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von Steffen Reuther im Dezember 2010

 

 

Andreas lernte ich vor vielen Jahren ...
 

als Chat und Internetforen noch in ihren kleinen Kinderschuhen steckten, zum ersten Mal kennen. Er war damals schon bekannt für seine Publikationen in diversen Fachzeitschriften und jetzt nach seinen Erfolgen als Buch-Autor und Fotograf, wollte ich natürlich die Chance nutzen um mit ihm dieses Interview zu führen.


Hallo Andreas, viele kennen dich aus den Medien, da du ja als Vielschreiber bekannt bist, erzähl uns doch bitte etwas über deine Person und wie du das Hobby Angeln für dich entdeckt hast ?


Vielschreiber ist gut, sicherlich habe ich schon etliche Artikel und einige Bücher publiziert, doch seit ein paar Jahren ist es, zumindest was Fachzeitschriften betrifft, recht ruhig um meine Person geworden. Hauptsächlich liegt dies daran, dass meine Filmprojekte sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Was meine Person betrifft, so blicke ich auf mehr als 30 Jahre Angelsport zurück. Begonnen hatte alles mit etwa sechs und wurde zunächst vom Matchangeln geprägt. Die Neugierde wurde geweckt weil ich quasi dazu verdonnert wurde, meine Kindheit am Wasser zu verbringen.

Meine Eltern hatten einen Wohnwaagen an einem Altrhein und dort verbrachten wir fast jedes Wochenende und die gesamte Ferienzeit. Außerdem lag die Parzelle direkt am Wasser; verbunden mit weiteren Pächtern durch eine Steganlage. In dieser Nachbarschaft gab es zwei Angler die ich sicherlich auch aus Langeweile und nicht nur aus Neugier beobachtet habe. So fand ich meinen Weg über die Bambusrute zur Kreatur Fisch und es entwickelte sich eine Passion fürs Leben.

 

Deinen Bekanntheitsgrad hast du dir ja durch das Angeln auf Karpfen aufgebaut, wie kam es dazu dass du dich gerade dieser speziellen Fischart gewidmet hast ?


Das Jahr 1989 war der Startschuß für den Zielfisch Karpfen. Mit meinem Steckenpferd der Wettfischerei ging es damals stetig bergab. Verbote und Einschränkungen vermiesten mir diese Angelei und eine vergleichbare Herausforderung wollte gefunden werden. In der Übergangsphase konzentrierte ich mich hauptsächlich auf den Zander, doch so richtig befriedigen konnte mich das Ganze nicht. Am meisten störte mich, dass diese Fische den Köder oft sehr tief geschluckt hatten und ich sie notgedrungen abschlagen musste. Fangen um zu töten war noch nie wirklich mein Ding. Auch wenn ich kein Problem damit habe, wenn jemand seine Beute verwertet, meine Berufung sah anders aus. Ich wollte einfach perfekt sein in dem was ich tue.

Meine Neugierde auf den Karpfen wurde mit dem Einzug des Boilies geweckt. Damals überschlugen sich die Fangmeldungen und die Fachartikel schürten das Feuer. Die Aussicht einmal einen Fisch von über 10 Kilo fangen zu können setzte dem ganzen die Krone auf. Außerdem war der Karpfen eine Art, die man mit Füttern beeinflussen konnte. Ich will damit sagen, dass sich zu diesem Zeitpunkt alles wieder in die Richtung Matchangeln entwickelte. Es begann eine Zeit mit sehr viel Lehrgeld und glaubt mir: nicht eine einzige jener Stunden möchte ich missen.
 


Man liest ja nicht nur viel in Zeitschriften über dich, sondern mittlerweile sind bereits auch etliche Bücher von dir erschienen, wie kam es dazu und welche Gedanken haben dich dazu bewegt ?


Diese Frage ist schnell beantwortet. Leider sind Publikationen in Zeitschriften nicht mehr als Eintagsfliegen. Ihre Wertigkeit ist sehr kurzlebig und eigentlich nur interessant für Erlebnisberichte und um innovative Neuerungen schnell bekannt zu machen. Mit einem Buch hat man die Möglichkeit sein Wissen für viele Jahre weiterreichen zu können. Ein solches Werk hat eben eine ganz andere Wertigkeit. Zu meinem Erstlingswerk bin ich durch Zufall gekommen - es war eine Anfrage vom Verlag.

 


Hinter dem Projekt Magic Slide stecken neben dir auch noch Klaus Radons und Ronny Schmitt, mit dem ihr auch sehr erfolgreich auf verschiedenen Messen auftretet. Was ist für die nächste Zeit geplant und worauf können wir uns jetzt schon freuen ?


