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von Sven Dombach im September 2011 |
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Hallo
Silures ...
auf unserer Homepage möchten wir umfassend über das
Fischen auf Wels informieren. Erlebnisberichte vom Wasser
werden genauso beschrieben, wie Montagen und Methoden. Ein
besonderes Highlight sind für mich aber immer unsere
Interviews. Dabei treffen wir Menschen, die unseren Weg
beeinflusst haben, bzw. die uns besonders am Herzen
liegen. Mein Interesse für den Wels wurde Anfang der 90er
Jahre durch das „Wallerbuch“ von Thomas Flauger geweckt.
Ich habe dieses Werk seinerzeit verschlungen und ich kann
nicht sagen, wie oft ich es bis zum heutigen Tage gelesen
habe. |
Mittlerweile kenne ich
Thomas persönlich und wir haben auch schon gemeinsam dem
Silure im In- und Ausland nachgestellt. Es ist
faszinierend mit welcher Leidenschaft dieser Mann immer
noch jede Stunde am Wasser bestreitet. Der Spaß an der
Sache und die Konzentration auf den Erfolg stehen dabei
immer im Mittelpunkt. Er gibt gerne und ehrlich seine
Erfahrungen weiter, und das Ganze mit einer angenehmen und
unverkrampften Leichtigkeit, die einem immer das Gefühl
gibt, dass jeden Moment der Riesenfisch beißen könnte.
Einen Spruch von Thomas mag ich ganz besonders : „ Heute
ist die Nacht für die ganz Großen“. Egal was er eigentlich
damit sagen will. Dieser Spruch erzeugt Spannung und gibt
einem beim Fischen immer ein gutes Gefühl. Und das ist
wichtig für den Erfolg. Positiv denken und niemals den
Glauben an die Sache verlieren. Das sind für mich die
Werte, die ich mir von ihm abgeschaut habe. Und diese
Einstellung hat mir schon in vielen, ausweglosen Situation
geholfen, einfach weiter zumachen. Es freut mich ganz
besonders, dass sich Thomas bereit erklärt hat, mir ein
paar Fragen zu beantworten. Er gibt Antwort auf das was
war, das was ist, und das was er in der Zukunft machen
möchte.
Also, viel Spaß beim Lesen…
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Was waren die Gründe dafür, dass du deinen
Lebensmittelpunkt nach Südfrankreich verlagert hast?
Meine Auswanderung nach Südfrankreich hat wohl seine
Wurzeln schon in meiner Kindheit. Wir verbrachten unseren
Familienurlaub eigentlich jedes Jahr hier unten, und für
mich und meinen Bruder Achim war das natürlich immer eine
besonders schöne Zeit, mit der kleinen Glasfaserspinnrute
das Flüsschen Cèze mit seinen Felsdurchbrüchen und seinem
kristallklaren Wasser zu erkunden, oder einfach weit weg
vom schulischen Leistungsstress (Lehrer haben den wohl
auch manchmal..) die von Thymian und Rosmarin
angereicherte Mittelmeerluft zu genießen, und den
herausfordernden Blicken der gleichaltrigen französischen
Schönheiten des anderen Geschlechts mit schüchternem
Lächeln und rotem Kopf mehr oder weniger mutig zu
antworten.Solche Erinnerungen prägen sich einfach so
tief ein ins Bewusste und Unbewusste, und können dann den
Lebensverlauf eines Menschen mit beeinflussen. Definitiv
bin ich Südfrankreich eigentlich immer treu geblieben,
selbst wenn ich auch viele andere Reisen mit Motorrad oder
Angelrute gemacht habe. Und dann kam es irgendwie immer
dicker, mit den Riesenkarpfen-Abenteuern der Sternstunden
des ST. CASSIEN, gefolgt vom Entdecken eines total
unberührten Waller- Paradieses - das Rhônedelta. Das hat
mich zu dieser Zeit so stark angezogen, dass ich einfach
hier herziehen musste.
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Welche Menschen haben deinen
anglerischen Werdegang beeinflusst?
