat
das meiner Meinung nach überhaupt nichts mehr mit der
Definition von der Ausübung eines Hobbies zu tun. Hobby
ist Freizeit und Freizeit gestalte ich so wie ich das
selber gerne haben möchte. Und kein Fisch und auch kein
Gewässer auf dieser Welt wird mich jemals wieder dazu
bringen, solche mit Fischen vollgestopfte und nur aus
reinem finanziellem Aspekt erschaffene Puffs zu besuchen.
Von meiner Seite her ein mehr als deutliches "No go" !!!
|
 |
Alwin Roth |
Ich finde diese Einrichtungen gut – sie sind notwendig für
Leute die sich am Naturgewässer nicht zurechtfinden, und
die Leute die sich zu gut zurechtfinden, also sonst alles
leerfischen würden, die sogenannten Gummistiefelkormorane.
Und, wenn die Typen sich im Puff rumtreiben, hab ich am
Natur-Wasser meine Ruhe.
|
|
 |
Ich finde das eine tolle Sache. Ich selbst gehe regelmäßig
in Forellenpuffs. Pro Nase werden (wurden) 3Kg Forellen
gesetzt, ohne Fanglimit. Es freut mich dann jedes Mal mich
mit gleichgesinnten Russen, Rußlanddeutschen,
Deutschrussen, Deutschdeutschen, Türken und
Türkendeutschen sowie Deutschtürken am Wasser zu
unterhalten und unterschiedliche Kulturen und deren
Angelmethoden kennenzulernen.
Da sind dann meist genug Hydranten, Kuchenbäcker und
Hutständer dabei, welche schon gegen Mittag die Segel
streichen, sei es weil sie zu betrunken sind, oder weil
sie rechtzeitig zum Mittagessen zu Hause sein müssen.
Meist bleiben von deren 3 Kg so ca. 2,5 Kg im See. Das
addiert sich dann zu einer beträchtlichen Summe, welche
den restlichen Anglern zum Fang stehen. Die werden dann
gefangen, geräuchert und verkauft.
DAS IST DOCH EINE TOLLE SACHE

|
|
Harald "Bolla" Weiss
Ich persönlich halte von sogenannten Wallerpuffs nichts,
da das eigentliche Aufspüren und Überlisten des
Zielfisches in diesen Gewässern für mich zu kurz kommt.
Aber gerade das macht für mich den Reiz beim Wallerfischen
aus. Das damit die Bestände geschont werden sollen, seh
ich nicht so, meiner Meinung nach ist der Befischungsdruck
auf unsere Freunde, zumindest in Deutschland, noch nicht
allzu hoch. Allenfalls mit den " Forellenpuffs" kann ich
mich anfreunden.
|
Ich gehe auch ab und an in einen sog. Forellenpuff und
finde es auch recht spassig sich mit den Kameraden zu
messen, wer wohl am Abend die meisten Salmoniden im Eimer
hat. So eine Einrichtung auf’s Wallerfischen zu übertragen
halte ich persönlich jedoch für fragwürdig. Beim
Forellenfischen hängt das Ding am Band, kurzer Drill,
kurzer Schlag auf den Kopf, abstechen und fertig ist die
Laube. Ist zwar für die Forelle auch nicht so das Gelbe
vom Ei, aber ich sag’ mal eine je nach Erfahrung des
Fängers relativ kurze waidgerechte und schmerzlose
Angelegenheit für das Tier. Forellen sind auch für den
Kochtopf sehr beliebt und eine bestimmungsgemäße
Verwertung ist höchst wahrscheinlich.
Wie würde das am Wallerpuff aussehen? Bei einem amtlichen
Fisch von deutlich über einem Meter wird schon der Drill
eine längere Zeit in Anspruch nehmen, heißt Stress und
Schmerz für die Kreatur. Da ab einer gewissen Größe des
Fisches das Fleisch nicht mehr so schmackhaft ist, ist die
Wahrscheinlichkeit, dass der Fisch zurückgesetzt wird sehr
hoch. Bedeutet für den Fisch, dass er so eine Tortur
womöglich mehrmals mitmachen muss, bis irgend so ein
Vollpfosten am anderen Ende der Rute den Fisch so schwer
verletzt, dass er erlegt werden muss oder im schlimmsten
Fall jämmerlich eingeht.