Wie Du sicherlich schon mitbekommen hast, haben wir auf einigen der letzten Meetings den vierten Teil der Dream Zone Reihe gezeigt. Diese Show ist unser aktuellstes Projekt. Neben diesen haben wir noch etllich andere Sachen produziert und natürlich auch gezeigt. Doch unser Herzblut gilt der Dream Zone Reihe. Da wir uns leider etwas gegeißelt sehen, vorallem was die technischen Möglichkeiten betrifft, haben wir beschlossen den fünfen und warscheinlich letzen Part in Angriff zu nehmen. Wenn alles klappt und vorallem die Fänge mitspielen, ist mit der Fortsetzung in etwa zwei Jahren zu rechnen. Die Storyline steht jedenfalls schon und wir versuchen, uns wieder einmal selbst zu übertreffen. Getreu unserem Motto - Euch zu unterhalten ist der schönste Lohn.

Was Magic Slide betrifft, so sind wir besonders stolz darauf, auf so viele Jahre Messegeschichte zurückblicken zu können. Wie ein Fels in der Brandung haben wir uns der Zeit gestellt und nicht nur Höhenflüge erlebt. Es gibt nicht mehr viele aus unserer alten Szene, die noch die noch auf Events aktiv sind. Alles ist halt im Wandel und wird zwangsläufig zu einem Teil der Geschichte. Manchmal habe ich das Gefühl, dass der heutigen Szene ein Großteil jener Magie verloren gegangen ist, die uns immer noch beflügelt. Angeln ist nicht nur das Fangen von Fischen, Camping und Geselligkeit. Die Jagd nach dem besonderen Augenblick ist eine nie endende Sehnsucht voller Emotionen, die nur jemand versehen kann, der von einem solchen Trieb besessen ist. Vielleicht sehe ich die Jugend auch mit falschen Augen, es wäre nur wünschenswert.
 

Neben dem Karpfenangeln hast du ja seit einigen Jahren auch das Angeln auf Waller für dich entdeckt. Wie bist du darauf gekommen und welchen Stellenwert nimmt es derzeit für dich ein ?


Fische mit Barteln haben es mir scheinbar angetan. An sich ist der Waller genauso faszinierend wie der Karpfen. Gereizt hat mich dieser Fisch schon seit meinen frühsten Angeljahren, doch es hat sehr lange gedauert bis er eine bedeutende Rolle spielte. Was für mich den Wels besonders interessant macht ist die Tatsache, dass er sich mit Futter an den Platz locken lässt und dass ich ihn mit toten Ködern wie Tintenfisch und Pellets, aber auch Boilies fangen kann. Außerdem gibt es über ihn noch sehr Vieles herauszufinden; denn was bislang bekannt ist, ist nicht mehr als eine Handvoll Fakten.

Diesbezüglich liegt der große Unterschied zum Karpfen für mich auch darin, dass ich diese Art mit einer Unterwasser-Überwachungstechnik erforschen kann, die es leider in den Pionierjahren meiner Karpfenangelei noch nicht gegeben hat.
Vom Stellenwert liegen beide in Waage.


Welche Montagen verwendest du überwiegend beim Angeln auf Waller, gerade Anfänger tun sich diesbezüglich immer schwer, erzähl uns doch ein bisschen was darüber ?


Meine favorisierte Montage ist das Fischen mit zwei Einzelhaken am langen Vorfach mit einem 250 bis 500 Gramm schweren Festblei - quasi das Karpfenrig für den großen Fang. Am Rhein bevorzuge ich eine Montage mit Seitenarm ebenfalls durch ein schweres Blei oder ein Stein am Grund fixiert. Bei dieser Präsentation flattert das Vorfach je nach Länge und Strömung etwa einen Meter über den Boden. Der Vorteil: selbst toten Ködern verleiht man so Leben und die Wollhandkrabben werden so nur selten zu Plagegeistern.
 

Da du ja mittlerweile als vielseitiger Angler und Autor bekannt bist, gibt es irgendwelche Fischarten die du vielleicht momentan schon oder in Zukunft gerne gezielt beangeln würdest ?


Falls Geld und Gesundheit mitspielen, möchte ich noch Aligatorhechte und Störe beangeln. Doch das ist noch weit entfernte Zukunft ....
 


So wie ich dich einschätze hast du angeltechnisch schon etliche Länder bereist, welche zählen dazu und welche würdest du gerne noch bereisen ?