Schon als Kleinkind so mit etwa vier Jahren war ich wie
instinktiv vom Angeln angezogen. Ich angelte mit Stock und
Schnur (an der ein Effzett Blinker war) in der Regentonne
meiner Großeltern. Ich kann mich noch ganz genau dran
erinnern. Und dann nahm mich mein Vater meistens mit auf
seine Angel-Samstage bei denen es meistens auf Schleien
(im Winter) oder auf Karpfen ging. Als Ich dann schon
etwas älter war, so um zehn/zwölf Jahre, habe ich mich
auch von anderen Anglern inspirieren lassen, von Freunden
meines Vaters, wie Werner FABIAN, der leider schon
verstorbene Alfred KURZ, und viel auch von Kurt PIETSCH
mit dem ich dann die ersten großen Waller-Abenteuer
erleben durfte. Allen diesen Freunden verdanke ich sehr
viel und bin ihnen dafür ewig dankbar. |
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Was jetzt speziell das Wallerangeln betrifft, möchte ich
besonders Kurt PIETSCH nennen, der als ehemaliger
Jugendwart des Angelsportvereins Wetzlar wirklich klasse
war. Er war es auch der schon Ende der achtziger Jahre an
den Po und an den Ebro fuhr um Wallergewässer zu erkunden,
wirkliche Pionier-Arbeit leistete, und mich mit dem
Welsfieber ansteckte.
Er hat mir den Virus eingehaucht, und dann habe ich
ganz schnell meine eigenen Erfahrungen und Experimente
gemacht, wie zum Beispiel das Spinnfischen bei Nacht an
der Oberfläche mit rasend schnell geführtem Effzett, das
war zu dieser Zeit dann schon reichlich überraschend und
diese selbst erarbeiteten Erfolge gaben mir dann auch das
Selbstvertrauen um weitere Techniken und Gewässer zu
erforschen, ohne immer zu zweifeln, ob es auch nicht zu
"weitgegriffen" ist. |
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Mit der Firma "Carpsounder"
hast du deine Passion Angeln zum Beruf gemacht. Gibt es
noch anglerische Herausforderungen für dich?
Was Carpsounder betrifft, so versuche ich so gut wie's
halt geht, meine reinen Angelvergnügen und die halb
professionellen Sachen (wie Prototypen testen usw. )
auseinander zu halten. Es genügt dann eigentlich beim
Entwickeln von speziellen Geräten auf genug anglerische
Erfahrung zurückgreifen zu können, um dann auch ein
praxistaugliches Produkt herstellen zu können, ohne dass
noch jahrelang daran rumverbessert werden muss.In
Sachen anglerische Herausforderungen, kann ich dir nur
sagen, dass jede kleinste Angelstunde eine neue
Herausforderung für mich ist. Wenn ich mit ner Rute am
Wasser steh ist das bereits der Fall ! Was mich besonders
reizen würde, um mal einige Dinge zu nennen. Mal auf
Saiblinge zu angeln, weil dies meist innerhalb eines
grandiosen Berg-Panoramas stattfindet, und weil diese
Fische so schön sind, und aus mysteriöser Tiefe kommen
(ich warte gerade auf Hegenen aus Österreich).
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Endlich mal wieder auf große Schleien zu angeln, mit
feinem Gerät (hab die Ruten schon bestellt). Eine
effiziente, alternative Welsmethode zu finden (zum
Spinnfischen) die gut funktioniert, und die ohne die
übliche, auf mich abstoßend wirkende "Karauschen-Quälerei"
vonstatten geht. Die Fische mit tonnenweise Pellets
wochenlang zu dressieren ist auch nicht so mein Ding. Das
sollte nicht als Kritik an anderen Anglern falsch
verstanden werden, jeder soll das machen was er für
richtig hält, und die Sache betrifft nur meine persönliche
"Angler-Ehre", die sich schon immer gegen "den Fisch um
jeden Preis" gesträubt hat.Ich forsche zur Zeit an
einem Köder, der so schnell wie möglich auf den Waller
wirkt, ohne dass unbedingt sehr lange und viel angefüttert
werden muss. Mal sehen wie sich die Sache so
weiterentwickelt. Beim Angeln fehlt es mir nun wirklich
nicht an neuen Herausforderungen !!!
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Du hast im In- und Ausland den
Ruf eines Pioniers der modernen Wallerfischerei. Was
bedeutet das Wallerfischen heute für dich?