Da das Wallerfischen eher etwas für Spezialisten ist
nehme ich mal an das in so einem Wallerpuff eher Publikum
zu finden ist das in der echten Anglerwelt keine Aussicht
auf einen guten Fisch hat, sprich Anfänger oder noch
schlimmer selbsternannte Profis die auch dort den anderen
zeigen wollen wie toll sie doch angeln können. Solche
Typen wären wohl in einem richtigen Puff besser
aufgehoben.
Mein Fazit zu dem Thema, Forellenpuff OK, ist noch zu
akzeptieren, Wallerpuff eindeutig nein.
|
 |
Sven Dombach von Clan
Silure |
Hallo Silures,
kommerzielle Gewässer haben sicherlich ihre Berechtigung
und ich möchte diese Einrichtungen nicht verurteilen. Ganz
nach dem Motto „jeder wie er mag“ kann ich das sehr wohl
tolerieren. Dort läuft alles in geregelten Bahnen und es
gibt scheinbar eine ganze Menge Angler, welche diese
Strukturen benötigen. Gerade Anfänger haben hier die
Möglichkeit erste Erfahrungen zu machen und das ist auch
gut so.
Respekt und Fairness, was den Umgang mit der Kreatur
angeht, sind nach meiner Meinung nicht abhängig von der
Art des Gewässers, sondern vom Charakter und der
Einstellung des Fischers. Ich persönlich kann allerdings
solchen Gewässern überhaupt nix abgewinnen. Ich bin sehr
froh, dass ich meine anglerischen Fähigkeiten von Grund
auf an der Lahn, also einem naturbelassenen Fließgewässer
entwickelt habe. Das Befischen von neuen, unbekannten
Gewässern mit verschiedenen Methoden bedeutet für mich
einen großen Reiz. Wenn ich mir vorstelle, meine Spotwahl
dem Losprinzip zu überlassen kann ich wirklich nur
schmunzeln. Am liebsten bin ich ganz alleine oder eben mit
meinem Angelpartner in search of the real giants und mag
überhaupt keine Massenveranstaltungen am Wasser.
|
|
 |
Also, jeder sollte dort fischen, wo er seine Erfüllung
findet aber immer mit dem nötigen Respekt. Der Stellenwert
von Fischen aus kommerziellen Gewässern ist für mich sehr
gering und ich muss mich sehr wundern, wenn solche Fische
immer wieder von den so genannten „Spezialisten“ in der
Öffentlichkeit präsentiert werden.
|
 |
Kai Schrödter |
Salute Siluros,
Carp Specimen Hunting Groups haben uns die Ausmaße bereits
aufgezeigt, die ein kommerzielles Großfischgewässer
annehmen kann. Ein Großfisch aus einem entsprechenden
Gewässer, wird über das Jahr ein paar Mal gefangen, mit
unterschiedlichem Gewicht. Ich find es persönlich
respektlos gegenüber der Kreatur, sich bei entsprechendem
Laichgewicht mit einem neuen Rekordfisch zu brüsten,
obwohl allseits der Fisch durch entsprechende kommerzielle
Werbung der Tackleindustrie bereits bekannt ist.
Unbekannte Großfische stammen ausschließlich aus
natürlichen Gewässern. Gerade diese Spannung macht doch
unser Hobby aus! Ich spreche ausschließlich für meinen
Teil, aber ich hätte keine großen Ambitionen, ein Gewässer
entsprechend zu befischen, wenn ich die Größe der Fische
bereits kenne. Der Anreiz liegt im Unbekannten!
Auf der anderen Seite verstehe ich Menschen, die aufgrund
der Medien, unbedingt einen Großfisch fangen wollen ein
wenig. Meiner Meinung nach fängt jeder einmal klein an,
und wenn der erste Wels zielgerichtet gefangen wurde, ist
die Größe unbedeutend!
Viele Leute sind aber bereit, entsprechendes Geld für
solch einen Fisch an einem kommerziellen Gewässer zu
bezahlen. Sollen Sie das gerne tun! Ich würde Ihnen
allerdings raten, sich ein professionelles Guiding zu
buchen. Dann werden Sie mit unterschiedlichen Montagen
vertraut, und lernen das Gewässer mit Hilfe des Guides
auch richtig lesen.
|
|
 |
Unser Hobby macht einiges mehr aus, als ein Großfisch!
Denkt mal darüber nach….!
Prinzipiell hat ein kommerzielles Gewässer in Form eines „Put
& Take“ Charakters seine Berechtigung.
|
|
|