Soviel war ich noch gar nicht im Ausland. Bislang waren es drei Touren nach Italien, zwei nach Frankreich und sieben nach Spanien. Ach ja in die angrenzenden Niederlande waren es schon ein paar mehr. In meinen Zukunftsplänen findet sich noch Platz für Spanien, Frankreich, Texas und Kanada. Doch mein Hauptanliegen wird immer sein, die Fische dort zu fangen wo man am meisten für den Erfolg tun kann - vor der Haustür!
 

Du bist ja mittlerweile nicht nur als Autor sondern auch als Fotograf in der Szene bekannt geworden. Wieviel an Ausrüstung schleppst du da mit und welches Equipment bevorzugst du gerade ?


Videotechnisch bevorzuge ich Panasonic und fotografisch Nikon - innovative Technik zu einem angemessenen Preis-Leistungsverhältnis. Von Canon habe ich mich schon vor langer Zeit verabschiedet. Zu viele Enttäuschungen verbinden mich mit dieser Firma, vorallem als der Umstieg ins Digitalzeitalter begann. In der Regel beschränkt sich mein Equipment auf den Camcorder, die Spiegelreflex und ein gutes Stativ. Ein "Mehr" an Technik setzt meist Planung voraus und ist für spontane Ideen nur selten nötig.

 



Auf deiner Homepage sieht man ja auch einige Auszüge aus deiner Erotik-CD, was hat dich dazu bewogen auch in diesen Bereich einzusteigen ?


Manche sagen Erotik gehört einfach zu Magic Slide. Ich sehe das ähnlich, denn was kann geiler sein als sein Leben der Angelei zu widmen! Der Akt als solches war der Gedanke, etwas in eine Show zu integrieren, was nicht gewöhnlich ist. Eine gute Show lebt davon Elemente einzubringen, die einen Aha-Effekt bewirken. Ein Beispiel: Mit der Dream Zone III war es uns gelungen, erstmalig etwas zu produzieren, worin in den ersten zwanzig Minuten nicht ein Fisch gezeigt wurde, ohne langweilig zu werden. Vorallem wenn man bedenkt, dass Shows von anderen in der Gesamtlänge meist nicht viel mehr Spielzeit haben, ein Hammer!
Die erotische Fotografie ist ausserdem eine interessante Bereicherung, das Leben in Bildern festzuhalten wie man es sich ansonsten nur in der Phantasie ausmalt.
 

Neben Angeln und Fotografieren zählt ja auch das Hobby Tauchen bei dir mit dazu. Wie lange betreibst du es schon und was fasziniert dich daran ?


Wie lange ich tauche kann ich gar nicht mehr so genau sagen; sind vielleicht etwa 8 Jahre. Auf jeden Fall habe ich den Gang ins Wasser gesucht um meine Angelei voranzutreiben. Tauchen des Tauchens wegen hat mich nie interessiert. Die Welt im Verborgenen sollte sich zu klaren Bildern in meinem Verstand formen. Fazit: Tauchen gehe ich immer noch, aber nur noch sehr selten. 2010 bin ich nicht einmal ins Wasser gesprungen. Trotzdem, neue Reviere zu erkunden ist immer spannend und manchmal ist es auch Wissensdurst der mich wieder in die heimischen Gewässer zieht.
 


Zum Schluss noch eine letzte Frage, was erwartet uns in nächster Zeit und welche Projekte stehen bei dir noch in Planung ?


In Arbeit sind derzeit die Filmdokumentationen Spycam Fishing 3 - Tatort Baggersee, Spycam Fishing 5 (noch Geheim), Spycam Fishing 6 - Predator und ein weiterer Film für den Kosmos Verlag mit dem Arbeitstitel "Friedfisch". Außerdem arbeite ich an Fiat Lux - Es werde Licht, ein Film mit enormem Showcharacter für alle, die weniger nach Belehrungen suchen aber den Kick lieben. Ach ja und dann noch die Dream Zone 5, in der der Waller mit Sicherheit eine große Rolle spielen wird.

Gerne würde ich auch wieder in unseren Szeneblättern publizieren, aber wann ich dafür Zeit finde. Vorstellen könnte ich mir auch, dass ich mal ein Buch über den Waller schreib, aber bis dies soweit ist, muß ich noch so einiges in Erfahrung bringen. Fakten sind mir halt wichtiger als der Kommerz. Man hat halt Träume und nicht alles lässt sich so genau vorausplanen.
 

Vielen Dank für das Interview und die Zeit die du dir dafür genommen hast, wir wünschen dir alles Gute für die Zukunft und bleib uns als Autor noch lange erhalten !
 



So lange ich lebe jage ich, und solange ich jage lerne ich. Wissen ist eine Errungenschaft, die man teilen sollte.

 

 


In diesem Sinne und mit den besten Wünschen ...


Euer Andreas Janitzki

 

 
 

 

 

 
     
 

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