Nachdem ich Ende der Achtziger Jahre wie ein Verrückter
auf Großkarpfen ging, hatte ich eine Art "Wallerwahn" der
etwa sieben Jahre lang anhielt. Nachdem ich dann im
Rhônedelta im Oktober 1995 den ersten wirklichen Riesen
von über 2.50 m fing, hat sich diese Begeisterung langsam
gelegt. Ich hatte mir irgendwie selbst genug bewiesen, und
verspürte das Verlangen mich wieder zurück zum
Allround-Angler zu entwickeln. Und diese Situation ist
auch heute noch so für mich. Es macht mir immer wieder
Freude auf Waller zu angeln, jedoch mache ich dies heute
zum reinen Vergnügen, ohne jegliche extreme Ambitionen.
Na ja, ich will mal ganz ehrlich sein. Wenn ein paar
Kollegen schon tagelang ohne großen Erfolg mit großen
Mitteln fischen, fange ich ihnen schon gerne mal nen Wels
auf die Schnelle mit der Hechtrute vor..., ich müsste
lügen um diesen "Rest-Ehrgeiz" zu verneinen ! Aber
insgesamt gehe ich die Sache viel cooler an, als vor zehn
Jahren.
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Welche Methoden bevorzugst Du
bei der Wallerjagd?
So in der Tiefe meines Inneren, hab ich immer noch diese
allerersten Walleranbisse beim nächtlichen Spinnangeln
(insbesondere vom Ufer aus) in mir gespeichert. Die
knallharten Rucke ganz nah vor dem Ufer oder bereits beim
Aufklatschen des Blinkers auf die Oberfläche. Und dann der
gewaltige Drill am eigentlich viel zu leichten Gerät !
Eine gute Rute, zwei Ersatz-Effzett in verschiedenen
Gewichten und einen Strick in der Hosentasche, und die
Kopflampe als Halsband, das ist für mich die edelste Art.
Einfach puristisch schnörkellos, so viel Sensationen mit
so wenig Material- Aufwand. Aber ich werde beim
Ansitzangeln auch sehr gerne vom Bissanzeiger-Sound aus
meinen Träumen (vorzugsweise mit viel Sex) gerissen. Der
Kontrast von auf mich wirkenden geilen Weibern und des
Wallermauls, ist dann einfach so extrem klasse !!!
Seit diesem Frühjahr angele ich wieder öfters auf
Waller, und zwar versuche ich insbesondere meine Passion
für große Flusskarpfen und Welse sinnvoll und erfolgreich
zu verbinden. Deshalb auch die Geschichte mit dem neuen
Köder, der dann letztendlich ein Waller und Karpfenangeln
mit identischen Mitteln und am selben Platz als Endziel
hat.
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Gibt es den 3 -Meterwels. Wenn
ja, wo lebt er und ist dieser mit der Angel zu bezwingen?
Diese Frage stellt sich quasi jeder Waller-Fan !
Hinsichtlich der drei Meter habe ich so wie ne Art
gespaltene Persönlichkeit. Meine tiefste Überzeugung ist
JA, selbst wenn die wissenschaftlichere Auswertung der
Wallerfänge nicht unbedingt dafür spricht. Aber es gibt ja
auch einen 2.60 m großen Menschen auf der großen Welt, was
einfach gigantisch erscheint.
Die riesigen Flüsse bieten so einen großen Lebensraum,
und dass Waller nur in und um tiefe Löcher stehen ist ja
bereits ausreichend widerlegt. Es ist für mich eher
wahrscheinlich dass es IHN gibt, und zwar deshalb weil er
einfach überall leben kann, dort wo er quasi nie befischt
wird. Außerdem stellen die zur Zeit fehlenden 35 cm zu den
gefangenen 2.60 + nur etwa eine prozentuale Addition von
10% Länge dar. Eine zehn prozentige Steigerung halte ich
für durchaus möglich. Es sei außerdem erwähnt wie viele
Leute vor zwanzig Jahren über mich gelacht haben, als ich
nicht mehr nach Spanien fuhr, sondern ans Rhônedelta mit
dem 100 Kilo Waller als Zielfisch.
Und selbst wenn es ihn in der Realität nicht gibt, so
wird es ihn immer wieder geben, und zwar im Kopf des
begeisterten Welsanglers, was eigentlich schon einer
virtuellen Existenz gleichkommt! Und die Grenzen und
Übergänge von Realität und Geist sind nicht so einfach zu
definieren wie viele denken. Der Spruch "Glaube versetzt
Berge" ist bei meiner persönlichen, anglerischen
Philosophie eigentlich immer nur positiv gewesen.
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In welchen Gewässern hast du
dem Wels nachgestellt? Gibt es für dich ein
Lieblingsgewässer, wenn`s auf Wels geht?
In folgenden Gewässern habe ich auf Welse geangelt. Ganz
am Anfang in Teichen wie dem großen Weiher in Braunfels,
den Niederbieler Teichen, dem Tiergarten Weiher usw. Dort
habe ich auch die ersten nächtlichen Experimente mit BIG'S
Wobblern, Bleikopfspinnern und Löffelblinkern gemacht.
Von dort aus ging es dann an die Lahn, bevor meine
Ebro-Zeit kam. Vom Ebro ging es dann ans Rhonedelta, und
von dort aus zum Po und zum Mincio.
Dann habe ich eine Türkei-Wallerexpedition an den Saryar
und Hirfanli See gemacht, ein überwältigendes Land mit
tollen Leuten und endlosen Gewässern. Gefangen hab ich
leider dort nichts.
In Nordgriechenland war ich ja schon vorher, jedoch mit
dem Motorrad und ner kleinen Teleskopspinnrute, nur so zum
Erkunden neuer Abenteuer.
Im Lac de Saint Cassien hab ich auch ein paar mal auf
Welse geangelt, sowie in den französischen Flüssen Herault
und Creuse. |
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Du hast gerade dein
Karpfenbuch "Au fil de la carpe" fertiggestellt. Wann gibt
es eine Neuauflage deines legendären Wallerbuchs?
Nach dem Karpfenbuch in französischer Sprache würde es
mich schon reizen ein Wallerbuch 2 zu bringen. Was das
originale Wallerbuch betrifft, so ist eigentlich noch
alles was drin steht beim Angeln relevant. Jedoch könnten
viele neue Erkenntnisse und Angeltechniken hinzukommen um
dieses Buch zu ergänzen. Eigentlich habe ich das erste
Wallerbuch fast schon im Voraus geschrieben, mit vielen
Vermutungen und auch Spekulativen Passagen, und den Inhalt
dann darauffolgend anglerisch verwirklicht. Das Buch war
gewissermaßen zugleich ein Résümé meiner derzeitigen
Beobachtungen und ein "FAHRPLAN" den es in den
darauffolgenden Jahren zu verwirklichen galt. Ich kann Dir
derzeit nicht versprechen dass mir so ein Schnippchen
nochmal gelingen könnte.
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Die Messlatte in Sachen Welsanglerei ist mittlerweile
schon sehr hoch aufgelegt, zumindest was die reinen
Fangstatistiken betrifft. Ich habe den Eindruck dass
ähnlich wie in der heutigen Karpfenscene einfach nur große
Fische wichtig sind, und die eigentlichen, tieferen
anglerischen Gefühle und Sensationen das breite Publikum
weniger interessieren.
Ich weiß allerdings die Situation nicht so genau
einzuschätzen, vielleicht bin ich auch zu negativ in
dieser Hinsicht, und viele eher unsichtbare und unhörbare
(weil sie nicht gerne laut schreiende) Angler würden sich
gerne durch ein neues Wallerbuch motivieren lassen ihre
Passion nicht zu verlieren. Falls ich irgendwann eins
schreibe, dann hätte ich den Anspruch, dass es deutlich
über ein reines Angelbuch hinausgeht, und ich weiß zur
Zeit, nicht ob ich dazu eigentlich in der Lage bin. |
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Vielen Dank für deine offenen
und ehrlichen Worte ...
Deine Antworten haben auch mich ein wenig zum Nachdenken
gebracht, wohin sich die Wallerjagd in den nächsten Jahren
entwickelt. Ich gebe dir vollkommen Recht. In erster Linie
geht es nicht um das Erbeuten der größten Fische um jeden
Preis. Vielmehr zählt die innere Einstellung des Anglers
zur Sache und die persönlichen Ziele. Diese sind von
Mensch zu Mensch verschieden und lassen sich gegenseitig
nicht messen oder vergleichen. Man sollte fischen des
Fischens wegen.
Das Gefühl in der Natur zu
sein und einzutauchen in die Magie des Wassers mit dem
Wunsch eine neue Aufgabe zu bestehen, hält das Feuer am
brennen. Ganz egal, wie der Zielfisch gerade heißt ...
Sven Dombach sagt DANKE an
Thomas Flauger |
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